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Steigt die Zahl der Sozialwohnungen in der Region Heilbronn und Hohenlohe?

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Das Land verkündet den Bau von 3367 neuen Sozialwohnungen. Wie viele es jedoch aktuell im Landkreis Heilbronn und in Hohenlohe gibt, scheinen selbst Behörden nicht genau zu wissen. 


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Das Land Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr den Bau von 3367 Sozialwohnungen bewilligt. Das sei der höchste Wert seit zehn Jahren und ein Anstieg von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2348), wird Bauministerin Nicole Razavi in einer Pressemitteilung vom 30. März dieses Jahres zitiert. Auch der Gesamtbestand an Sozialwohnungen im Land habe sich „dank eines seit Jahren erheblich stärkeren finanziellen Engagements von Bund und Land 2025 weiter erhöht – das vierte Jahr in Folge.“

Insgesamt liege der Bestand 2025 bei 56.072 Wohnungen, rund 2600 mehr als im Jahr zuvor. Im Gegenzug lief bei 1333 Wohnungen die Sozialbindung aus. Das bedeutet, diese müssen nicht mehr zu niedrigeren Mietpreisen angeboten werden.

Praktiker zeichnen düsteres Bild der aktuellen Sozialwohnungssituation in Hohenlohe

Das positive Bild, welches das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen hier zeichnet, kann Rolf Hofacker, Geschäftsführer der Kreisbau Künzelsau, nicht nachvollziehen und wird seit Jahren nicht müde, politische Veränderungen einzufordern. „Auflagen und hohe Baukosten machen das Bauen und Sanieren zunehmend unbezahlbar. Aktuell verschärft sich die Kostensituation vor allem bei energieintensiven Baustoffen, die sich aufgrund des Iran-Kriegs erheblich verteuern.“

Die Genossenschaft hat 665 eigene Wohnungen, darunter waren zuletzt rund 80 geförderte Sozialwohnungen. Derzeit sei das Bauen so teuer, dass der soziale Wohnungsbau auch über hohe Mieten aus anderen Objekten kaum finanzierbar sei. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangten auch die Cousins Marvin und Pascal Weinberger von der gleichnamigen Baufirma mit Sitz in Öhringen

Wie viele Sozialwohnungen gibt es in Hohenlohe? Landratsamt kennt keine genauen Zahlen

Wie sich die Zahl der geförderten Mietwohnungen im Hohenlohekreis entwickelt, kann das Landratsamt in Künzelsau nicht mit Sicherheit sagen: „Ein Bedarf an freiem und bezahlbarem Wohnraum ist grundsätzlich vorhanden. Dies zeigt sich unter anderem in entsprechenden Anfragen“, heißt es auf Nachfrage aus der Pressestelle. Der Behörde lägen allerdings „keine Informationen zur Anzahl der geförderten Sozialwohnungen oder zu deren Verteilung im Kreisgebiet vor“.

Die letzte offizielle Angabe hierzu stammt aus einem Dokument des Ministeriums aus dem Jahr 2020: Da waren es 304. Die Prognose damals gestaltete sich düster: Erwartet wurde für 2025 ein Rückgang auf 164. Das berücksichtigte jedoch lediglich die Objekte, die bis dorthin aus der Preisbindung fallen, nicht jedoch Neubauten.

In der Stadt Heilbronn steigt die Zahl geförderter Wohnungen deutlich an

„Trotz der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren viele Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen sind, ist es uns gelungen, den Bestand an öffentlich geförderten Mietwohnungen wieder zu vergrößern“, sagte Oberbürgermeister Harry Mergel kürzlich. 

In der Stadt Heilbronn offenbart sich ein positiveres Bild. „Der Wohnungsneubau ist in der Stadt Heilbronn auf einem moderaten Niveau“, ist im neuesten „Bericht zur Bautätigkeit 2025 der Stadt Heilbronn“ zu lesen. Einen regelrechten Schub wird in naher Zukunft der soziale Wohnungsbau in der Stadt erfahren. Stand 31. Dezember 2024 gab es 1545 geförderte Wohnungen in der Stadt Heilbronn, schon für Ende 2025 waren 1849 prognostiziert. Damit ist das 2018 politisch erklärte Ziel von fünf Prozent geförderten Wohnraums am gesamten Mietwohnungsbestand vermutlich inzwischen erreicht.

Wie funktioniert die Förderung?

Der Staat bezuschusst den Bau von sozial gebundenen Mietwohnraum. Im Gegenzug verpflichtet man sich, die Miete für einen bestimmten Zeitraum (bis zu 40 Jahre) deutlich (zwischen 20 und 40 Prozent) unterhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete zu halten. Außerdem darf die Wohnung ausschließlich an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden. Ein Beispiel: Ein Haushalt mit zwei Personen kann mit einem Haushaltseinkommen von bis zu 60.350 Euro pro Jahr einen Wohnberechtigungsschein für geförderte Mietwohnungen erhalten.

Die Stadt Künzelsau bezuschusst den geförderten Wohnungsbau 

Die Kommunen in Hohenlohe unternehmen ebenfalls einiges, um den sozialen Wohnbau zu fördern. So schreibt die Stadt Öhringen 20 Prozent Sozialwohnungsbau pro Bauträgerprojekt vor. Die Stadt Künzelsau hat sich in ihrer Strategie „Zukunft 2030“ das Ziel „Wohnraum für alle“ gesetzt. Deshalb verlangt man beim Verkauf von Baugrundstücken für Mehrfamilienwohnhäuser, beziehungsweise Geschosswohnungsbau, dass mindestens 30 Prozent Sozialwohnungen entstehen. Die Stadt bezuschusst das außerdem mit einem reduzierten Grundstückspreis. Auch plant die Stadt selbst, ein Mehrfamilienhaus zu bauen mit etwa 20 Sozialwohnungen. 

Über den konkreten Bestand an gefördertem Wohnraum im Landkreis Heilbronn kann auch die dortige Pressestelle keine Auskunft geben. 2020 waren es 249. Allerdings verweist die Pressestelle auf die Förderanträge für entsprechende Bauvorhaben. Diese lagen 2020 bei 31 Wohneinheiten, 2025 bei 142. Insgesamt waren es in diesen fünf Jahren 455 Anträge.

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