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Klimawandel

Ackerböden trocknen aus – Bauern in Heilbronn und Hohenlohe schicken Hilferuf

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Landwirte versuchen mit dem Klimawandel zurecht zu kommen. Aber der zu Ende gehende Sommer war auch für die Bauern wieder eine große Herausforderung. Pflügeregelungen sind nicht mit der Praxis vereinbar.

Im Sommer trocken, im Winter windig: Die Felder müssen vor Erosion geschützt werden. .
Im Sommer trocken, im Winter windig: Die Felder müssen vor Erosion geschützt werden. .  Foto: Steffen Schellhorn

Der zu Ende gehende Sommer war auch für die Bauern wieder eine große Herausforderung. Beate und Thomas Lang aus Obereisesheim betreiben seit 36 Jahren Landwirtschaft. "Seit 20 Jahren ist es im Frühjahr viel zu trocken und im Sommer so heiß, das oft kompletter Stillstand auf dem Acker ist."


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Landwirtschaft: Anbau im Winter statt im Sommer?

Deshalb denken die Biobauern schon seit einiger Zeit über verstärkten Winteranbau nach. "Das Klima hat sich verändert, so dass der Sommer eher eine vegetationsfreie Zeit ist." Für Landwirte sind die Monate Juli bis September auch aufgrund der Starkregenereignisse eine extrem unsichere Zeit.

Thomas und Beate Lang sind Biobauern aus Leidenschaft. Die Sonnenblumen sind jetzt reif für die Ernte.
Thomas und Beate Lang sind Biobauern aus Leidenschaft. Die Sonnenblumen sind jetzt reif für die Ernte.  Foto: Frank Wittmer

Im Märzen der Bauer stimmt nicht mehr

"Im Märzen der Bauer", das stimmt einfach nicht mehr, sagt Beate Lang. Den Möhrenanbau haben die beiden, die jahrzehntelang einen Bioladen in Obereisesheim betrieben haben, schon vor 15 Jahren aufgegeben. "Möhren brauchen nach der Saat immer wieder Regen, den gibt es im Frühjahr nicht mehr."

 


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Stattdessen setzen die Langs auf Kartoffeln, "die sind toleranter gegen Hitze und Trockenheit". Allerdings auch nur zu einem bestimmten Maß, wie bei einem Ackerrundgang deutlich wird. Kurz vor der Ernte haben manche Knollen nochmal ausgetrieben und sogenannte "Kindel" gebildet. Durch die Hitze im Sommer reifen die Kartoffeln ungleichmäßig, setzt dann Regen ein, treiben die Feldfrüchte wieder aus und verlieren an Qualität. Durch die Abdeckung mit Mulch und eine Untersaat ab Juni versuchen die Bauern, die Kartoffeln etwas zu beschatten.

Neben den Kartoffeln wachsen Sonnenblumen, dazwischen stehen im Abstand von 30 Metern zwei Baumreihen. "Das nennt sich Agroforstsystem." Zwischen Wertholzbäumen wie Elsbeere und Speierling stehen Fruchtbäume wie Aprikosen und Mandeln. Diese sind bewusst südländisch gewählt, um mit dem wärmeren Klima zurecht zukommen. "Das Holz ernten dann unsere Enkel, das werden wir nicht mehr erleben." Die Bäume beschatten die Kulturen und halten Wind und starken Regen ab. Ähnliche Vorteile bringen auch Hecken.

 


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Auch im Winter fehlt die Feuchtigkeit

Nicht nur im Sommer, sondern vor allem im Winter fehlt die Feuchtigkeit. "Das ist auch ein Zeichen des Klimawandels, dass es immer mehr lang anhaltende Winde gibt", hat Beate Lang beobachtet. "Die Winterwinde trocknen die Böden aus, auch wenn es immer mal wieder regnet."

Das Problem der zunehmenden Erosion hat auch die Politik erkannt. Neue Vorgaben aus dem Landwirtschafts- und Umweltministerium Baden-Württemberg halten die Bauern aber nicht für umsetzbar.

 


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Pflügen im Winter verboten

Um den Boden zu schützen, muss im Winter ein Großteil der Flächen bewachsen sein. Kann das Wintergetreide rechtzeitig ausgebracht werden, ist das kein Problem. Durch die Fruchtfolge müssen aber manche Flächen spät im Jahr gepflügt werden. Jürgen Maurer, Vorsitzender des Bauernverbands Hohenlohe, ist selbst Zuckerrübenanbauer. Die Zuckerrübe ist bei ihm die traditionelle Vorfrucht für den Weizen und wird erst ab Oktober bis etwa Mitte Dezember geerntet. Vor der Weizenaussaat müsse in der Regel noch im Winter gepflügt werden. "Wie um Himmels willen soll beim neu gesäten Weizen innerhalb einer Woche ein Pflanzenbestand entstehen können?", schimpft Maurer.

Auch für Kartoffeln müsse gepflügt werden, berichtet Thomas Lang. "Eine späte Pflugfurche Ende Januar oder im Februar kann kontraproduktiv sein." Die zunehmende Bürokratie mache die Landwirtschaft zu einem der schwierigsten grünen Berufe. "Man arbeitet als Landwirt immer im Kontext der Witterung." Als Bauern in Altersteilzeit experimentieren Beate und Thomas Lang nun mit dem Winteranbau. "Das Wachstum ist zum Teil phänomenal."

Winterharte Zwischenfrüchte wie Wick-Roggen oder Klee bilden bis ins Frühjahr hinein einen "tollen Bestand" und schützen die Böden. Als Tierfutter oder für Biogasanlagen wäre das Grüngut gut verwertbar. In Obereisesheim werden die Pflanzen als Bedeckung auf dem Ackerboden gelassen und ohne Pflügen im Frühjahr als Naturdünger eingearbeitet.

Humus für den "Enkelacker"

Humus ist in landwirtschaftlichen Böden zentral für das Leben, den Ertrag, die Fähigkeit, Wasser zu speichern und vieles mehr. Die Idee eines Enkelackers treibt Thomas und Beate Lang schon lange um. Mit 150 Betrieben in ganz Deutschland ist der Bioland-Hof in Obereisesheim im „HumusKlimaNetz“ zusammengeschlossen. Über Anpassungsstrategien berichten die Biobauern in einer Führung am Mittwoch, 4. Oktober. Anmeldung über die VHS Neckarsulm.

 
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