Kein Tempo 30 trotz Lärmaktionsplan

Ellhofen  Ein Anlieger der K2113 in Ellhofen hat vor einem Jahr Unterschriften gesammelt, um gegen Verkehr zu protestieren. Doch gegen die geltenden Vorschriften kann er nicht viel ausrichten.

Email

Zu den Hauptverkehrszeiten ist auf der Kreisstraße 2113, die in diesem Bereich in Ellhofen auch "äußere" Bahnhofstraße genannt wird, einiges los − sehr zum Leidwesen der Anlieger.

Foto: Archiv Krezer

Es ist fast ein Jahr her, da hat Wolfgang Brucklacher Bürgermeister Wolfgang Rapp eine Mappe übergeben. Inhalt: 40 Unterschriften. Unterschriften von Menschen, die wie Wolfgang Brucklacher im Bereich der sogenannten "äußeren" Bahnhofstraße wohnen und über zu viel Lärm und zu viel Verkehr klagen. "Geschehen ist bis dato nichts", klagt der Ellhofener. "Der Lärm ist nach wie vor unerträglich." Brucklachers Hoffnung auf Tempo 30 wird auch mit einem Lärmaktionsplan unerfüllt bleiben. Auch kein anderer von Brucklachers Wünschen wird sich wohl erfüllen. Denn an den Vorgaben für die Kreisstraße K 2113 hat sich nichts geändert.

Verkehr nimmt immer mehr zu

Seit Jahren setzt sich Wolfgang Brucklacher dafür ein, dass es ruhiger wird auf dem bebauten Abschnitt der Kreisstraße 2113, die von Edeka nach Grantschen führt und im Bereich von Ellhofen Bahnhofstraße heißt. Denn der Verkehr nehme immer mehr zu, klagt Brucklacher. Damit sich was tut, hatte er in der Nachbarschaft Unterschriften gesammelt.

Zwischenzeitlich hat ein Fachbüro den Lärmaktionsplan erarbeitet, den die Gemeinde wie viele andere Kommunen in Auftrag gegeben hatte. In der nächsten Ratssitzung hätten ihn die Bürgervertreter absegnen sollen - wegen der Corona-Misere wurde sie abgesagt. Doch Hoffnungen - also etwa Tempo 30 in dem Bereich, wo Häuser stehen, oder Lärmschutzwände - braucht sich Wolfgang Brucklacher ohnehin nicht zu machen. "Der Lärmaktionsplan berechnet an bestimmten Straßen Lärmwerte nach der Bundesimmissionsschutzverordnung. Je nach Grad der Überschreitung gibt es Handlungsbedarf", erklärt Felix Pontow, der Bauamtsleiter der Gemeinde. Nicht aber an der K2113. "Wir haben hier keine Überschreitungen beziehungsweise nur an zwei Gebäuden." Da sei der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht gegeben.

Werten werden nicht gemessen, sondern berechnet

Gleichwohl kann Pontow die Nöte des Ellhofener Bürgers nachvollziehen. Denn: Die Werte für den Lärmaktionsplan werden nicht gemessen, sondern berechnet. "Die Berechnung legt zugrunde, dass jeder 50 Stundenkilometer fährt." Tatsächlich sind aber viele schneller unterwegs. Deshalb mache ja das Landratsamt Heilbronn, das für die Kreisstraße zuständig ist, regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen.

Von der Kreisbehörde fühlt Brucklacher sich nicht wirklich ernst genommen. Ihm werde gesagt, "man drehe sich im Kreis". Landratsamtssprecher Manfred Körner sagt auf Nachfrage der Heilbronner Stimme: "An der Sachlage hat sich nichts geändert. An dieser Stelle ist keine Gefahrenlage." Gäbe es sie, wäre das eine weitere Möglichkeit, Tempo 30 durchzusetzen. Ansonsten seit das auf einer klassifizierten Kreisstraße nicht möglich.

Kann man das Ortsschild versetzen?

Ein anderer Vorschlag Brucklachers: das Ortsschild Richtung Edeka versetzen, damit langsamer gefahren wird. Doch auch das lässt sich wohl nicht durchsetzen. Bauamtsleiter Pontow: "Es gibt klare Vorgaben, wo ein Ortsschild stehen darf." An dieser Stelle seien sie nicht erfüllt, gibt er die Haltung des Landratsamtes wieder.

Für Wolfgang Brucklacher ist das alles kein rechter Trost. Und für seine Nachbarn auch nicht. "Wen man auch fragt - alle ärgern sich." Das Lärmproblem müsse vom Heilbronner Landratsamt gelöst werden - wie auch immer, findet der Ellhofener. "Es muss möglich sein, ruhig schlafen zu können."


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

Kommentar hinzufügen