Dem Cleebronner Start-up "Local to go" geht es um den Mehrwert beim Mehrweg
Das Cleebronner Start-up "Local to go" von Stefanie Fischer etabliert sich mit der 100. Ausgabestelle in Neckarsulm weiter in der Region und darüber hinaus. Wie die Idee vom lokalen Pfandsystem für Geschirr entstanden ist.

Im tiefsten Corona-Lockdown bildet sich eine Schlange vor einem Bönnigheimer Restaurant. Essen vor Ort ist nicht möglich, die Menschen möchten die bestellten Speisen abholen und zu Hause verzehren. Manche von ihnen halten Mehrweggeschirr der Cleebronner Firma "Local to go" in den Händen. Deren Inhaberin Stefanie Fischer beobachtet die Szenerie und begreift: Das von ihr entwickelte Geschirr wird wirklich genutzt. "Diesen Anblick werde ich nie vergessen", sagt die heute 34-Jährige.
Vor knapp zwei Jahren gründete Fischer gemeinsam mit ihrem Mann Daniel das Start-up "Local to go", ein Pfandsystem für Mehrweggeschirr im ländlichen Raum. In der Region hat es sich bereits etabliert - in Neckarsulm startete die 100. Ausgabestelle - und auch über die Landesgrenzen hinaus wird "Local to go" bekannter.
Gesetz spielt der Unternehmerin in die Karten
Immer mehr Betriebe meldeten sich von sich aus, die Anfragen kommen von Frankfurt bis zum Bodensee, sogar aus Belgien, sagt Fischer. Das seit diesem Jahr verpflichtende Mehrweggesetz, wonach bestimmte Gastrobetriebe die Verpackungsalternative anbieten müssen, hat daran einen Anteil. "Das Gesetz spielt mir sozusagen in die Karten", nickt Stefanie Fischer - braune Locken, strahlende Augen, herzliche Art.
Weil die Mehrwegsysteme eine Umstellung des gesamten Betriebsablaufs erfordern, entscheiden sich Gastronomen bewusst dafür, sagt sie, oder sie erkennen den Vorteil mit der Zeit. Neben Müllvermeidung könnten so zum Teil vierstellige Summen eingespart werden. Selbst wäre es ihr vor wenigen Jahren nicht in den Sinn gekommen, sich selbstständig zu machen. Stefanie Fischer arbeitete gerne in der Personalabteilung eines mittelständischen Neckarsulmer Unternehmens, das Wechselrichter für Photovoltaikanlagen herstellt. Es entsprach ihren Vorstellungen von einem Beitrag für eine besseren Umwelt. Stefanie Fischers Sinn für Nachhaltigkeit wird sie zu dem bringen, was sie heute macht. Mit der Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 2017 befasste sie sich verstärkt mit plastikfreien Alternativen und feilte, unterstützt von ihrem Mann Daniel, an einer Geschäftsidee für mehr Müllvermeidung. Sie kommen auf Vorratsbehälter aus Ton mit Eichenholz-Deckel, die von einem Traditionsunternehmen im Westerwald hergestellt werden.
Pilotprojekt in drei Brackenheimer Lokalen
Die alternativen Aufbewahrungsmöglichkeiten brachte Fischer 2019 unter dem Namen "Rehbell" an die Unverpackt-Läden, etwa in Heilbronn, Besigheim, Ludwigsburg oder Schwaigern-Stetten. Nach und nach lernte Fischer auch, sich als Unternehmerin durchzusetzen.
Im Nachhaltigkeitsmagazin "Reiner" der Heilbronner Stimme erfuhr Jonathan Wein von "Rehbell". Der Brackenheimer Klimaschutzmanager konnte Fischer für ein Mehrwegpfandsystem für den ländlichen Raum begeistern. Als Hommage startete die Version "Brackenheim to go" 2021 als Pilotprojekt zunächst in drei Brackenheimer Lokalen, wenig später dann in der Version "Hohenlohe to go" im Hohenlohekreis. Auch die Wirtschaftsinitiative gewährte einen Zuschuss für die ersten 100 Gastronomen, die mitmachen.
Der Wirtschaftswettbewerb zeigte Wirkung. Andere Kommunen zogen bald nach und entschieden sich für das Angebot des Cleebronner Start-ups. "Das System hat super Anklang gefunden", berichtet Stefanie Fischer. "Viele Gastronomen haben den Mehrwert schnell erkannt."
Geradezu wie ein Relikt steht ein "Rehbell"-Gefäß auf dem Regal in Fischers Küche, gleich daneben das Local-to-go-Set: Becher, Schalen und eine Burgerbox aus Kunststoff, hergestellt in Minden.
Fischer ist es wichtig, dass die Gefäße in Deutschland hergestellt, nicht wie Edelstahl importiert werden, und das Material stimmt - bei Glas besteht beispielsweise Bruchgefahr. Viel Zuspruch für die Behältnisse gebe es von Metzgereien, die die wiederverwendbare Burgerbox auch mal fürs Fleischbrötchen nutzten. "Es ist spannend, wie kreativ die Betriebe bei der Verwendung des Geschirrs werden", sagt Stefanie Fischer.
Das Konzept
Anfangs lieferte Stefanie Fischer selbst an die Betriebe, das übernimmt inzwischen ein Dienstleister. Fischer kümmert sich mehr um Organisatorisches und Öffentlichkeitsarbeit. Viel lieber wäre sie öfter vor Ort bei den Betrieben. Dafür soll "Local to go" personell verstärkt werden. Das Prinzip im Kurzformat: Die Betriebe entrichten eine Systemgebühr, in den Lokalen können die Kunden das Geschirr kaufen, befüllen sowie in einem anderen teilnehmenden Betrieb spülen, abgeben oder wieder neu befüllen lassen - und das mehrere Male. Der Pfand für Becher beträgt 2,50 Euro, für Boxen fünf Euro.
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