An der Elektromobilität führt kein Weg mehr vorbei

Heilbronn  Beim Thema Elektromobilität gehen die Meinungen im regionalen Handwerk weit auseinander. Befürworter und Kritiker der neuen Antriebsform trafen sich in Heilbronn. Werden sich E-Auto-Idealisten und leidenschaftliche Porsche-Fahrer am Ende doch einig?

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An der Elektromobilität führt kein Weg mehr vorbei
Silvia Braun (IKK Classic), Ulrich Bopp (Handwerkskammer), Thomas Peter Müller (Elektromobilität Heilbronn-Franken) und Herbert Sowa (Signal-Iduna). Foto: Paul

Mit der Elektromobilität ist es so eine Sache. Für die einen ist sie Heilsbringer für sauberen und zukunftsträchtigen Verkehr - für die anderen ist sie ein dem Zeitgeist geschuldeter Hype, der den Verbrennungsmotor noch lange nicht ablösen wird. Klar ist nur, dass man am Thema nicht mehr vorbeikommt.

Im Handwerk sind die Meinungen geteilt

So ist es kein Zufall, dass das Thema E-Mobilität auch beim traditionellen Jahresempfang der Innungsobermeister in den Räumen der IKK Classic in Heilbronn die Hauptrolle spielt. Wobei die Meinungen im regionalen Handwerk stark auseinandergehen. Für das Elektro- und Kfz-Handwerk bietet Elektromobilität Chancen, doch viele Handwerker sehen das Ende des Verbrenners noch nicht gekommen.

Kammerpräsident Ulrich Bopp etwa steht als leidenschaftlicher Porsche-Fahrer mit Benzin im Blut der E-Mobilität eher skeptisch gegenüber. Nicht zuletzt wegen der ungelösten Probleme wie schwache Reichweite, Batterieentsorgung oder mangelhafte Ladeinfrastruktur, die auch der Referent des kurzweiligen Abends nicht verschweigt.

Müller ist Idealist, aber kein Ideologe

Thomas Peter Müller ist als Präsident des Vereins Elektromobilität Heilbronn-Franken quasi oberster Trommler für dieses Thema in der Region. Der Rheinländer ist kein Ideologe, aber Idealist, wie er betont. Das muss er auch sein denn die E-Mobilität kommt in Deutschland nur langsam in die Gänge. Aber es geschieht etwas, wie nicht nur die Arbeit des 2017 gegründeten Vereins belegt, der mittlerweile 75 Mitglieder hat.

"Wir wollen das Thema Elektromobilität möglich machen und dabei eine aktive Rolle spielen", sagt Müller. Der Vereinspräsident ist absoluter Experte, wenn es um Stromnetze geht, schließlich war der Informatiker und Betriebswirt viele Jahre Geschäftsführer der Netzgesellschaft Heilbronn-Franken, einer Zeag-Tochter, und ist seit 2018 Geschäftsführer des technischen Dienstleisters Zeag Engineering im Telefunken-Park.

Nicht alles auf die elektrische Karte setzen

Für Müller ist klar, dass der Durchbruch der E-Mobilität nur gelingen kann, wenn die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Beispiel: Wenn heute in einer Siedlung mehrere Bewohner gleichzeitig ihr Elektroauto aufladen wollen, bricht das Netz zusammen. Deshalb müsse mehr in die Netzinfrastruktur investiert werden - auch in Heilbronn, wo die meist rund 70 Jahre alten Kabel in den nächsten Jahren ausgetauscht werden müssten.

Müller betont vor den rund 70 Handwerksvertretern die Chancen und Vorteile der E-Mobilität und wirbt für einen intensiveren öffentlichen Dialog über das Thema. Zugleich sieht er die Fokussierung auf diese Antriebsform kritisch. "Man darf nicht alles auf die Karte setzen: Alles wird elektrisch", warnt Müller. "Ich hoffe immer noch, dass Wasserstoff den Durchbruch schafft."


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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