Wärmepumpen-Spezialist Daikin baut mindestens 200 Arbeitsplätze in Güglingen ab
Wärmepumpenspezialist Daikin reagiert auf die schwache Nachfrage in Deutschland und Europa. Teile der Produktion werden vom Zabergäu nach Tschechien verlagert, viele Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.
Hiobsbotschaft für das Daikin-Werk in Güglingen. Der Wärmepumpenspezialist verlagert die Produktion nach Tschechien und streicht in großem Stil Arbeitsplätze im Zabergäu. Wie Daikin, früher bekannt als Rotex, am Donnerstag mitteilte, erfordere die Verlagerung „eine Umstrukturierung in Güglingen, die möglicherweise zu einem Abbau von mehr als der Hälfte der dortigen Belegschaft führen wird“.
Daikin streicht über 200 Stellen in Güglingen und verlagert Produktion nach Tschechien
Daikin beschäftigt in Güglingen den Angaben zufolge aktuell rund 400 Mitarbeiter, die zur Daikin Manufacturing Germany GmbH gehören. Demnach verlieren mindestens 200 Daikin-Mitarbeiter ihren Job.
Der japanische Konzern beschäftigt in der Region zudem rund 80 Mitarbeiter am Standort Leingarten, der jedoch zur Daikin Airconditioning Germany GmbH gehört und damit nicht von der Umstrukturierung betroffen sein dürfte.
Daikin versichert: Umstrukturierung erfolgt in Abstimmung mit Betriebsrat und IG Metall
Daikin kündigte an, die Produktion von Hydroboxen und Hydrokits von Güglingen zu Daikin Devices Czech Republic in Brünn zu verlagern. Hydroboxen und Hydrokits sind wichtige Komponenten in Luft-Wasser-Wärmepumpensystemen. Die Verlagerung sei Teil der Produktionsoptimierung für Wärmepumpen für Wohngebäude innerhalb der Daikin Europe Group, hieß es. Die Umstrukturierung werde in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und der IG Metall durchgeführt.
Daikin-Geschäftsführer glaubt weiterhin an die Wärmepumpe
„Die Nachfrage nach klimafreundlichen Wärmepumpen-Heizsystemen ist nach wie vor schwach, was zum Teil auf die schwankende und unsichere politische Unterstützung in den EU-Ländern zurückzuführen ist“, sagt Martin Krutz, Geschäftsführer von Daikin Manufacturing Germany. Er ist jedoch der Überzeugung, dass Wärmepumpen für die Erreichung der CO2-Neutralität in Europa unerlässlich ist.
„Mit dieser Umstrukturierung wollen wir die Produktivität der Daikin-Gruppe steigern und die breitere Einführung erschwinglicher Produkte fördern“, erklärt Krutz. „Wir bedauern die Auswirkungen dieser Maßnahme auf den Standort Güglingen, aber der Plan ist im Hinblick auf eine europaweite Optimierung der Fertigung getroffen“, betont der Geschäftsführer.
Vor einigen Jahren baute Daikin den Standort Güglingen in großem Stil aus
Vor rund zwei Jahren sah die Welt bei Daikin in Güglingen noch ganz anders aus. Die Ampel-Koalition wollte die Wärmewende vorantreiben und gab das Ziel aus, ab 2024 500.000 zusätzliche Wärmepumpen zu installieren. Im Jahr 2030 sollten es sogar 900.000 neue Wärmepumpen sein. Vor diesem Hintergrund setzte Daikin in Güglingen voll auf die Produktion von Wärmepumpen für den deutschen und europäischen Markt.
Es wurde kräftig in die Produktionskapazitäten investiert, die bis 2025 verdreifacht werden sollten. Die Belegschaft wuchs auf 750 Mitarbeiter im Frühjahr 2023 an, die Geschäftsführung rechnete mit mehr als 1000 Beschäftigten in wenigen Jahren. Um mehr Platz für die Produktion zu haben, kaufte Daikin ein 7000 Quadratmeter großes Grundstück in der Nachbarschaft.
Doch der Ärger um das Heizungsgesetzt der Ampel-Koalition verunsicherte die Verbraucher und führte zu einem massiven Einbruch bei der Nachfrage nach Wärmepumpen. Die hohen Erwartungen in Güglingen wurden bei weitem nicht erfüllt, nun reagiert das Unternehmen mit der Umstrukturierung auf die schwache Nachfrage nach Wärmepumpen.
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