Asiatische Hornisse bedroht Bienenzucht und Obstbau im Südwesten
Die Tiere sind weitaus gefährlicher für Bienen als einheimische Hornissen. In Karlsruhe bekämpft man bereits die Insektenart. Behörden geben Tipps, wie sich Bürger verhalten sollen, wenn sie eine asiatische Hornisse sehen.

Die Asiatische Hornisse wird sich in Baden-Württemberg weiter ausdehnen und zu massiven Schäden in Imkerei und Landwirtschaft führen. Das ist die Überzeugung von Eberhard König. Er ist Hornissen-Berater für die Landkreise Heilbronn und Rottweil. "Man kann nur versuchen, sie einzudämmen, ganz los werden wir sie wohl nicht mehr", so der Fachmann.
Die invasive Art ist kleiner, wendiger und fruchtbarer als die einheimischen Hornissen und daher für die Bienen weitaus gefährlicher, als die angestammte, behäbiger anmutende Art. Allein für den Nestbau verschlingen Asiatische Hornissen bis zu drei Bienenvölker. Die invasive Art lauere nicht nur an den Ein- und Ausfluglöchern der Bienenbeuten, sondern sie dringen auch in den Innenraum ein und richten dort verheerende Schäden an den Bienenvölkern an. In der Folge könne die Landwirtschaft ernsten Schaden nehmen: Unmittelbar die Imker, mittelbar aber auch andere Kulturen, die auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen sind.
Wie dicht die Asiatische Hornisse schon an die Region herangekommen ist

Auch im Obstbau könnte das Insekt zum Problem werden. In Spanien und Frankreich gibt es seit Jahren Berichte über massive Schäden. Denn die Spezies beschädigt die reifen Früchte mit der Folge, dass diese unverkäuflich werden. "Das ist von der Schadfunktion her vergleichbar mit der Kirschessigfliege im hiesigen Weinbau", so König.
Die invasive Art ist gerade dabei, sich weiter auszubreiten. Momentan sind Nester an der Rheinschiene, zwischen Mannheim, Karlsruhe und Baden-Baden entdeckt worden. Einzelfunde gab es auch schon im Heilbronner Raum am westlichen Stadtrand und mehrere im Zabergäu. Ganz aktuell verzeichnet die interaktive Karte der Landesanstalt für Umwelt einen Fund im Raum Eppingen.

Behörden appellieren, Funde der nicht-heimischen Wespenart zu melden. Dazu hat das Land eine zentrale Meldeplattform eingerichtet. Die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Heilbronn, Lena Heimbeger, rät, bei Funden mutmaßlicher Asiatischer Hornissen nach Möglichkeit ein Foto mitzuliefern. "Es gibt großes Verwechslungspotential mit anderen Insektenarten."
Was soll man tun, wenn man ein Exemplar entdeckt?

Wenn man einzelne Tiere oder gar ein ganzes Nest entdeckt, rät Fachberater König, Ruhe zu bewahren. "Hornissen, heimische wie auch asiatische, sind von Haus aus nicht angriffslustig." Man sollte sich trotzdem nur langsam entfernen und, wenn möglich, einen Abstand von mindestens zwei bis drei Metern vom Nest, beziehungsweise Einflug einhalten.
Die Asiatische Hornisse bildet im Frühjahr ein Nest etwa in der Größe eines Fußballs. Dies geschieht meist in Bodennähe, etwa in Büschen. Im Spätsommer/Herbst bauen die Insekten bis zu einen Meter große Sekundärnester in Baumwipfelhöhe. Die werden meist erst nach dem Laubfall entdeckt.

Die Berufsfeuerwehr Karlsruhe hat sich auf die Entnahme der Nester spezialisiert und ist entsprechend ausgerüstet. So kommt regelmäßig die Drehleiter zum Einsatz. Das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe (SMNK) hat einige der Nester zu Forschungszwecken aufgenommen und tiefgekühlt. "Wir wollen feststellen, wie viele geschlechtsreife Junghornissen die Nester enthalten, um Rückschlüsse auf die Reproduktionsrate und den Zeitpunkt des Ausschwärmens zu gewinnen", berichtet Manfred Verhaag. Er leitet im Museum das Referat Entomologie (Insektenkunde). Er ist zudem Kurator für Hautflügler, zu denen die Hornissen zählen. In der Praxis steigen die mit Imkerkleidung ausgestatteten Einsatzkräfte mit technischer Hilfe bis in die Nähe des Nestes auf und vereisen es mit Kohlendioxid. Anschließend wird der betreffende Ast abgesägt und das Nest in einem stabilen Plastiksack aufgefangen.
Hier kann man die Asiatische Hornisse melden
Auch wenn Nester der augenscheinlichste Beweis der Ansiedelung sind, so ist der Chef-Entomologe des Museums überzeugt, dass auch einzelne Tiere, wie sie im Heilbronner Raum entdeckt wurden, auf ein Nest in der Nähe schließen lassen. Fortschritte gibt es auch im Bereich der Nachverfolgung der invasiven Insekten. Das Verfahren nennt sich Telemetrie und funktioniert so: Die Insekten werden, sobald sie sich an einer Honigbeute niedergelassen haben, eingefangen und mit Mini-Sendern versehen, die nur etwa 200 Milligramm wiegen, berichtet Verhaagh.
Meldeadresse für Asiatische Hornisse: Zentrale Meldeplattform des Landes unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de.




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