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Treibhausgas-Leck in Bad Wimpfen: Anwohnerin fordert strengere Regeln für Solvay

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Mehrere Bürger der Stadt Bad Wimpfen haben sich zu den Geschehnissen rund um den Chemiekonzern Solvay bei einer Umfrage geäußert. Das beschäftigt sie am meisten.


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In Bad Wimpfen machen sich die Anwohner ihre Gedanken um den Chemiekonzern Solvay. Laut einer Studie hat das Unternehmen deutlich mehr gefährliches Treibhausgas, Schwefelhexafluorid (SF6) genannt, ausgestoßen als in Berichten angegeben. Zwar ist das farb- und geruchslose Gas ungefährlich für Menschen, als Treibhausgas trägt es aber wesentlich zur Erderwärmung und damit zum Klimawandel bei. 

Treibhausgas-Leck bei Solvay in Bad Wimpfen: Anwohnerin für strengere Regeln

„Der Mensch ist nur noch ein Nebenprodukt“, sagt Claudia Rudolf. Die Bad Wimpfenerin ist der Meinung, der Wirtschaft werde zu viel entgegengearbeitet, die Umwelt werde dabei außenvor gelassen. Vor 40 Jahren ist sie nach Bad Wimpfen gezogen, „da wurde uns gesagt, es ist alles in bester Ordnung“. Deshalb wundert es sie auch nicht, dass das Treibhausgas-Leck so lange verschwiegen wurde. Sie hofft, dass der Mensch wieder in den Mittelpunkt gerückt wird und es strengere Regularien für gefährliche Chemie gibt. 

Das Solvay-Werk in Bad Wimpfen stellt das Treibhausgas her. Es wird beispielsweise für die Isolation von Mittel- und Hochspannungstechnik verwendet.
Das Solvay-Werk in Bad Wimpfen stellt das Treibhausgas her. Es wird beispielsweise für die Isolation von Mittel- und Hochspannungstechnik verwendet.  Foto: Archiv/Gleichauf

Jürgen Dopp nimmt die hohen Emissionen hin: „Ich habe ja eh keinen Einfluss darauf.“ Er ist sich allerdings sicher: „Was die Firma macht, macht sie für sich, nicht für andere oder die Region.“ Ihm fehle allerdings der Überblick, um mehr Schlussfolgerungen zu ziehen.

Haben keine Angst vor Treibhausgas: Solvay-Leck ist Gesprächsstoff in Bad Wimpfen

Der Bad Wimpfener Edwin Schremser und seine Frau haben die Solvay-Berichterstattung in den vergangenen Tagen etwas verfolgt. Sie finden es erschreckend, was aufgedeckt wurde, Bedenken oder sogar Angst haben sie nicht. „Wir sind gläubige Menschen“, sagt Schremser. „Was Gott gibt, kannst du nicht ändern.“ Dass Umweltaktivisten gegen das Werk in Bad Wimpfen protestiert haben, hat das Ehepaar nicht mitbekommen.

Am Wochenende haben Mitglieder des Umweltinstituts München auf mögliche Lecks von SF6 aufmerksam gemacht. Unter dem Motto „Noch ganz dicht?“ haben die Aktivisten Risse auf Tanks projiziert. „Weder die Firma Solvay noch die Landesregierung in Baden-Württemberg sind bisher bereit, Konsequenzen zu ziehen und die Produktion so lange zu stoppen, bis die Ursache der Leckage aufgeklärt ist“, zitiert die Pressemitteilung des Umweltinstituts München den Geschäftsführer des Vereins, der für die Aktion verantwortlich ist. „Deshalb haben wir heute ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt. Wenn das Unternehmen nicht handelt, muss die Landesregierung einschreiten.“

Um die Emissionen zu verringern hat das Regierungspräsidium Stuttgart und das Umweltministerium verschiedene Maßnahmen verhängt. Unter anderem muss Solvay bis zum 15. Dezember eine Eigenkontrolle vorlegen, zu der auch Messungen eines unabhängigen Instituts gehören. Gegen diese Anordnung hat Solvay Klage eingereicht. Darauf haben die Behörden nun wiederum mit einem Sofortvollzug reagiert. Bedeutet, die angegebenen Fristen muss der Chemiekonzern trotz Klage einhalten.

Keine Bedenken zu SF6: Gas in Bad Wimpfen ist für Menschen ungefährlich

Auch für Wolfgang Auel steht fest: „Die Umwelt ist wichtiger als wirtschaftliche Interessen.“ Er selbst hat jahrelang in der Wirtschaftsbranche gearbeitet, war im Betriebsrat. Deshalb weiß er, „die Firma hat auch eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. Viele wohnen hier in Bad Wimpfen.“ Da müsse Solvay daran gelegen sein, auch diese schützen zu wollen.

Seiner Meinung nach hätte der Konzern schon viel früher an die Öffentlichkeit gehen sollen, dann wäre es auch nicht zu einem so großen Skandal geworden. Eine Teilschuld sieht er allerdings auch bei den Behörden. „Sie hätten viel früher schonmal messen sollen“, sagt der Wimpfener. Bedenken hat er aber keine, immerhin ist das Gas für den Menschen nicht schädlich. 

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