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Wie höhere Energiekosten Unternehmen und Kommunen in der Region belasten

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Unternehmen und Kommunen suchen derzeit überall nach Einsparpotenzialen. Kurzfristig ist nicht mehr viel möglich. Die Zahl der Insolvenzen wird zunehmen, warnt die IHK.

Energiescouts suchen nach Energiefressern. Derzeit sind solche Sparmaßnahmen besonders wertvoll.
Energiescouts suchen nach Energiefressern. Derzeit sind solche Sparmaßnahmen besonders wertvoll.  Foto: EBM-Papst

Manche Gasanbieter haben Preissteigerungen von 400 Prozent und mehr angekündigt, Strom wurde an den Börsen im August zu Höchstpreisen gehandelt - auch hier eine Vervielfachung bisheriger Preise. Auf die Verbraucher kommen damit schwere Zeiten zu. Die Stadt Heilbronn rechnet beispielsweise mit drei bis vier Millionen Euro Mehrausgaben für Strom, Gas und Fernwärme in diesem Jahr.

Energiescouts lohnen sich jetzt richtig

Nie waren die Energiescouts so wertvoll wie heute. Als diese speziell qualifizierten Azubis beim Hohenloher Ventilatorenhersteller EBM-Papst vor zwölf Jahren das erste Mal durch die Werkhallen gingen, fanden sie fast überall Einsparpotenzial.


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Das Beispiel machte Schule. Mehr als 10.000 Energiescouts wurden seitdem bei den IHKs ausgebildet. Markus Mettler, technischer Betriebsleiter bei EBM-Papst und "Erfinder" der Energiescouts, wurde dafür gerade vom Bundeswirtschaftsminister ausgezeichnet. "Es geht darum, Energiefresser aus dem Unternehmen zu verbannen", sagt Mettler. "Denn am meisten spart man doch mit der Energie, die gar nicht erst verbraucht wird."

Die Mehrbelastung ist kaum zu kompensieren

Was im Kleinen viel bringt, stößt im Großen allerdings an Grenzen. Energieintensive Betriebe können ihre Produktion nicht kurzfristig umstellen. "Wie hoch die Mehrbelastung bei uns Bäckern im Einzelnen ist, hängt von der Befeuerung der Öfen ab", sagt Bernhard Kuhn, Bäckermeister aus Neckarsulm und Obermeister der Bäckerinnung Heilbronn. Vergangenes Jahr habe er selbst 56 Cent für den Liter Öl bezahlt, nun 1,60 Euro.

Damit fährt Kuhn allerdings noch deutlich besser als mit Gas. Dazu kämen jedoch noch die weiteren Preissteigerungen, bei Mehl um 40 bis 80 Prozent, bei Fetten um 200 Prozent. Diese Entwicklung fordert die ersten Opfer. So hat etwa die Bäckerei Schneck in Tübingen, ein Familienbetrieb in dritter Generation, die Schließung aller Filialen zum Jahresende angekündigt, um damit einer Insolvenz zuvorzukommen.


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"Die Entwicklung ist nicht gut", sagt auch Ratskeller-Wirt Rainer Mosthaf. Zahlte er im August 2021 noch 3800 Euro brutto für den Strom, waren es für den vergangenen Monat 7000 Euro mehr. Solche Steigerungen könne man nicht mehr vollumfänglich umschlagen.

Einsparpotenzial sieht er im laufenden Betrieb kaum: Spülmaschine, Kühlzellen oder Öfen müssen laufen. "Wir hoffen auf eine vernünftige Lösung der Politik oder eben auf niedrigere Preise", sagt er.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Döring: "Die Stimmung ist angespannt"

Die Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken fürchten um die Versorgungssicherheit bei Gas und Strom. Lieferanten proben den Ernstfall, viele Betriebe wissen nicht, wie sie die Preissteigerungen auffangen sollen.

"Die Stimmung ist extrem angespannt", sagt Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken. "Die Verunsicherung war noch nie so groß." Ähnlich sieht es bei den Kommunen aus, die sich auf Preissteigerungen einstellen.


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In der Region ist noch nicht ausgemacht, wie viele Unternehmen Preissteigerungen beim Gas um das Acht- bis Zehnfache überstehen werden, wenn sie die Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben können. "Die bisherigen Maßnahmen aus dem Entlastungspaket der Bundesregierung werden wahrscheinlich nicht verhindern, dass es einige Betriebe auch in der Region erwischt", so Elke Döring. "Das Ausmaß werden wir spätestens im Frühjahr erleben."

Betroffen sei die gesamte Bandbreite der Unternehmen. In der Wirtschaft herrscht der Eindruck, dass der Ernst der Situation bei der Politik noch nicht angekommen sei. Dabei stünden nicht nur tausende Arbeitsplätze, sondern auch die Zukunft des gesamten Wirtschaftsstandorts auf dem Spiel.

Ein Ausfall der Gasversorgung erscheint immerhin unwahrscheinlich

"Wir spielen alle Szenarien durch, um für den Ernstfall gewappnet zu sein", sagt Paul Gehrig, Geschäftsführer des Stadtwerks Tauberfranken und Mitglied der IHK-Vollversammlung. Er gehe nicht davon aus, dass es im Winter zu einem flächendeckenden Ausfall bei der Gasversorgung und in der Folge zu erheblichen Problemen bei der Belieferung mit Strom kommen wird. Voraussetzung sei, dass es Industrie und Privathaushalte schafften, 15 bis 20 Prozent an Energie einzusparen. "Und dass der Winter nicht allzu streng wird und Frankreich sein Stromversorgungsproblem in den Griff bekommt", so Gehrig.


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Unglücklicherweise sei in den vergangenen Jahren die Chance verpasst worden, konsequent Anreize zu schaffen, beklagt Energieexperte Markus Mettler, technischer Betriebsleiter bei EBM-Papst. "Die regulatorischen Bedingungen mit all den Verordnungen und Gesetzen sind mit unnötig hohem Aufwand verbunden." Werde hier nachgebessert, könne diese Energie für Unternehmen und Privatleute einen entscheidenden Beitrag leisten. 

 

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