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Klimafreundliche Mobilität

ADFC beklagt: Für Radfahrer im Land verbessert sich wenig

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Radwege werden nur schleppend ausgebaut. Das zeigen Beispiele aus der Region wie das Drama um den Schnellweg zwischen Heilbronn und Bad Wimpfen. Politiker reisen gern ins Ausland, um sich Inspiration zu holen. Die Umsetzung vor Ort beschleunigt das nicht.

Karlsruhe ist ein Spitzenreiter im Radverkehr. Heilbronn kann hier noch nicht mithalten.
Karlsruhe ist ein Spitzenreiter im Radverkehr. Heilbronn kann hier noch nicht mithalten.  Foto: Berger, Mario

Die Wertung der Teilnehmenden des jüngsten ADFC-Fahrradklima-Tests ist ernüchternd: Demnach hat die Fahrradfreundlichkeit in Deutschland weiter leicht abgenommen und wird nur als "ausreichend" gesehen. Einzig in Metropolen mit über 500.000 Einwohnern gehe es leicht voran, so die 245.000 Teilnehmenden - auf dem Land sei dagegen "nichts von einer Verkehrswende zu spüren", schreibt der ADFC.

Heilbronn als größte Stadt in der Region stagniert im Vergleich zum Ranking für 2020 irgendwo im Mittelfeld der Großstädte, genauso wie Mosbach oder Schwäbisch Hall in ihrer Klasse. Für Neckarsulm und Bad Rappenau gibt es keine Vergleichswerte zu früheren Rankings.

Karlsruhe konnte Radverkehr steigern und belegt einen Spitzenplatz

Karlsruhe führt die Liste im Land in der Kategorie der Städte bis 500.000 Einwohner an und kommt bundesweit hinter Münster auf Rang zwei. Das war nicht immer so. Eine schlechte Wertung für den Karlsruher Radverkehr im Mobilitätstest des Automobilclubs ADAC habe in der Stadt 2004 ein großes Umdenken angestoßen, sagt Verkehrsplaner Johannes Schell. Aufbauend auf einer Bestandsaufnahme sei ein 20-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs in Karlsruhe entwickelt und einstimmig im Gemeinderat verabschiedet worden. Mit "konkreten Maßnahmen und messbaren Zielen" sei die Steigerung des Radverkehrs zulasten des Autoverkehrs angegangen worden. Ein Zwischenziel: Der Mobilitätsanteil des Rads ist von 16 Prozent im Jahr 2005 auf 23 Prozent 2015 gewachsen. "Es hat also funktioniert", sagt Schell.

Inzwischen sei der Plan fortgeschrieben und der Fußgängerverkehr aufgenommen worden. "Der ist bisher zu kurz gekommen." Statt von innen nach außen, also von Straße zu Radweg zu Fußgängerweg, werde nun in umgekehrter Priorität geplant.


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Politiker reisen gern nach Skandinavien, um sich Inspiration für den Radverkehr zu holen

Politiker aus der Region und dem Land orientieren sich gern an großen Vorbildern, wenn es um Beispiele für neue Mobilitätslösungen geht. So war der Heilbronner Gemeinderat kürzlich auf Exkursion in Amsterdam, fünf Reisen hat allein das Verkehrsministerium um Minister Winfried Hermann (Grüne) in den vergangenen acht Jahren nach Skandinavien, in die Niederlande und andere Länder unternommen. Dazu kommen weitere Reisen regionaler Politiker. Die Planung vor Ort beschleunigt das offenbar nicht. Nach wie vor ist das Ziel des Landesregierung, 20 Radschnellwege bis zum Jahr 2030 zu bauen. Fertig sind laut Landes-Verkehrsministerium einzelne Abschnitte auf den Strecken Stuttgart - Herrenberg, Stuttgart - Ebersbach und Mannheim - Weinheim. Der Radschnellweg RS3 zwischen Heilbronn und Bad Wimpfen wird derzeit geplant und soll in Gänze ebenfalls erst 2030 fertig sein. Ein 1,7 Kilometer langes Teilstück soll im kommenden Jahr realisiert werden.

Das Bauen von Radschnellwegen sei so aufwendig wie das Planen einer Straße, argumentiert das Verkehrsministerium. Es seien dieselben Verfahren nötig, etwa beim Natur- und Artenschutz. Matthias Zimmermann, Landesvorsitzender des ADFC, wirbt für mehr Pragmatismus. "Wir sind mit den Naturschutzverbänden im Gespräch." Durch mehr Radverkehr werde Verkehr an anderer Stelle reduziert. Gleichwohl sei es wichtig, ein möglichst großes Potenzial zu heben. "Man kann ein halbes Jahr längere Planung in Kauf nehmen, wenn man dadurch für die nächsten 30 Jahre einen guten Radweg hat."


Klimaziele mit dem Rad erreichen

"Jeder zweite Weg soll zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden." Dieses Ziel hat sich das Land Baden-Württemberg für das Jahr 2030 gesteckt. Besonders im Verkehrssektor sind Fortschritte nötig: Er ist mit 19,8 Millionen Tonnen CO2 der klimaschädlichste Sektor im Land, gefolgt von Energiewirtschaft und Gebäudesektor.

Bundesweit ist der Verkehr der einzige Sektor, der für das Jahr 2022 das Klimaziel verfehlt und mehr Emissionen als im Vorjahr ausgestoßen hat. Haupttreiber dieser Entwicklung ist der Spritverbrauch von Autos und Lkw. 


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