Wie sehr Gemeinden in der Region Partnerschaften pflegen

Region  Wie stabil Gemeindepartneschaften innerhalb Europas sind, hängt sehr von den Beteiligten ab. Die Redaktion hat bei einigen Kommunen im Weinsberger Tal sowie im Schozach- und Bottwartal nachgefragt.

Von Anja Krezer

Im Dezember 2018 tauschen Vertreter aus Ellhofen und der Partnerkommune Peccioli Geschenke und Erinnerungstafeln aus. Die Freundschaft zwischen beiden Orten besteht seit 30 Jahren. Foto: Kress

Sind sie auch nach etlichen Jahren noch wie die Turteltäubchen? Oder haben sich die Partner in der langen Zeit der Ehe auseinandergelebt? 

Seit 35 Jahren ist Eberstadt mit Montescudaio vermählt. Die Ehe mit dem Weinort in der Toskana werde gepflegt - "aber nur von einem kleinen Kreis", bedauert Bürgermeister Stephan Franczak. Dieser Kreis ist im Laufe der Ehe gealtert. Auf der italienischen Seite sei es ebenso.

Früher, mutmaßt der Rathauschef, sei es etwas Besonderes gewesen, ins Ausland zu fahren und dort offiziell empfangen zu werden. Im Zeitalter der Billigflieger nicht mehr. Kurz mal nach London? Ein Wochenende in Barcelona? Kein Problem. Eins lässt Franczak hoffen: Für den Besuch im März in Montescudaio haben sich schon 30 Leute angemeldet - "darunter viele junge Menschen und Familien".

"Wir sind so im Mittelfeld, was die Intensität betrifft", sagt Thomas Siegle, als Hauptamtsleiter im Weinsberger Rathaus zuständig für die Städtepartnerschaften. Weinsberg ist polygam und führt zwei Ehen: eine mit Carignan in Frankreich, eine mit Costigliole d'Asti in Italien. Und dann ist da noch die außereheliche Beziehung, Städtefreundschaft genannt, mit Cossebaude, einem Stadtteil von Dresden.

Was Carignan betrifft, gibt es in Weinsberg einen Partnerschaftsverein. "Das läuft einwandfrei", sagt Siegle. Allerdings: "Er ist überaltert. Es gibt wenig bis gar kein junges Blut." Eine Auffrischung ist auch nicht durch den Schüleraustausch zu erwarten, den das Justinus-Kerner-Gymnasium und das Collège de Carignan seit 50 Jahren pflegen. Die Schüler, die mitmachen, seien 14,15 Jahre alt - nicht eben das Klientel für den Verein.

Ob eine Gemeinde-Ehe lustvoll oder langweilig ist, hängt für Siegle vor allem von den handelnden Akteuren ab: "Das ist immer ein Knackpunkt." Zumal wenn es keinen Partnerschaftsverein gibt, der die Beziehung pflegt. Dies trifft auf Weinsberg und Costigliole zu. Auch deshalb blickt Siegle gespannt auf den Ausgang der Bürgermeisterwahl in der norditalienischen Weinbaugemeinde im Frühjahr. Klar ist: Es wird auf jeden Fall einen Wechsel geben.

Turteltäubchen oder Ehe-Alltagstrott?

Polygam ist auch Obersulm. "Es sind keine Ehen nur auf dem Papier", sagt Hauptamtsleiter Jochen Dicht. "Doch ehrlicherweise muss ich zugeben: Unsere einst aktivste Partnerschaft mir Beaumont-le-Roger lässt etwas nach." Der Schüleraustausch mit der Realschule sei vor ein paar Jahren eingeschlafen. Auf französischer Seite habe der Schulleiter kein Interesse mehr gehabt. Und: "Französische Schüler lernen lieber Spanisch als Deutsch, weil ihnen das leichter fällt."

Die Beziehung zu Hercegkút in Ungarn hingegen "funktioniert astrein." Dicht hat beobachtet: "Die jungen Leute dort lernen wieder verstärkt Deutsch." Alljährlich organisiert das Obersulmer Jugendhaus einen Austausch. Was die Ehe mit dem österreichischen Rohrendorf betrifft: "Das flutscht. Das ist ein Selbstläufer." Es gebe viele persönliche Beziehungen - was sich mangels Sprachbarriere natürlich viel einfacher gestaltet als mit den anderen beiden Ehegatten. Eine Obersulmer Delegation ist stets beim Rohrendorfer Kellergassenfest dabei, das alle zwei Jahre gefeiert wird. "Das sind dann über hundert Leute", schätzt Hauptamtsleiter Dicht.

"Es steht und fällt mit den Akteuren", sagt auch Miriam Kloiber, im Ilsfelder Rathaus zuständig für die drei Gemeinde-Ehen. Wobei die Ehe mit dem rumänischen Meschen vor allem vom Verein Siebenbürger Nachbarschaft Meschen gelebt wird. In der Ehe mit Auenstein in der Schweiz ist der Musikverein Auenstein die treibende Kraft. "Es gibt sogar Radler, die miteinander Fahrrad fahren", sagt Kloiber. "Nicht funktioniert" habe ein Schüleraustausch mit dem britischen Ottery St. Mary. Was die englisch-deutsche Ehe betrifft, hat auch Kloiber "eine gewisse Überalterung" ausgemacht. Bedroht der Brexit die Beziehung? Mitnichten. Kloibers Eindruck: "Er bindet die Menschen eher aneinander, als dass er sie spaltet."

Eine Menage à trois führt Untergruppenbach: Die Gemeinde ist mit Chazelles-sur-Lyon (Frankreich) und Jerago con Orago (Italien) vermählt, und die beiden Orte sind es wiederum miteinander. Ellen Mangatter, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, kennt die Schwierigkeiten, die drohen, wenn die Akteure altern. "Wir versuchen, aktiv gegenzusteuern." Wenn der offizielle Besuch in Chazelles oder Jerago ansteht - man trifft sich reihum; 2018 waren 150 Franzosen und Italiener hier - nimmt Mangatter Vereine mit ins Boot.

"Der Musikverein Heinriet pflegt Kontakte zur Kapelle von Jerago." Auch mit der Fußballjugend des TSV Untergruppenbach kooperiert sie. Mit Erfolg: "Dadurch sind ein paar jüngere Mitglieder dazu gekommen."

Neben dem offiziellen Besuch gibt es weitere auf privater Basis. "Vier, fünf Begegnungen sind es schon im Jahr." Über die Arbeit des Vereins sagt Mangatter: "Es ist mit sehr viel Aufwand verbunden. Aber ich meine das nicht negativ. Ich finde, das Ganze ist wichtiger denn je."

Es gibt übrigens nur eine Kommune im östlichen Landkreis Heilbronn, die Single ist, und sie ist mit 2500 Einwohnern auch die kleinste: Lehrensteinsfeld.

 

 

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