Landkreis Heilbronn konzipiert Buskonzept für Schozach- und Bottwartal neu

Schozach- und Bottwartal  Neue Direktverbindungen und deutlich mehr Busfahrten im Schozach- und Bottwartal sind das Ziel des neuen Verkehrskonzeptes. Ab Dezember gibt es einen Schnellbus von Beilstein nach Heilbronn.

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Auch in Talheim werden künftig deutlich mehr Busse halten. Bisher nutzen rund drei Millionen Fahrgäste pro Jahr im Schozach- und Bottwartal den Nahverkehr.

Foto: Berger

Die Zahl spricht für sich: Werktags wird es 110 Fahrten mehr im Öffentlichen Personennahverkehr im Schozach- und Bottwartal geben. Statt acht Linien bedienen die Busse dann zehn. Mehr Direktverbindungen und Schnellbusse tragen zu einem besseren Angebot bei. Dieses beinhaltet laut Birgit Böhm-Lemcke, Sachgebietsleiterin Nahverkehr im Landratsamt Heilbronn, auch eine gute Vertaktung, einen dichteren Takt auf den Hauptachsen und eine einheitliche Linienführung. Der Landkreis hat eine Neukonzeption vorgenommen, weil die Kommunen gewachsen sind, neue Baugebiete an das Busnetz angeschlossen gehören. Zudem hat sich die Schullandschaft verändert. Aber auch die Bedürfnisse der Pendler gilt es zu berücksichtigen.

2061 Fragebögen ausgefüllt

Wie sehen diese aus? Wie häufig nutzen Schüler den Nahverkehr? Welche Verbesserungsvorschläge haben die Fahrgäste? Wie zufrieden sind sie mit dem Angebot? All das fragte das Landratsamt von Februar bis Mai 2019 ab. "Die Resonanz war klasse", sagt Böhm-Lemcke zu einem Rücklauf von 2061 Fragebögen. 718 Bürger hatten online oder auf Papier Auskunft gegeben, 1261 Schüler und 82 Arbeitnehmer. Überrascht war die Sachgebietsleiterin über die große Zufriedenheit, was Anzahl der Fahrten, Verbindungen, Pünktlichkeit, Fahrzeiten und Haltestellen betrifft.

Dennoch wurden zahlreiche Verbesserungsvorschläge geäußert, etwa Verbindungen auszubauen sowie Randzeiten morgens und abends besser abzudecken. Das Ergebnis: Es wird fünf neue Direktverbindungen geben. Untergruppenbach - Flein - Talheim ist die von Schülern am meisten nachgefragte Strecke. Das hat mit der Gemeinschaftsschule in Untergruppenbach zu tun. Die Unterheinrieter, die aufs Gymnasium in Beilstein gehen, bekommen eine direkte Verbindung. Die gibt es auch von Beilstein über Ilsfeld nach Talheim sowie abends von Beilstein über Ilsfeld nach Heilbronn.

Neue Linie Untergruppenbach - Lauffen

Neue Direktverbindungen und deutlich mehr Busfahren im Schozach- und Bottwartal
Das neue Konzept. Foto: HSt-Grafik

Bisher sei das Landratsamt davon ausgegangen, dass Berufspendler nach Stuttgart, etwa aus Flein, den Heilbronner Hauptbahnhof ansteuern. "Die Befragung hat gezeigt, dass sie lieber in Lauffen einsteigen würden", sagt Verkehrsplaner Johannes Heimberger. Deshalb wird eine Linie Untergruppenbach - Lauffen (649) eingeführt. Damit der Umlauf funktioniert, fährt diese morgens direkt über die Waldkreuzung zurück, nachmittags gilt das für die Hinfahrt.

Die Forderung nach einem Schnellbus auf der Hauptachse Beilstein - Heilbronn wird erfüllt. Die Linie 640 kommt mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember und führt statt über Ilsfeld oder Abstatt direkter über Wüstenhausen. Damit verkürzt sich die Fahrt von 45 auf 29 Minuten. Acht Hin- und Rückfahrten ermöglichen einen Stunden-Takt im Berufsverkehr. Für die bisherigen Linien 641 und 642 wird aus dem Stunden- ein Halbstunden-Takt mit "merkbaren Abfahrtszeiten", so Heimberger.

Unterschiedlicher Unterrichtsbeginn berücktsichtigt

Beim Schülerverkehr hat das Landratsamt den unterschiedlichen Unterrichtsbeginn an den Schulstandorten berücksichtigt. Mehr und schnellere Fahrten bekommen das Schozach- und Bottwartal auf den Hauptachsen abends in den Randzeiten. "Auch auf den Zubringer-Linien haben wir deutlich mehr Fahrten", sagt Böhm-Lemcke und nennt als Beispiel die Strecken von Obergruppenbach und Vorhof nach Untergruppenbach.

Weitere Haltestellen

Der Schnellbus, die neue Querverbindung Untergruppenbach - Lauffen, die Verbesserungen beim Schozachtal-Shuttle (Untergruppenbach über Bosch nach Kirchheim) an den Schienenverbund nach Stuttgart werden am 13. Dezember umgesetzt. Alle anderen Änderungen, etwa auch zusätzliche Haltestellen, zum 15. Februar 2021.

1,6 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich ist dem Landkreis das Angebot mit 600 000 Kilometern mehr wert. Es soll mehr Fahrgäste gewinnen, damit den Individualverkehr reduzieren. Böhm-Lemcke stellt zudem den Beitrag zum Klimaschutz heraus. Bisher flossen rund 750 000 Euro pro Jahr an direkten Zuschüssen an die Konzessionäre, RBS und Firma Gross. Dazu kommt der Landkreis-Anteil am HNV.

 

Auswertung und Ruftaxi
Deutlich über 50 Prozent der Busfahrgäste im Schozach- und Bottwartal, die an der Umfrage des Landkreises Heilbronn mitgemacht haben, sind mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zufrieden, ausgenommen die Anzahl der Fahrten. Sehr zufrieden und eher zufrieden bei der Erreichbarkeit sind 75 Prozent, bei der Übersichtlichkeit gilt das für 72 Prozent. Neben den Hauptanliegen gab es weitere Wünsche. Zum Beispiel, was die Ausstattung der Haltestellen und Fahrzeuge betrifft, das Sicherheitsgefühl, freundlicheren Kundenservice, Digitalisierung oder Fahrradmitnahme.
In Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn ließ das Landratsamt Ruftaxen prüfen. „Die Ergebnisse waren ernüchternd“, sagt Birgit Böhm-Lemcke, Sachgebietsleiterin Nahverkehr. Für die wenigen Teilorte hätte diese Beförderungsmöglichkeit so viel gekostet wie das gesamte Neukonzept. „Und sie hätte nicht den erhofften Nutzen gebracht.“


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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