Mutmaßlicher Islamist wollte auf Heilbronner Marktplatz hingerichtet werden
Erschütternde Einblicke gab es am Donnerstag im Prozess gegen einen mutmaßlichen Islamisten in Heilbronn. Der 25-Jährige hatte ein Messer auf einen Polizisten geworfen, dieser sprach nun über seine Todesangst.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurde der Prozess gegen einen mutmaßlichen Islamisten aus Bad Friedrichshall am Donnerstagvormittag fortgesetzt – deutlich später als geplant. Grund dafür war ein Fehlalarm, der zur Räumung und Durchsuchung des Gebäudes geführt hatte. Ein Sprengstoffhund hatte bei einer Durchsuchung eines Gerichtssaals angeschlagen. Kurze Zeit später gab es aber Entwarnung.
Mit Fuß- und Handschellen wurde der 25-jährige Angeklagte in den Gerichtssaal gebracht. Im Mai soll er, nachdem seine Wohnung durchsucht worden war, mit mehreren Küchenmessern bewaffnet aus dem Fenster geflohen und anschließend auf einen Polizisten losgegangen sein. Dabei habe er angeblich einen Märtyrertod sterben wollen. Zuvor hatten seine Eltern Anzeige bei der Polizei erstattet, weil sie erfahren hatten, dass ihr Sohn vergeblich versucht hatte, nach Syrien einzureisen, um sich dort als Kämpfer einer mutmaßlich islamistischen Gruppierung anzuschließen.
25-Jähriger wirft Messer auf Polizisten: Erschreckende Details bei Prozess in Heilbronn
Mehrere Polizeibeamte waren an der Wohnungsdurchsuchung in Bad Friedrichshall am 3. Mai beteiligt. Ein Polizeioberkommissar schilderte vor Gericht eindrückliche Szenen: Er sei oben im Zimmer des Angeklagten gewesen und habe Beweismaterial sichergestellt, darunter einen Visums-Antrag für Afghanistan sowie ein Messer, das in einem Rucksack zusammen mit einem Gebetsteppich versteckt war. „Plötzlich habe ich unten Schreie und Gepolter gehört."
Der Angeklagte habe sich in die Küche geflüchtet, dort mehrere Messer an sich genommen und sei durch das Küchenfenster geflohen. Im Hof sei er auf den Polizeioberkommissar zugelaufen, der zwischenzeitlich nach draußen ging, um Verstärkung anzufordern. Mit voller Wucht habe der mutmaßliche Islamist anschließend ein Messer nach ihm geworfen. „Ich konnte ausweichen. Ich war erleichtert, dass es mich nicht getroffen hat, aber ich hatte Angst. Noch nie hatte ich eine vergleichbare Situation erlebt“, schilderte der Polizist. Der Angeklagte habe zwei weitere Messer erhoben und sei damit auf ihn zu gerannt. „In diesem Moment habe ich gewusst: Es geht um mein Leben.“
Mutmaßlicher Islamist in Heilbronn angeklagt: „Warum hast du mir nicht in den Kopf geschossen?“
An Details könne er sich nicht mehr erinnern, so der Beamte weiter. Es sei ein Automatismus gewesen, ehe er von seiner Schusswaffe Gebrauch machte und viermal schoss. Mindestens zwei Schüsse trafen den Angreifer. Dann habe er nur noch wahrgenommen, wie er vor ihm zu Boden fiel. Kollegen seien ihm zu Hilfe geeilt, hätten den Angeschossenen verarztet und den Krankenwagen gerufen, während der Polizist kurze Zeit später selbst zu Boden gesackt sei und Atemnot bekommen habe.
Kurz hätten sich die Blicke des Polizisten und seines Angreifers gekreuzt. „Hass im Blick“ habe er wahrgenommen. Der mutmaßliche Islamist soll außerdem zu ihm geschrien haben: „Warum hast du mir nicht in den Kopf geschossen?“
Nach Messer-Wurf auf Polizisten in Bad Friedrichshall: Beamter in psychologischer Betreuung
Seit dem Vorfall leide der Polizeioberkommissar an einer posttraumatischen Belastungsstörung, erzählte er im Zeugenstand. „Kleinigkeiten reichen aus, um mich aus der Bahn zu werfen.“
Sowohl dienstlich als auch privat sei nichts mehr wie zuvor. Besonders belastend sei für ihn gewesen, dass kurze Zeit später der Polizeikollege Rouven L. bei einem Einsatz in Mannheim durch einen Messerangriff eines mutmaßlichen Islamisten zu Tode kam. „Da habe ich erst realisiert, dass mir das auch hätte passieren können.“ Jede Nacht werde der Polizist von Albträumen geplagt. „Immer wieder sehe ich, wie ich mit Messern angegriffen werde und wie ich schießen muss.“
Prozess in Heilbronn: Angeklagter wünscht sich Todesstrafe in Deutschland zurück
Ein anderer Kriminalhauptkommissar berichtete von einem Gespräch mit dem 25-jährigen Angeklagten, das am Esszimmertisch stattfand, bevor dieser plötzlich in die Küche und dann aus dem Fenster floh. Dabei habe der mutmaßliche Islamist wiederholt gefordert, auf dem Heilbronner Marktplatz hingerichtet zu werden, falls die ihm vorgeworfenen Taten tatsächlich strafbar seien. Er sprach von einem Galgen oder davon, dass man ihm den Kopf abschlagen solle. Er sehe sich nicht als deutscher Staatsbürger, sondern als ein Kind Abrahams auf dem Weg ins Paradies.
Da im Islam Selbstmord verboten sei, habe er den Tod durch fremde Hände gesucht, erklärte der Angeklagte beim Prozessauftakt Mitte November selbst. Das Urteil fällt voraussichtlich am 10. Februar. Wegen eines mutmaßlich geplanten Angriffs auf eine jüdische Einrichtung läuft gegen den 25-Jährigen sowie zwei weitere Angeklagte ein getrenntes Verfahren vor dem Heilbronner Landgericht.
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