Mehrwegboxen im Kraichgau auf dem Vormarsch
Anbieter von Mittagsverpflegung sind Multiplikatoren des Tauschsystems. Der Nachteil: Beim Handling ist ein erheblicher Mehraufwand nötig. Welche Erfahrungen Anbieter im Kraichgau in den ersten Wochen der Mehrwegpflicht gesammelt haben.

Seit Jahresbeginn sind Gaststätten, Metzgereien, Bäckereien und andere Anbieter gesetzlich verpflichtet, für die Mitnahme von Speisen und Getränken ein Mehrwegsystem anzubieten. Im Kraichgau scheint dies bei den betroffenen Betrieben gut zu funktionieren.
Einer der Pioniere ist die Metzgerei Höfle in Eppingen. Sie zählte im Sommer 2021 zu den ersten Firmen, die sich am System "Local to go" beteiligten. Dabei handelt es sich um das Pfandsystem eines Cleebronner Anbieters von Mehrwegverpackungen.
Das System wird seit 2021 unter anderem vom Landkreis Heilbronn und der Kreissparkasse unterstützt. Die Stadt Eppingen hatte im selben Jahr eine eigene Förderung obendrauf gegeben.
Wie die Boxen gereinigt werden
Das Pfandsystem sei von Anfang an "unheimlich gut angenommen" worden, berichtet Bettina Höfle. Fünf unterschiedliche Verpackungen verwendet die Inhaberin der Metzgerei: vier Boxen unterschiedlicher Größe für Fleisch, Wurst, Salate und Essen to go sowie einen Kaffeebecher.
Bevor die Rückläufer wieder frisch gefüllt an die Kundschaft rausgehen, müssen sie die Industrie-Spülmaschine durchlaufen. Während Corona hatte der Eppinger Betrieb mit dem Pfandsystem ausgesetzt, um die Kontakte möglichst einzuschränken.
Inzwischen würde die Kundschaft das Mehrwegsystem aber wieder dankbar annehmen. Mit 150 Verpackungseinheiten war Bettina Höfle gestartet, inzwischen seien etwa 1500 Boxen und Becher im Umlauf.
Was eine Gemminger Anbieterin bedauert
Fast zeitgleich mit der Eppinger Metzgerei Höfle hat auch die Gemminger Metzgerei Pfenninger das Mehrwegsystem installiert - und damit mehr als ein Jahr früher, als jetzt vorgeschrieben: "Aus Überzeugung, etwas zur Vermeidung von Verpackungsmüll tun zu wollen", erläutert Inhaberin Jutta Pfenninger. Drei Schalentypen des Mehrwegsystems "Local to Go" hat sie im Einsatz: zwei runde und eine rechteckige mit innenliegender Trennwand - für den Mittagssnack.
Leider biete der Cleebronner Mehrweg-Sytemanbieter keine größeren Gefäße an, bedauert Jutta Pfenninger. Diese wären für Grillgut oder für die Vorratshaltung besser geeignet, als die gängigen flachen Boxen. Viele Kunden würden das Mehrwegangebot gerne und wie sie aus Überzeugung in Anspruch nehmen.
Die Kehrseite des Mehrwegsystems sei ein Mehraufwand im Handling. "Das fängt schon bei den Bestellungen an: Wir führen zwei separate Listen." Mehrweg oder nicht sei jetzt die erste Frage am Telefon, so die Inhaberin der Metzgerei. Als nächstes müsse der Kunde daran denken, die Mehrwegbehälter beim Einkauf dabei zu haben, und zwar in einem vorgewaschenen Zustand. Bevor die Boxen mit der Ware in Berührung kommen, werden sie auch in Gemmingen in einer Industrieanlage hygienisch einwandfrei gespült.
Welche Neuerungen der Gesetzgeber auf den Weg gebracht hat
Jutta Pfenninger appelliert an die Kunden, eigenes Besteck mitzubringen, wenn sie die Speisen unterwegs verzehren wollen. Dies helfe, Mehrwegbesteck zu sparen.
Auch die Stebbacher Bäckerei Deusch beteiligt sich am Mehrwegsystem. Allerdings nur für Getränke zum Mitnehmen, erzählt Verkäuferin Silke Helfrich. Die Kunden würden das Angebot bisher zögerlich nutzen. "Vielleicht ist das eher etwas für Gegenden mit vielen Büros und Industrie", glaubt die Backwaren-Verkäuferin. Dennoch sei Mehrweg in dem Gemminger Teilort kein Fremdwort: "Viele unserer Kunden bringen ihre Stoffbeutel mit, um Brot und Brötchen einzupacken."
Seit Januar sind gastronomische Betriebe, dazu zählen auch Caterer, Metzgereien, Bäckereien und andere, verpflichtet, Mehrweg-Alternativen für Einwegverpackungen aus Plastik und Einweggetränkebecher anzubieten. Zurücknehmen müssen sie nur die eigenen Behälter. Produkte dürfen nicht wegen der Verpackung zu unterschiedlichen Bedingungen verkauft werden. Damit sich die Kunden über das Mehrwegangebot informieren können, müssen Schilder oder Tafeln vorhanden sein. Das gilt auch für kleine Unternehmen, für die Ausnahmen bestehen: Firmen mit bis zu fünf Mitarbeitern oder 80 Quadratmetern Fläche sollen das Essen in mitgebrachte Behälter füllen können.
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