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Fastenmonat Ramadan: Muslima aus Gundelsheimer Moscheegemeinde berichtet in Tagebuch

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Noch bis zum 19. März läuft der Fastenmonat Ramadan. Für Elif Sevren aus der Gundelsheimer Moscheegemeinde ist das eine Zeit der Besinnung. In einem Tagebucheintrag teilt sie noch mehr Eindrücke.

Weltweit begehen Muslime aktuell den Fastenmonat Ramadan.
Weltweit begehen Muslime aktuell den Fastenmonat Ramadan.  Foto: Altaf Qadri

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Von der Morgendämmerung bis nach Sonnenuntergang auf Essen und Trinken verzichten: Das ist im Ramadan angesagt. Der heilige Fastenmonat der Muslime läuft seit dem 18. Februar und gilt als eine der fünf Säulen des Islam. Auch in Moscheegemeinden in der Region kommen gläubige Muslime zum täglichen Fastenbrechen zusammen.

Doch der Ramadan ist mehr als nur der Verzicht auf Nahrung, so auch für Elif Sevren. Die Muslima aus der Gundelsheimer Moscheegemeinde erzählt in einem Tagebuch von ihren Erfahrungen mit dem Fastenmonat.

Ramadan-Tagebuch aus Gundelsheimer Moscheegemeinde: Muslima berichtet von ihrem Fastenmonat

Der Monat Ramadan ist für mich eine Zeit der Spiritualität, Disziplin und Selbstreflexion. Er bedeutet weit mehr als den bloßen Verzicht auf Essen und Trinken zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Ramadan bietet eine Gelegenheit, innezuhalten und sich wieder stärker auf das Wesentliche zu besinnen — auf den eigenen Glauben, auf Mitmenschen und auf die eigene Haltung im Alltag.

Nicht nur der Magen fastet in dieser Zeit. Auch Zunge, Herz und Gedanken sollen „mitfasten“. Das bedeutet, bewusster zu sprechen, geduldiger zu sein und sich darum zu bemühen, Gutes zu tun. Es geht darum, Achtsamkeit in den eigenen Handlungen zu entwickeln, Mitgefühl für andere zu zeigen und Dankbarkeit für Dinge zu empfinden, die im hektischen Alltag oft selbstverständlich erscheinen.

Elif Sevren aus der Gundelsheimer Moscheegemeinde.
Elif Sevren aus der Gundelsheimer Moscheegemeinde.  Foto: privat

Fasten im Alltag: Muslima Elif Sevren berichtet von innerer Ruhe und besonderem Tagesrhythmus

Der Ramadan erinnert mich jedes Jahr daran, wie wichtig Selbstbeherrschung, Nächstenliebe und innere Ruhe sind — Werte, die weit über diesen einen Monat hinauswirken sollen. Mein Tag beginnt meist sehr früh: Um etwa 4.30 Uhr stehe ich auf, nehme den Suhoor ein — die letzte Mahlzeit vor der Morgendämmerung — und verrichte anschließend das Morgengebet.

Manchmal mache ich mich direkt auf den Weg zur Arbeit, die normalerweise um sieben oder acht Uhr beginnt. Manchmal lege ich aber noch einen kurzen Powernap ein, bevor ich zur Arbeit gehe. Gerade in den ersten Tagen des Ramadan ist das nicht immer leicht, denn der Schlafrhythmus verändert sich, und Müdigkeit gehört dazu. Doch mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an diesen besonderen Tagesrhythmus, und der frühe Start in den Tag wird zu einem festen, bewussten Ritual. Nach der Arbeit kehre ich nach Hause zurück und verrichte das Nachmittagsgebet. Bis zum Iftar, dem Fastenbrechen, lese ich oft ein wenig, reflektiere oder bereite mich auf den Abend vor. 

Tagebuch über den Ramadan: Elif Sevren von Gundelsheimer Moscheegemeinde feiert Fastenbrechen am liebsten mit der Familie

Das Fastenbrechen genieße ich am liebsten im Kreis meiner Familie oder auch gemeinsam mit Bekannten in der Moschee. Eine Dattel, ein Glas Wasser und einfache Speisen — mehr braucht es nicht, um Dankbarkeit und Gemeinschaft zu spüren. Am Abend gehe ich dann oft in die Moschee in Gundelsheim zum Nachtgebet und zum Tarawih-Gebet. Dort treffe ich meine Bekannten, und das gemeinsame Gebet verstärkt das Gefühl der Verbundenheit.

Neben der spirituellen Dimension bringt das Fasten auch gesundheitliche Vorteile mit sich. Es fördert die Selbstdisziplin, regt den Stoffwechsel an und gibt dem Körper Zeit zur Regeneration. Viele spüren eine Verbesserung ihres Energiehaushalts und eine gesteigerte Konzentration, sobald sich der Körper an den neuen Rhythmus gewöhnt hat. Auch die bewusste Auswahl der Mahlzeiten beim Suhoor und Iftar unterstützt eine gesunde Ernährung und stärkt das allgemeine Wohlbefinden.

Ramadan ist für mich daher nicht nur ein Monat des Verzichts, sondern vor allem eine Zeit der inneren Einkehr, der Achtsamkeit und des Miteinanders. Er schenkt mir Momente der Ruhe, die im normalen Alltag oft verloren gehen, und erinnert mich daran, wie wertvoll kleine Gesten, bewusste Rituale und Gemeinschaft sein können. Jeder Tag im Ramadan bietet die Chance, das eigene Verhalten zu reflektieren, die eigenen Gedanken zu ordnen und die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele zu stärken. So wird dieser Monat zu einer Erinnerung daran, dass wahre Erfüllung nicht in Überfluss liegt, sondern in bewussten Entscheidungen, innerer Ruhe und der Wertschätzung für das, was wir haben. 

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