Ein Hund in zwei Familien: Wie Dogsharing funktionieren kann
Den eigenen Hund mit einer anderen Familie teilen? Dass das gehen kann, beweist Familie Dziadek. Einblick ins Dogsharing für die beliebten Haustiere.

Ihr Hintern wackelt, die Pfoten kann sie kaum still halten und auch ein aufgeregtes Jaulen ist von der dreijährigen Pudeldame Annie zu hören. Sie freut sich, denn: Annies Betreuer sind da, um sie, wie jede Woche von Dienstag auf Mittwoch, mitzunehmen. "Wir sind eher ein ruhiger, arbeitender Typ und haben nicht so viel Programm für unsere Hündin", sagt die 44-jährige Beilsteinerin, Marie Dziadek.
Annies Zweitfamilie hingegen sei ein junges, dynamisches Paar, das den energetischen Königspudel auch an Stellen fördere, an denen es bei Familie Dziadek mangele. Auch zeitlich sei ihnen geholfen, denn: Marie Dziadek ist Inhaberin eines traditionell chinesischen Spas, Tochter Teresa fleißige Gymnasialschülerin und Ehemann Holger selbständiger Unternehmer.
Dogsharing: Von der Herausforderung zur Win-Win-Win-Situation für Halter, Hund und Betreuer
Dziadek erzählt: "Annie ist ein Corona-Hund. Wir haben uns schon lange einen Hund gewünscht und diesen Traum dann in der Pandemiezeit wahr werden lassen." Allerdings sei die artgerechte Haltung eines Junghunds sehr zeitintensiv und mit vielen Einschränkungen verbunden.
In der Pandemiezeit kein Problem, nun sei es aber oftmals sehr fordernd, sagt die Ersthundhalterin. Mit der Hilfe von erfahrenen Menschen könne sich die Hündin jede Woche auf Abwechslung und Abenteuer freuen, Familie Dziadek auf Phasen der Erholung und die Zweitfamilie auf ein Haustier, ohne die volle Verantwortung oder Kosten übernehmen zu müssen. Sie bezeichnet das geteilte Sorgerecht daher als Win-Win-Win-Situation.
Mehr Motivation und Wertschätzung: Das bewirkt Dogsharing in der Familie
"Durch Annies Abwesenheit, lernt meine Tochter, sie nicht als selbstverständlich zu betrachten. Sie hat die Zeit, ihre Pudelfreundin zu vermissen. Man merkt, wie freudig und motiviert sie plötzlich wieder Gassi geht, wenn Annie zurückkommt", erklärt Dziadek. Annie selbst sei seit dem Dogsharing viel entspannter und sozialer geworden. Davor sei sie sehr schüchtern und skeptisch in Bezug auf fremde Menschen oder Hunde gewesen.
Jetzt kann Annie sogar auf Hundewiesen, wo sie auch ihre Freundin Lizzy, eine gleichaltrige Labrador-Mix-Hündin, kennengelernt hat. Auch Lizzy hat eine Zweitfamilie. "Eine unglaublich positive Veränderung. Ich kann sie jetzt überall hin mitnehmen", freut sich die Beilsteinerin. "Hart ist es nur, wenn man sieht, wie sehr sich der eigene Hund auf die zweite Mama freut. Ich zweifel dann immer kurz an mir selbst", lacht sie.
Hundetrainerin Daniela Langer aus Oedheim: Dogsharing kann ein bereicherndes Modell sein
Grundsätzlich sei ein geteiltes Sorgerecht laut professioneller Hundetrainerin Daniela Langer möglich: "Ich denke, wenn der Hund nach ausreichender Kennenlernzeit gerne zu der neuen Bezugsperson geht und eine regelmäßige Betreuung stattfindet, kann das durchaus ein Modell sein, dass für alle Beteiligten bereichernd ist." Als Inhaberin einer Hunde-Tagesstätte in Oedheim betreut sie täglich bis zu 20 Tiere.
Wichtig findet sie, zu verstehen, dass jeder Hund, ganz unabhängig von seiner Rasse, genau so individuell ist, wie der Mensch. Aus diesem Grund soll im Vorfeld eines solchen Vorhabens gut überlegt sein, ob sowohl der eigene Hund als auch die ausgewählte Betreuungsperson für dieses Modell geeignet sei. Denn Hundetrainerin Langer kennt Geschichten über "sehr unschöne Erfahrungen, wie mit dem Hund umgegangen wurde, weil mancher sich als Hundetrainer ausprobieren wollte, nachdem er Hundetraining-TV-Folgen angesehen hatte". Besonders Welpen, Senioren- sowie Tierschutzhunde benötigen, laut Langer, ein gewohntes Umfeld und einen geregelten Tagesablauf.
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