Wahrzeichen in der Region bleiben nachts im Dunkeln
Die Kommunen setzen die Energiesparverordnung um. Viele Stadtsilhouetten und Baudenkmäler werden jetzt nicht mehr angestrahlt. Unsere Redaktion hat einige Beispiele gesammelt.
Die Energiesparverordnung des Bundes verpflichtet Kommunen, vielerorts nachts die Lichter auszuschalten. Die Straßenbeleuchtung ist nicht betroffen, in der Verordnung heißt es aber: "Die Beleuchtung von Gebäuden und Baudenkmälern von außen mit Ausnahme von Sicherheits- und Notbeleuchtung ist untersagt."
Die Regeln gelten bereits seit Monatsanfang. Städte und Gemeinden in der Region Heilbronn und in Hohenlohe ziehen die Konsequenzen, wenn auch zum Teil mit Verzögerung. Die Auswirkungen der Sparzwänge lassen sich vielerorts am Nachthimmel ablesen. Besonders auffällig: Historische Stadtensembles wie Bad Wimpfen und Waldenburg, die sonst weithin sichtbar sind, bleiben nachts im Dunkeln.
Mitunter gibt es auch Diskussion, welche Beleuchtung sicherheitsrelevant ist. Heilbronn etwa lässt die Lichter an Rathaus und Marktplatz an. An der Kilianskirche strahlt die Innenbeleuchtung weiter - zumindest bis zum Ende des Weindorfs. Auch das markante Landratsamt an der Oststraße bleibt weitgehend im Finsteren. Hier ein Überblick über die zentralen Änderungen in der Region.
Bad Wimpfen

Die Stadtmauer von Bad Wimpfen mit vielen markanten Gebäuden ist bei Dunkelheit normalerweise ein echter Hingucker und bereits von Weitem zu sehen. Erst kürzlich wurde die Sanierung des Blauen Turms abgeschlossen, er erstrahlte in neuem Glanz. Jetzt jedoch erstrahlt erst einmal gar nichts mehr. Das Rathaus schaltet die Beleuchtung der Stadtsilhouette, des Blauen Turms und des Bollwerks am Hohenstaufen-Gymnasium/Birkensee aus, um Energie zu sparen.
Kommunen im nördlichen und nordöstlichen Landkreis gehen ähnliche Schritte. Die Gemeinde Offenau verzichtet auf die Fassadenbeleuchtung des Kulturforums Saline, zudem steht das Rathaus im Gespräch mit der katholischen Kirchengemeinde. Der Kirchturm wird noch angestrahlt, nun soll die Abschaltung der Beleuchtung geklärt werden. Allerdings gehen nicht alle Lichter aus. Aus Gründen der Verkehrssicherheit bleiben etwa Lampen am Neckar-Steg in Haßmersheim an, ähnlich ist es an einem Brunnen in Oedheim.
Hohenlohe

Weithin sichtbar sind die Konsequenzen des Energiesparens für all jene, die auf der A6 den Hohenlohekreis durchqueren. Dunkel ist es auf dem Bergsporn. Wo sonst Schloss, Kirche, Lachnersturm und Alte Bastei weithin leuchten, ist die Stadtsilhouette von Waldenburg nur noch schemenhaft erkennbar. Auch bei der Straßenbeleuchtung wird gespart: Ein Großteil ist bereits auf LED umgestellt. Bis 22 Uhr werden die Wege voll beleuchtet, von 22 bis 1 Uhr wird die Leuchtkraft auf die Hälfte und zwischen 1 und 5 Uhr auf 20 Prozent reduziert. Erst dann wird es wieder hell in der Stadt.
In der Großen Kreisstadt Öhringen werden Schloss und Stiftskirche bis 23 Uhr beleuchtet. Allein die Straßenbeleuchtung wäre auf dem Marktplatz nicht ausreichend, erklärt Sprecherin Monika Pfau. Aus Sicherheitsgründen bleibt am Marktplatz die Straßenbeleuchtung die ganze Nacht aktiv. In Künzelsau bleiben Altes Rathaus, Schloss und Kirche dunkel. Bedenken hat das Amt aber wegen zu dunkler Straßen.
Weinsberg

Die angestrahlte Weibertreu war von der Autobahn aus zu sehen. Auch die Johanneskirche und das Rathaus wurden nachts ins Licht gerückt. Jetzt ist alles dunkel. "Es ist ein Zeichen zum Energiesparen", sagt Margit Frisch, Leiterin der Zentralen Dienste im Rathaus. "Und wir sind dazu verpflichtet." Stadt, evangelische Kirchengemeinde und Kernerverein sprachen sich ab: Der Stromkreis, an dem die Außenbeleuchtungen gemeinsam hängen, wurde unterbrochen. Wenn die Lichter ausgehen, würden die nächtlichen Mahnmale zu einem "Zeichen für Finsternis und Leid, die sich durch Hass und Krieg in unserer Welt verbreiten", heißt es auf der Homepage der Kirche.
Lauffen

Lange bevor die Maßnahmen zum Energiesparen Anfang des Monats in Kraft traten, bot sich das stimmungsvolle Lichtspiel der beleuchteten Rathausburg, der Regiswindiskirche und der -kapelle nur zu bestimmten Zeiten. Denn seit 2021 werden die Lauffener Sehenswürdigkeiten einzig in den Wintermonaten von November bis März angestrahlt. Grund ist das Naturschutzgesetz, das ein Beleuchtungsverbot zum Schutz von Insekten und weiterer lichtsensibler Tierarten vorgibt. Kirchen waren davon bislang nicht betroffen. Nun bleiben sowohl die Rathausburg als auch die Regiswindiskirche im Dunklen, sagt Lauffens Bauamtschef Helge Spieth.
Bad Rappenau

Das Wasserschloss, die beiden evangelischen Kirchen in Bad Rappenau und Fürfeld und das dortige Schloss werden vorerst nicht mehr angeleuchtet. "Wir haben nicht viele beleuchtete Objekte. Den Sommer über sind diese wegen der Insekten sowieso dunkel", erklärt Hauptamtsleiter Wolfgang Franke. Nun denke man intern aber auch darüber nach, wie man mit dem Thema "Weihnachtsbeleuchtung" in diesem Winter umgehen soll. Das Abschalten der Beleuchtung an historischen Gebäuden wertet er als Zeichen des guten Willens: Den städtischen Haushalt werde das nicht retten. Man sei aber gewillt, etwas zu tun.
Heilbronn

Anders als es zunächst hieß, gingen die Lichter am Heilbronner Kiliansturm bisher nicht ganz aus. Nicht mehr angestrahlt werden Götzenturm, Hafenmarktturm, Bollwerksturm und der Turm des Deutschordensmünsters, der angrenzende Deutschhof aber schon: aus Sicherheitsgründen. Auch die Strahler am Rathaus werden weiterhin angestrahlt, da dieser Bereich über keine klassische Straßenbeleuchtung verfügt, sondern nur über die indirekte Abstrahlung der umliegenden Gebäude beleuchtet wird. Über weitere Maßnahmen, die helfen, Energie zu sparen und damit auch die Kosten zu senken, entscheidet am 22. September der Gemeinderat.
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