Kommt der Tourismus im Weinsberger Tal gestärkt aus der Krise?

Weinsberger Tal  Wanderkarten sind derzeit sehr gefragt. Der Verein Tourismus im Weinsberger Tal rückt in Corona-Zeiten die ausgeschilderten Routen in den Fokus. Der Geschäftsführer sieht sogar eine Chance für einen höheren Bekanntheitsgrad.

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Wer auf dem WT5 und dem Obersulmer Rundwanderg 1 unterwegs ist, der kann sich an diesem herrlichen Panorama erfreuen.

Foto: Tourismus im Weinsberger Tal

Es ist schwierig für die Weinregion zu werben, wenn man keine Weinprobe machen darf", beschreibt Wolfram Linnebach, Geschäftsführer des Vereins Tourismus im Weinsberger Tal, die Problematik in Corona-Zeiten. Aber die Region von Erlenbach bis Wüstenrot hat noch mehr zu bieten. Der Blick muss nur gewendet werden auf ein anderes Pfund: die 550 Kilometer ausgeschilderten Wanderwege über Wiesen, durch Weinberge und Wälder, vorbei an Bächen mit Stopps an Aussichtspunkten. Linnebach ist Optimist. Er sieht eine Chance, gestärkt aus der Krise herauszukommen.

Atmosphäre und Flair genießen

Das Highlight im Weinsberger Tal zieht derzeit noch nicht in seiner ureigenen Form. Baden am Breitenauer See: Dieser Werbeslogan muss erst einmal ruhen, solange Gewässer, Liegewiesen und Strand gesperrt sind. Linnebach präsentiert ein neues Motto: Spazieren gehen und wandern, Atmosphäre und Flair genießen. So wird das Naherholungsgebiet ruck, zuck als "hübsches Landschaftsobjekt" gepriesen. "Die Wanderwege sind breit genug, um Abstand zu halten", lautet ein aktualisierter Hinweis auf der Homepage.

Und so sind Linnebach und seine beiden Mitarbeiterinnen in der Tourismusinformation in Weinsberg eifrig damit beschäftigt, die Wanderkarte per Post zu verschicken. Die Nachfrage sei deutlich gestiegen. "Wandern ist im Trend", stellt Linnebach fest. "Von Lauffen bis Berlin, da ist alles dabei", sagt er zu den Adressaten. Darüberhinaus gibt es natürlich auch Radwege und ausgeschilderte Touren sowie mit den Trails auch besondere Herausforderungen für Mountainbiker.

Viele Möglichkeiten, sich zu präsentieren

"Wir trommeln für das Weinsberger Tal", sagt Linnebach und hofft darauf, ein Stück vom Kuchen des boomenden Urlaubs in Deutschland abzubekommen. So freut er sich, dass der SWR-Treffpunkt Baden-Württemberg zu Gast war, um über die vielfältigen Möglichkeiten und touristischen Angebote zu berichten. Eine Reisereportage im Radio ist in Vorbereitung, Facebook und der auf die neuen Bedingungen umgestaltete Internet-Auftritt ergänzen die Palette. Einige Plattformen sind weggebrochen, wie die Naturparkmärkte oder der Regionaltag.

Da der Deutschland-Tourismus vorankomme, müsse man die Chance nutzen, Aufmerksamkeit zu erregen, sagt Linnebach. Er erhofft sich, dass die Region bekannter werde und diesen Bekanntheitsgrad behalte. Er glaubt nicht, dass die Pandemie die Bemühungen des Vereins im Tourismus um Jahre zurückwirft. "Ich bin optimistisch", sagt der Geschäftsführer. Jüngst hat der Verein neue Pauschalangebote geschnürt. Die Gastgeber hätten sich sehr offen gezeigt in Sachen Stornierung. Die ist ganz oder teilweise kostenlos und kurzfristig möglich.

Große Einbrüche bei Übernachtungsbetrieben

Auch im Weinsberger Tal hätten die Übernachtungsbetriebe relativ große Einbrüche verbucht, weil die Gäste ausblieben. "Wir haben die Stimmungslage abgeklopft, und die war sehr gedrückt", berichtet der Tourismusexperte. Die rund 3000 Betten im Weinsberger Tal in Hotels, Gaststätten, Weinbaubetrieben und privaten Ferienwohnungen stellten eine "stattliche Zahl" dar.

Programme wie Obersulm erleben, Wüstenroter Höhentouren, Löwensteiner Bergtouren oder die Löwenexpress-Fahrten mit den Winzern vom Weinsberger Tal waren und sind auf Eis gelegt. Führungen seien zwar wieder erlaubt, jedoch unter Einschränkungen. "Wir müssen gucken, dass wir das Geschäft wieder in Gang bekommen, was jetzt möglich ist, und was die Ordnungsämter vorgeben", sagt Linnebach. Die Naturparkführer lebten von ihren Angeboten. Ein Neustart ist gemacht: Die erste Löwensteiner Bergtour fand am Sonntag statt. Und auch Museen, Kletterpark, Greifvogel- oder Minigolf-Anlage sind wieder geöffnet, wie Ausflügler und Urlauber der Homepage entnehmen können.

Zum Verein

Seit 2013 gibt es den Verein Tourismus im Weinsberger Tal. Gegründet wurde er von den Kommunen Erlenbach, Eberstadt. Weinsberg, Ellhofen, Lehrensteinsfeld, Obersulm,Löwenstein, Wüstenrot und dem Naherholungszweckverband Breitenauer See. Inzwischen hat er rund 100 Mitglieder, darunter Wengerter, Hoteliers und Gastronomen, die in touristischen Fragen beraten werden. Zunächst war die Geschäftsstelle im Alten Rathaus in Willsbach. 2018 erfolgte der Umzug, als die Tourismusinformation mit Vinothek in Weinsberg eröffnet wurde. 


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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