"Mit vollem Ranzen kann man Gott nicht spüren"

Lauffen  Der katholische Pfarrer Michael Donnerbauer beantwortet Fragen zur Fastenzeit. Was das geistliche Leben bremst, sollte losgelassen werden. Per Whatsapp bekommt man 40 Tage lang jeweils ein Wort als Impuls.

Von Sabine Friedrich
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Altar Talheim
Auch in der Talheimer Kirche Mariä Himmelfahrt wird ab dem fünften Fastensonntag in Vorbereitung auf die Karwoche das Kreuz verhüllt. "Man braucht einen neuen Blick auf den Gekreuzigten", sagt Pfarrer Michael Donnerbauer. Foto: Mario Berger

An Aschermittwoch ist nicht nur alles vorbei − in Sachen Karneval und Fasnet, sondern er ist der Startschuss zur 40-tägigen Fastenzeit. Wird diese von Christen überhaupt noch wahrgenommen? Was hat es mit Buße tun auf sich? Fragen, die Pfarrer Michael Donnerbauer von der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus Lauffen, beantwortet.

 

Herr Pfarrer Donnerbauer: Fasten ist "in", wenn es darum geht, den Körper zu reinigen, die Ernährung umzustellen oder abzunehmen. Wie ist es ums Fasten in religiösem Sinne bestellt?

Michael Donnerbauer: Es geht um geistliches Fasten, etwas wegzulassen, was mich von Gott abhält. Es schadet ja niemandem, den Körper zu entschlacken. Alles, was das geistliche Leben bremst, sollte losgelassen werden, um mit großer Intensität das zu tun, was uns Gott näher bringt. Das kann manchmal Verzicht aufs Essen sein. Wenn man einen vollen Ranzen hat, kann der Geist nicht arbeiten und die Seele nicht zu sich kommen. Und ich kann Gott nicht spüren.

 

Aschermittwoch bildet den Auftakt: Lassen sich noch viele Gläubige das Aschekreuz auf die Stirn zeichnen?

Donnerbauer: Es sind schon einige Menschen im Gottesdienst, aber weniger als noch vor zehn oder 15 Jahren. Aschermittwoch hat, was das Empfinden der Leute betrifft, eher etwas Unangenehmes. Man wird mit seiner eigenen Begrenzung konfrontiert.

 

Was hat es mit der Asche auf sich?

Donnerbauer: In alten Kulturen hatte die Asche etwas Reinigendes. Man hat damit Dinge desinfiziert. Vergebung, die Vergänglichkeit, die Endlichkeit des Lebens spielen eine Rolle. Mir ist auch wichtig, dass man trotzdem Grenzerfahrungen macht im Normalbetrieb. Die Asche erinnert daran.

 

In der Fastenzeit soll man sich besinnen und Buße tun. Wofür?

Donnerbauer: Beim Besinnen geht es um die intensive Verbindung zu Gott. Unser Leben ist nicht perfekt. Es geht darum, sich seiner Schuld bewusst zu werden, manchmal auch in kleinen Dingen, und dann starte ich neu.

 

Ist das Fasten überhaupt noch im Bewusstsein der Gesellschaft?

Donnerbauer: Diese Art des Fastens ist weniger präsent.

 

Warum dauert die österliche Bußzeit 40 Tage?

Donnerbauer: Das hat einen rein biblischen Bezug. Jesus hat in der Wüste 40 Tage gefastet. Und die Zahl 40 spielt ohnehin in der Bibel eine große Rolle.

 

Verzicht wird in dieser Zeit auch in den Gotteshäusern geübt.

Donnerbauer: Das Kreuz wird erst ab dem fünften Fastensonntag verhüllt in Vorbereitung auf die Karwoche. Man braucht einen neuen Blick auf den Gekreuzigten. Wir haben in unseren Kirchengemeinden keine Blumen auf den Altären. Und ich habe ein violettes Messgewand als Zeichen für Umkehr und Buße an.

 

Kennen Sie noch katholische Haushalte, in denen freitags kein Fleisch auf den Tisch kommt?

Donnerbauer: Es gibt nur noch wenige, die das praktizieren. In früheren Zeiten war es leicht, auf Fleisch zu verzichten, weil man sich gar keines leisten konnte. Wenn ich aber einen Edelfisch esse, dann ist das auch nicht gerade eine Fastenspeise. Es geht für mich um die Sensibilität für das, was ich esse.

 

Fasten Sie auch, und worauf verzichten Sie?

Donnerbauer: Ich faste an Aschermittwoch und an Karfreitag. Da gibt es bis zum Gottesdienst am Abend nur ein Magerjoghurt. Ansonsten versuche ich, mir mehr Zeit fürs Beten zu nehmen, als Pfarrer die Verwaltungsaufgaben etwas zu reduzieren und die seelsorgerischen Aspekte zu stärken.

 

Welche Angebote gibt es in der Kirchengemeinde St. Franziskus während der österlichen Bußzeit?

Donnerbauer: Die Lectio divina − Bibel lesen in der Fastenzeit. Es geht um das Buch Jona. Dazu ist jeden Donnerstag um 19.30 Uhr Treffpunkt im katholischen Gemeindehaus in Talheim. Dann machen wir bei der Fastenaktion des Dekanats Heilbronn-Neckarsulm mit: 40 Tage − 40 Worte. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag gibt es dazu täglich ein Wort, mit dem man sich vier Minuten beschäftigen soll. Wir bieten dazu einen Austausch freitags um 19 Uhr in unserem Gemeindehaus in Lauffen an. Zudem steht Pastoralreferent Raimund Probst montags für einen Chat zur Verfügung.

 

Die Aktion "40 Tage − 40 Worte" steht unter dem Motto der Kirchen für die Bundesgartenschau in Heilbronn: "Leben schmecken". Passt das eigentlich zur Fastenzeit?

Donnerbauer: Ja, weil es um das Mehr im Leben geht. Wenn ich bestimmte Dinge lasse, kann ich das Mehr, das mein Leben bietet, wieder besser ,schmecken", entdecken.

 

An der Aktion kann man auch per Whatsapp mitmachen. Will man damit junge Leute gewinnen?

Donnerbauer: Ja. Aushang und Schaukasten funktionieren heute nicht mehr. Man erreicht über Whatsapp ein anderes Spektrum an Publikum. Das hat im vergangenen Jahr schon mit unserem Advents-Impuls gut funktioniert.

 


Katholische Kirchengemeinde hat rund 9600 Katholiken

Pfarrer Michael Donnerbauer ist 43 Jahre alt und seit 2007 Pfarrer in Lauffen. Seit 2017 steht er der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus mit Sitz in Lauffen vor. Diese ist durch den Zusammenschluss der früheren selbstständigen Kirchengemeinden St. Paulus Lauffen, Mariä Himmelfahrt Talheim und St. Stephan Untergruppenbach entstanden. Die rund 9600 Katholiken verteilen sich auf Abstatt, Flein, Ilsfeld, Lauffen, Neckarwestheim, Talheim und Untergruppenbach.

Mit dem Pastoralreferenten kann gechattet werden unter dem Link stin.to − am 18. und 25. März und am 1., 8. und 15. April, immer von 20.45 bis 21. 45 Uhr. Mit dem Stichwort "40 Tage" kann das Wort des Tages zur Fastenaktion des Dekanats auch per Whatsapp unter der Nummer 0170 8948388 abgerufen werden. 

 


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