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Der Markt ist für Häuslebauer derzeit unberechenbar

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Wohneigentum steht bei vielen Menschen noch immer hoch im Kurs. Doch hohe Zinsen und steigende Kosten für Dienstleistungen halten derzeit immer mehr Bau- oder Kaufwillige von ihrem Vorhaben ab.

Der Hausbau war immer schon teuer - und die Kosten steigen derzeit stark an. Wer sich mit Eigenleistungen einbringen kann, kann sparen.
Der Hausbau war immer schon teuer - und die Kosten steigen derzeit stark an. Wer sich mit Eigenleistungen einbringen kann, kann sparen.  Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Wenn der Präsident des Bundesverbands Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) momentan über die Themen Bauen und Wohnen spricht, fallen Begriffe, die man sonst nicht damit in Verbindung bringen würde. "Das Wohnen und Bauen befindet sich spätestens seit Jahresbeginn in einem perfekten Sturm, der sich infolge des Ukrainekriegs aktuell zu einem gewaltigen Orkan entwickelt", sagte Axel Gedaschko Anfang Juli.


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Entwicklung schlägt bei Häuslebauern durch

Er spielt damit nicht nur auf die Probleme bei den Lieferketten an, die durch die Pandemie ungekannte Dimensionen angenommen haben. Auch die steigenden Zinsen, "Chaos bei der staatlichen Förderung" oder die Preisexplosionen seit Beginn des russischen Angriffskriegs sprach Gedaschko bei der Vorstellung der GdW-Jahresbilanz an.


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All diese Probleme sind auch längst bei den Häuslebauern in der Region angekommen. Die Konsequenz: Viele verschieben ihr Bauvorhaben oder legen es gleich ganz ad acta. In der Kraichgau-Gemeinde Siegelsbach spürt man die Ungewissheit, wie es weitergeht, gerade unmittelbar. Für 14 Grundstücke konnte man sich im Baugebiet "Hinter der alten Schule" bewerben, 27 Anträge kamen nach der Auswertung des Punktesystems in die engere Wahl. "Fünf von ihnen haben zurückgezogen, drei haben sich nicht mehr gemeldet", sagt Daniela Quintana Leiva. "Das ist auf jeden Fall viel und ungewöhnlich." Als Gründe macht die Hauptamtsleiterin die Materialungewissheit und die steigenden Zinsen aus. Die Entwicklung seit Jahresbeginn habe niemand vorausahnen können.

Entscheidung wäre heute anders ausgefallen

Lisette Frank aus Lehrensteinsfeld ist deshalb froh, dass ihr Traum vom Haus noch vor der aktuellen Krise realisiert werden konnte. Seit April lebt sie gemeinsam mit ihrer Familie im Eigenheim, das ein Bauträger aus Heilbronn gebaut hat. "Wir haben wirklich viel Glück gehabt", erzählt sie. Nur bei der Lieferung der Luftwärmepumpe habe es Probleme gegeben. Der ursprüngliche Anbieter konnte das Stück nicht beschaffen. "Wir haben uns dann ein anderes Unternehmen gesucht." Ob sie noch einmal bauen würden? "Mit den momentanen Zinsen wäre das für uns nicht möglich", sagt Lisette Frank. Das Kriterium sei immer gewesen, dass die Familie noch genug Geld zum Leben hat. Ihr Haus wäre mittlerweile wesentlich teurer.


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Zahl der Änderungsanträge nimmt zu

Um den Platz, den ein Grundstück hergibt, optimal ausreizen zu können, nutzen die Eigentümer zwar auch die Fläche, gehen aber vermehrt in die Höhe. Der Stadt Beilstein lagen im Juni mehrere Bauanträge vor, die oft eine Ausnahme oder Befreiung zum Gegenstand haben. Beantragt werden zum einen Überschreitungen der Traufhöhe, der Gebäudehöhe oder der Erdgeschossfußbodenhöhe sowie zum anderen eine geringere Dachneigung. Wenn nichts mehr hilft, werden auch dort die Grundstücke an die Verwaltung zurückgegeben. Bei 28 Plätzen, die der Stadt im gerade entstehenden Baugebiet "Hartäcker II" zum Verkauf zur Verfügung stehen, haben sieben Bewerber - ein Viertel - wieder zurückgezogen. Die entsprechenden Grundstücke wanderten wieder zurück in den Lostopf.

An einen Rückzug denkt Silke Waldherr zwar nicht. "Aber man braucht echt Kohle", sagt die gebürtige Siegelsbacherin, die "Hinter der alten Schule" ihren Traum vom Haus verwirklichen will. Eigentlich wollten sie und ihr Mann in ein Massivhaus ziehen, am besten von einem regionalen Anbieter. "Man kann uns aber keinen Preis nennen", erzählt Waldherr. Im Gegensatz zu den großen Anbietern, die eine Garantie geben können.


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Kosten steigen im zweistelligen Prozentbereich

Die brauchen viele Häuslebauer, um einen entsprechenden Kredit aufzunehmen. Und um planen zu können, damit ihnen das Projekt finanziell nicht über den Kopf wächst. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Kosten im Mai so stark gestiegen wie in den vergangenen 50 Jahren nicht. 17,6 Prozent kostet ein Neubau mehr als im Mai 2021. Die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden kletterten im gleichen Zeitraum um 18,6 Prozent. Den größten Anteil an den Rohbauarbeiten und auch am Gesamtindex für den Neubau von Wohngebäuden haben Beton- und Mauerarbeiten. Betonarbeiten haben sich gegenüber Mai 2021 um 23 Prozent verteuert, Mauerarbeiten um 12,8 Prozent.

Auch die Bauzinsen sind stark gestiegen. Die Kosten für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung haben sich mehr als verdoppelt. Betrugen die Zinsen für zehnjährige Darlehen im Dezember 2021 noch 0,9 Prozent, liegen sie nun schon laut dem Vermittler privater Baufinanzierungen Interhyp bei 2,6 Prozent. "Man weiß eben gerade nicht, wo man am Ende rauskommt", sagt Silke Waldherr. Insgesamt habe sie mit einer wesentlich geringeren finanziellen Belastung gerechnet.


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Eine Preisgarantie kann auch Bernd Widmann derzeit nicht geben. Der Siegelsbacher ist Inhaber von Widmann Holzbau und kann sich über zu wenig Nachfrage nicht beschweren. "Gebaut wird trotzdem. Allerdings verschieben viele Kunden ihr Vorhaben auf das kommende Jahr", erklärt er fast ein bisschen erleichtert. Doch viele würden die Finanzierung ihres Eigenheims nicht mehr stemmen können. Nicht nur wegen der steigenden Zinsen, sondern auch aufgrund der undurchsichtigen Lage bei den Förderungen. "Immerhin läuft es aber mit der Holzversorgung wieder gut."


Dieser Artikel wird in unserem Nachrichten-Podcast AbendSTIMME erwähnt - für weitere Nachrichten aus der Region können Sie hier den ganzen Podcast anhören.

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