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Hohenlohe

Sozialer Wohnbau stockt: Wartelisten für günstigen Wohnraum

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Die Pläne liegen bei den Bauträgern in den Schubladen. Doch die Unternehmen und Genossenschaften hoffen auf Förderprogramme und weniger Bürokratie.

Bauträger reagieren mit Zurückhaltung auf die gestiegenen Bauzinsen bei gleichzeitig noch hohen Herstellungspreisen. Das trifft vor allem auch den geförderten Wohnbau.
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Bauträger reagieren mit Zurückhaltung auf die gestiegenen Bauzinsen bei gleichzeitig noch hohen Herstellungspreisen. Das trifft vor allem auch den geförderten Wohnbau. Foto: dpa  Foto: Sebastian Willnow

Die hohen Baukosten bei gestiegenen Bauzinsen vermiesen nicht nur den Bauherren von Einfamilienhäuschen die Freude am Eigenheim. Auch der soziale Wohnungsbau gerät ins Stocken. Dabei ist der Bedarf an gefördertem Wohnraum nach wie vor hoch: In Heilbronn haben 911 Menschen einen Wohnberechtigungsschein.

Mietpreisbindung lässt nach: Weniger geförderte Wohnungen in Öhringen

Aktuell gibt es in Öhringen180 geförderte Wohnungen. In zwei Jahren sind es nur noch 60 in den Kesseläckern und der Lindenallee. Denn: Wenn die Mietpreisbindung nachlässt, kommen die Wohnungen regulär auf den Markt, erklärt Kreisbau-Geschäftsführer Rolf Enke.

Die Kreisbau Öhringen hat 620 eigene Wohnungen, etwa 1200 werden verwaltet. Die Mieten der Sozialwohnungen liegen 30 Prozent unter der ortsüblichen Miete. Eine Quote von 20 Prozent Sozialwohnungsbau pro Bauträgerprojekt hat die Große Kreisstadt Öhringen vorgeschrieben. Für den Siedlungsweg Öhringen beispielsweise, den die Kreisbau gemeinsam mit Wohnbau Kern realisieren will, bedeutet das: 14 mietpreisgebundene Wohnungen für die Kreisbau und 13 für Kern Wohnbau. Im Siedlungsweg können 130 Wohnungen entstehen. Oder besser: könnten.

Umsetzung steht in Sternen

Denn die Pläne dafür sind gemacht, die Umsetzung steht aber in den Sternen. "Wir brauchen weniger Formalismus, vernünftige Rahmenbedingungen bei der Finanzierung, vernünftige Energiestandards und eine Verwaltung, die schnell handelt", kritisiert Enke die lange Dauer eines Bauvorhabens. Wenn die Pläne eingereicht werden, sei völlig unklar, welche Förderkulisse bei der Umsetzung gelte, nennt er ein Problem. In Forchtenberg wollte die Kreisbau ein Neun-Familienhaus sanieren. Es gab eine Förderzusage der L-Bank. "Als die abgerufen werden sollte, war kein Geld da", so Enke. Aktuelles Projekt der Kreisbau Öhringen ist das in der Gäwelestraße. Doch es wird nur ein Bau umgesetzt, drei weitere Bauten in der Straße werden geschoben - in der Hoffnung auf bessere Konditionen. In den vergangenen Jahren wurden zwei Wohnanlagen mit insgesamt 46 öffentlich geförderten Wohnungen erstellt. Aktuell entstehen im Limespark im Baufeld D 33 Mietwohnungen, 21 in der Form von Sozialwohnungen.

Vorhaben werden geschoben

662 Wohnungen vermietet die Kreisbaugenossenschaft Künzelsau zu einem Durchschnittsmietpreis von 6,43 Euro pro Quadratmeter. So wirke man stark mietpreisdämpfend, erklären die Vorstände Rolf Hofacker und Arno Zinz. Doch die schwierigen Rahmenbedingungen hätten bereits dazu geführt, dass "vielerorts Neubauvorhaben verschoben oder ganz gestrichen wurden". Die Kreisbau habe ihre Bautätigkeit bislang nicht eingestellt: "In Gaisbach realisieren wir momentan ein großes Bauvorhaben mit 52 Wohneinheiten." Man baue jedoch aktuell keine Sozialwohnungen.

"Die Förderung von Bund und Land von bezahlbarem Wohnraum bietet leider seit Jahren einen geringen bis gar keinen Anreiz für Investoren, in den sozialen Wohnungsbau einzusteigen", sagt der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann.

Die Stadt hat sich in ihrer Strategie "Zukunft 2030" das Ziel "Wohnraum für alle" gesetzt. Deshalb böten Gemeinderat und Stadtverwaltung einen Anreiz: "Beim Verkauf von Baugrundstücken für Mehrfamilienwohnhäuser, beziehungsweise Geschosswohnungsbau, verlangen wir, dass mindestens 30 Prozent Sozialwohnungen entstehen. Unterstützt wird das mit einem reduzierten Grundstückspreis", erklärt Neumann. Auf diese Weise seien im Stadtteil Taläcker im vergangenen Jahr 80 Sozialwohnungen und wenige Jahre zuvor bereits knapp zehn Wohnungen entstanden. Dabei verpflichten sich die Eigentümer auf zehn Jahre, die Wohnungen unterhalb des ortsüblichen Mietpreises zu vermieten.

Richtlinien für geförderte Sozialwohnungen

"Nach aktuellen Förderrichtlinien des Wohnraumfördergesetzes müssen die geförderten Sozialwohnungen 33 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete vermietet werden. Die Mieter benötigen einen Wohnberechtigungsschein", heißt es in der Stellungnahme der Stadt Künzelsau weiter. Selbst vermiete man Wohnungen zu vergleichsweise günstigen Preisen. Sie können ohne Wohnberechtigungsschein bezogen werden. Für die städtischen Wohnungen gibt es eine Warteliste.

Außerdem plane die Stadt derzeit im Hallstattweg ein Mehrfamilienhaus mit über 20 Sozialwohnungen. "Die endgültige Größenordnung und Gestaltung ist noch nicht abschließend festgelegt. Das Gebäude soll 2025 in Modulbauweise entstehen." Ein Schritt, der auf dem Mietmarkt künftig zudem für mehr Transparenz sorgen soll stand gestern auf der Tagesordnung des Gemeinderats: die Einführung eines qualifizierten Mietspiegels.

Blick in Stadt- und Landkreis Heilbronn

Der Landkreis Heilbronn hat laut Sprecherin Lea Mosthaf 2019 ein Förderprogramm ins Leben gerufen, mit dem der Sozialwohnungsbau mit 200 Euro pro Quadratmeter bezuschusst werden kann. Die Förderung erfolge zusätzlich zur Förderung des Landes. Zehn Projekten wurden Zusagen erteilt. "Die ersten Wohnungen sind bezogen. Für weitere zwölf Bauprojekte liegen Mittelanmeldungen vor. Insgesamt werden mit diesen 22 Bauprojekten etwa 300 neue, bezahlbare Wohnungen mit Mietbindung im Landkreis entstehen", sagt Lea Mosthaf.

Der Heilbronner Gemeinderat hat 2018 die "Baulandpolitischen Beschlüssen" verabschiedet. Die regeln, dass die Bauverwaltung bei größeren Projekten eine Quote geförderten Wohnraums mit den Bauherren aushandelt. Im zweiten Bauabschnitt des Neckarbogens entsteht dadurch 30 Prozent des neuen Wohnraums als geförderter Wohnraum, im Neubaugebiet Hochgelegen 50 Prozent. So habe der Bestand an gefördertem Wohnraum sogar vergrößert werden können, obwohl viele Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen seien, erklärt Stadtsprecherin Claudia Küpper.

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