„Noch ganz dicht?“ – Projektion am Solvay-Werk Bad Wimpfen sorgt für Aufsehen
Am Wochenende haben Umweltaktivisten mit Projektionen auf mögliche Lecks von Schwefelhexafluorid aufmerksam gemacht. Die Tanks des Solvay-Werks in Bad Wimpfen erhielten für eine kurze Zeit den Slogan „Noch ganz dicht?“.
Am Wochenende wurde das Solvay Werk in Bad Wimpfen bei einer Protestaktion hell erleuchtet. Mit Projektionen haben Aktivisten des Umweltinstituts München auf mögliche Lecks des gefährlichen Treibhausgases Schwefelhexafluorid (SF6) aufmerksam gemacht. Unter dem Motto „Noch ganz dicht?“ haben die Aktivisten Risse auf Tanks projiziert. Zuvor wurde in einer Studie bekannt, dass die Chemiefabrik weitaus mehr Gas ausgestoßen haben soll, als diese angegeben hat.
Solvay in Bad Wimpfen: Umweltinstitut fordert Einschreiten der Landesregierung
„Weder die Firma Solvay noch die Landesregierung in Baden-Württemberg sind bisher bereit, Konsequenzen zu ziehen und die Produktion so lange zu stoppen, bis die Ursache der Leckage aufgeklärt ist“, zitiert die Pressemitteilung des Umweltinstituts München den Geschäftsführer des Vereins, der für die Aktion verantwortlich ist. „Deshalb haben wir heute ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt. Wenn das Unternehmen nicht handelt, muss die Landesregierung einschreiten.“

Bereits am Freitag hat das Umweltinstitut die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker in einem offenen Brief aufgefordert, „sofort unabhängige Messungen zu veranlassen und ein befristetes Produktionsverbot für alle mit SF6 verbundenen Prozesse bei der Solvay GmbH zu verfügen, bis die Ursache der Emissionen geklärt ist“, ist in der Pressemitteilung zu lesen.
Solvay erhält Frist vom Regierungspräsidium: Müssen SF6-Emissionen eindämmen
Derweil sei das Umweltministerium sowie das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) mit Solvay in Gesprächen und es seien schon mehrere Maßnahmen zur Eindämmung des SF6 unternommen wurden, erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums. Ein unabhängiges Institut habe bereits Messungen durchgeführt. Ein finaler Messbericht stehe allerdings noch aus. Zudem müsse der Konzern bis zum 15. Dezember ein Konzept vorlegen, ob die vorgenommen Maßnahmen erfüllt wurden, sowie eine Eigenkontrolle einreichen, dass die Emissionen verringert wurden.
Keine Obergrenze für FS6 – Solvay mit 500-mal mehr Emissionen
Dass der Chemiekonzern das Treibhausgas ausstößt, ist legal. Doch die angegebenen Mengen von 56 Kilogramm pro Jahr stimmen nicht mit den Messungen der Studie überein. Diese hat ergeben, dass die Fabrik in Bad Wimpfen rund 30 Tonnen jährlich emittiert. Für SF6 gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert. Allerdings hat das RP in einer Anordnung festgelegt, dass das Gas zu der Stoffgruppe der Fluorverbindungen gehört und damit doch eine Obergrenze hat.
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