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Suche nach neuem Stromanbieter: Kündigung der EnBW erwischt Roigheim kalt

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Der Versorger EnBW hat der Gemeinde Roigheim eine Kündigung des Stromliefervertrags geschickt. Aufgrund der aktuellen Situation würden Kosten um mehr als das Doppelte steigen. In anderen Kommunen der Region ist die Lage etwas anders.

An der Straßenbeleuchtung kann aus Sicherheitsgründen kaum gespart werden. Rathäuser suchen Alternativen.

Foto: Anselm/stock.adobe.com
An der Straßenbeleuchtung kann aus Sicherheitsgründen kaum gespart werden. Rathäuser suchen Alternativen. Foto: Anselm/stock.adobe.com  Foto: Anselm/stock.adobe.com

Energie wird teurer. Das weiß jeder. Richtig greifbar sind die Auswirkungen aber noch nicht. Im Roigheimer Rathaus wird es jetzt konkret. Es ist eine Kündigung des langjährigen Versorgers EnBW in den Briefkasten geflattert. "Das hat es in 19 Jahren noch nicht gegeben, dass per Einschreiben gekündigt wurde", sagt Bürgermeister Michael Grimm.

Zwar wäre der Stromliefervertrag ohnehin zum Jahresende ausgelaufen. Bisher habe es in diesen Fällen aber immer Gespräche im Vorfeld über Konditionen für eine Vertragsverlängerung gegeben. Der Brief hat die Verantwortlichen im Rathaus kalt erwischt.


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"Es ist aber nachvollziehbar", sagt Michael Grimm. Die Begründung der EnBW lautet: "Aufgrund der stark veränderten Rahmenbedingungen, können wir Ihnen das bisherige Preisgefüge nicht mehr anbieten." Bei einem Telefonat hieß es zudem, dass Roigheim nicht die einzige Gemeinde sei, der gekündigt wurde, berichtet Michael Grimm. Beispiele seien keine genannt worden. Eine Stellungnahme der EnBW steht noch aus.

Roigheim muss mit Mehrkosten von 92.000 Euro rechnen

Was die Kündigung für Roigheim bedeutet, ist nicht abschließend klar. Dass der Strom erheblich teurer wird, ist aber Fakt. Ein neues Angebot der EnBW macht deutlich, womit die Gemeinde rechnen muss: 289.000 Kilowattstunden für ein Jahr sollen 148.500 Euro kosten, informiert Grimm. Das seien rund 92.000 Euro mehr als bisher. Mit der Strommenge deckt die Gemeinde den Bedarf für alle kommunalen Gebäude wie Kindergarten oder Rathaus sowie die Straßenbeleuchtung.

Die Roigheimer Verwaltung sondiert nun den Markt nach besseren Angeboten, sagt Michael Grimm. Mit dem Gemeinderat wolle man sich zudem weitere Einsparmöglichkeiten überlegen. Allerdings spare man schon, wo es nur gehe. Die Mehrkosten seien in keinem Fall zu kompensieren.

Im Bad Rappenauer Rathaus ist man überrascht über das Vorgehen der EnBW in anderen Kommunen. Bad Rappenau ist Kunde der Süwag: "Wir schließen unsere Stromverträge außerdem über eine Bündelausschreibung ab", erklärt Hauptamtsleiter Wolfgang Franke. Alle zwei Jahre werde das im Gemeindetag erledigt. Der nächste Termin steht Anfang 2023 an. Bereits seit 2002 beschafft die Gt-Service als zentrale Vergabestelle Strom und Ökostrom für Städte, Gemeinden und Landkreise sowie deren Einrichtungen. "Damit erreichen die Kommunen bessere Konditionen", sagt Klaus Holaschke, Eppingens Oberbürgermeister und gleichzeitig Vize-Präsident des Gemeindetags. Über die Jahre hätte sich dieses System bewährt. Eine Prognose, wie sich die Preise entwickeln, könne man derzeit aber natürlich nicht abgeben.

Eppinger Liegenschaften bekommen Energie nicht automatisch von den Stadtwerken

Von der Bündelung hat Eppingen selbst beim letzten Mal allerdings nicht Gebrauch gemacht: Strom und Gas werden zurzeit von den eigenen Stadtwerken bezogen. Selbstverständlich sei das aber nicht, sagt Klaus Holaschke. "Es gibt das Vergaberecht, an das auch wir uns halten. Auch wir müssen die Preise vorher abfragen." Mit anderen Worten: Die Eppinger Liegenschaften bekommen ihre Energie nicht automatisch von den Stadtwerken, auch wenn die Kommune mit 51 Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist.


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Noch relativ gelassen sieht man die aktuelle Entwicklung in Abstatt: "Es ist klar, dass sich die Preise wohl nach oben entwickeln werden", sagt Bürgermeister Klaus Zenth. Bisher habe sich diesbezüglich aber noch kein Anbieter bei der Verwaltung gemeldet. Auch Abstatt hat seine Verträge über die Bündelausschreibung des Gemeindetags abgeschlossen. "Für unsere Straßenbeleuchtung haben wir zum Beispiel einen anderen Lieferanten als für unsere kommunalen Einrichtungen", erläutert Zenth. Der Stromvertrag für die öffentlichen Gebäude mit der Energiedienst AG aus Rheinfelden laufe noch bis Jahresende 2024, ebenso wie der Kontrakt mit der Energieallianz Austria für die Straßenbeleuchtung.

Gas bezieht Abstatt noch bis Ende 2023 über die Stadtwerke Radolfzell. "Hoffen wir, dass kein Partner insolvent geht", so Zenth. Ähnlich verhält es sich in Brackenheim, die Stadt hat die Verträge ebenfalls über die Bündelausschreibung des Gemeindetags abgeschlossen. Noch seien aber keine Verträge seitens der Energielieferanten gekündigt worden. Dafür seien die Preiserhöhungen ein Thema im Rathaus, sagt Bau-Fachbereichsleiter Heiko Bleibdrey.

Ohne Inflationsausgleich rutschen SLK-Kliniken in die roten Zahlen

Auch die SLK-Kliniken erwarten in den kommenden Monaten höhere Kosten. Durch die Gasumlage werden die Energiekosten voraussichtlich um 1,2 Millionen Euro steigen, steigende Gaspreise könnten "zusätzlichen Kosten von jährlich bis zu 15 Millionen Euro" verursachen, erklärt das Klinikum. Die aktuelle Situation sei weder betriebswirtschaftlich seriös planbar, noch seien die massiven Preissteigerungen auszugleichen. "Sofern es keine Sofortmaßnahmen der Politik, wie beispielsweise einen Inflationsausgleich geben sollte, würde SLK tief in die roten Zahlen rutschen", sagt ein Sprecher.

Unabhängig davon habe man aber bereits zu Beginn des Jahres intern Arbeitsgruppen gegründet, die sich damit auseinandersetzen, in welchen Bereichen Energie effizienter genutzt werden kann, ohne die Patientenversorgung zu beeinträchtigen. Darüber hinaus sei das Klinikum mit externen Fachleuten im Gespräch, um das verbundübergreifende Energiekonzept zu optimieren.


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Um die Auswirkungen der Preisexplosionen etwas abzumildern, stehen relativ zeitnah Investitionen im Bereich der Heizkessel am Klinikum am Gesundbrunnen an. Hiermit soll erreicht werden, dass SLK in der Lage ist, flexibel mit Gas oder Öl zu agieren. Außerdem werden beim zweiten Bauabschnitt, der derzeit gebaut wird, verstärkt erneuerbare Energien berücksichtigt.

Ungewissheit in Hohenlohe: Keiner will sich festlegen

Das Landratsamt Hohenlohekreis schätzt, dass im kommendem Jahr bei gleichbleibendem Verbrauch etwa doppelt so viel Geld für Gas und Strom anfallen werden, erklärt Sprecher Sascha Sprenger. Genaue Hochrechnungen seien angesichts der unklaren Entwicklung nicht möglich. Bezüglich der Energielieferungen, beziehungsweise der Verträge, gäbe es aber noch keine Änderungen für den Landkreis.

Die nächsten zwei Wochen ist das Thema Energie bei der Großen Kreisstadt Öhringen ein spannendes: „Unser Vertrag läuft zum Jahresende aus“, erläutert OB Thilo Michler den Stand der Dinge. „Wir gehen derzeit davon aus, Energie kaufen zu können.“ Michler erklärt, dass die Stadt versuchen werde, Drei-Monats-Verträge für Strom- und Gaslieferungen zu schließen. „Wir machen das gemeinsam mit den Stadtwerken“, sagt Michler. An den Stadtwerken Öhringen hält die Stadt 50,1 Prozent der Anteile, der Rest die Stadtwerke Hall. In den Jahren zuvor habe man sich an den großen Bündelausschreibungen beteiligt, erklärt Michler. Das sei aktuell sehr mühsam. „Es gibt keine Angebote.“ In der Vergangenheit habe man zwei Jahre Preissicherheit gehabt. Derzeit wolle sich aber keiner festlegen. „Das ist gerade alles Gezocke“, ärgert sich Michler.

Kalte Schulen und kalte Rathausbüros wird es aber nicht geben: Die öffentlichen Gebäude werden über Blockheizkraftwerke versorgt. Für den Fall der Fälle sind dort die Öltanks gefüllt, sollte es kein Gas geben. „Doch mit Öl können wir keinen Strom erzeugen“, nennt Michler den Nachteil.

Er selbst hat privat die Auswirkungen der Energiepreise bereits zu spüren bekommen: Strom beziehe er zwischenzeitlich von den Stadtwerken. Die seien aber nicht ins Gasgeschäft eingestiegen und sein Gasvertrag sei letztes Jahr ausgelaufen. „Jetzt sind wir in die Grundversorgung zurückgefallen.“


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„Uns hat keiner gekündigt oder damit gedroht“, sagt Neuensteins Rathauschef Karl Michael Nicklas. Er sehe die Versorgung seiner Kommune grundsätzlich gesichert: Strom bezieht die Stadt vom deutsch-schweizerischen Versorgungsunternehmen Energiedienst AG, den Stadtwerken Bühl sowie von den Stadtwerken in Bietigheim-Bissingen. Gas kommt von den Bad Kissinger Werken sowie von Erdgas Südwest und der Heilbronner Versorgungs GmbH.

Auch hier nimmt man stets an der Bündelausschreibung des Landes teil. Was die Preissicherheit angeht, gibt es in Neuenstein indes durchaus Schwierigkeiten: Der Vertrag läuft nur noch bis Jahresende, die Ausschreibung stocke derzeit, berichtet Nicklas. Falls bis 1. Januar 2022 kein Anbieter gefunden sei, „werden wir in den Grundversorgertarif der EnBW zurückfallen“.

Die Kreisstadt Künzelsau habe aktuell keine Probleme mit Gas und Strom, erklärt Sprecherin Laura Asum. „Ich gehe im Moment davon aus, dass wir weiterhin regulär versorgt werden“, sagt Bretzfelds Bürgermeister Martin Piott. Bretzfeld sei mit Strom- und Gaslieferungen über eine Ausschreibung des Gemeindetages in bestehenden Lieferverträgen. „Von dortiger Seite habe ich noch keine Hinweise oder Äußerungen, dass es zu Einschränkungen kommen wird, so dass wir auch weiterhin von einer vertragsgemäßen Belieferung ausgehen dürfen."


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Lieferanten können keine Versorgungssicherheit garantieren

Er weiß: Mit Blick auf Heizöl und Pellets seien die Lieferanten derzeit nicht bereit, sich auf verbindliche Lieferkontrakte einzulassen, da sie selbst keine Versorgungssicherheit garantieren können. Er habe die Zusage des regionalen Lieferanten, dass die Stammkunden vorrangig bedient werden. Die Gemeinde habe die Heizölvorräte bereits frühzeitig aufgefüllt. Für September seien die restlichen Lieferungen angekündigt.

Je nach Temperaturentwicklung und Nutzungsintensität könne es aber in manchen Einrichtungen wegen geringer Lagerkapazitäten dazu kommen, dass der Betrieb reduziert oder eingeschränkt werden muss, falls Energie nachbeschafft werden müsste und dann nicht verfügbar wäre. Das wäre dann eine Entscheidung, die der Gemeinderat treffen muss. 

 

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