PS-Protzer und illegale Rennen: Wie kommen junge Männer an teure Luxus-Autos?

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Mit PS-starken Autos rasen junge Männer durch Innenstädte. Viele dieser Fahrzeuge kosten weit über 100.000 Euro – doch woher kommt das Geld? Auch die Polizei Heilbronn geht dieser Frage nach.


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Mit einem 300 PS starken BMW rast ein damals 20-Jähriger am 12. Februar 2023 durch die Heilbronner Wollhausstraße. Statt der erlaubten 40 fährt er nahezu 100 Kilometer pro Stunde. Er prallt mit einem anderen Auto zusammen, ein Familienvater stirbt.

Im März 2025 kommen in Ludwigsburg zwei junge, unbeteiligte Frauen ums Leben, als sich zwei Brüder ein illegales Autorennen liefern. In einer Tempo-50-Zone fährt einer der damals 32-Jährigen mehr als 130 km/h. Am Steuer: ein Mercedes AMG mit 612 PS. Inzwischen sind die beiden Raser zu lebenslanger Haft sowie zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihnen droht die Abschiebung in die Türkei.

Unfall-Wagen von Ludwigsburg: Mercedes AMG mit 612 PS kostet neu mindestens 130.000 Euro

Wer abends, vor allem am Wochenende, im Heilbronner Stadtgebiet unterwegs ist, sieht häufig junge Männer in PS-starken Luxusautos. Motoren heulen auf, die Fahrer beschleunigen im Innenstadtbereich, bremsen abrupt und lassen die Auspuffe knallen. Im Rahmen ihrer Null-Toleranz-Strategie geht die Polizei Heilbronn verstärkt gegen die Raser-Szene vor. Im Zentrum steht dabei das Kompetenzteam PuR. Diese Abkürzung steht in der Polizeisprache für Poser und Raser. Auffällig ist, wie häufig Autos in der Region bei Straftaten mit tödlichem Ausgang in der jüngeren Vergangenheit eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Die Fahrer hochmotorisierter Sportwagen haben zuletzt in der Region immer wieder schwere Unfälle verursacht. Im Februar 2023 kam in der Wollhausstraße in Heilbronn ein am Rasen unbeteiligter Familienvater ums Leben.
Die Fahrer hochmotorisierter Sportwagen haben zuletzt in der Region immer wieder schwere Unfälle verursacht. Im Februar 2023 kam in der Wollhausstraße in Heilbronn ein am Rasen unbeteiligter Familienvater ums Leben.  Foto: Berger, Mario

Im Gespräch mit Lesern stellt sich immer wieder die Frage, wie sich junge Männer derart teure Autos leisten können. Ein Neuwagen des Unfallmodells aus Ludwigsburg kostet mindestens 130.000 Euro. Selbst sieben Jahre alte Exemplare des 612-PS-AMG sind kaum für unter 50.000 Euro zu haben. Prüft die Polizei im Rahmen ihrer Verkehrskontrollen auch, ob solche Luxusautos mit kriminellen Geschäften in Verbindung stehen?

Heilbronner Raser-Szene: Meist Mercedes AMG oder BMW-M-Modelle

Frank Belz, Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, betont, dass die Polizei genau hinschaut. Sind Unterhalt oder Herkunft eines Fahrzeugs nicht plausibel, werden erste Ermittlungen eingeleitet. „Derartige Fahrzeuge werden an interne sowie externe Stellen gemeldet und überprüft.“ Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn nutzen Raser und Poser am häufigsten Fahrzeuge von Mercedes und BMW – meist in sportlichen Spitzenversionen wie AMG oder M.

Der finanzielle Hintergrund für den Erwerb und den Unterhalt teurer Autos seitens der jungen Fahrer sei laut Belz vielfältig – und keineswegs zwangsläufig illegal: „Beispielsweise sind die Autos durch die Eltern finanziert oder die Fahrer sind als Influencer tätig und verfügen dadurch über ein für ihr junges Alter hohes Einkommen.“ Häufig seien die Autos auch gemietet oder geleast. Ein Mercedes AMG mit 612 PS, das Unfall-Auto in Ludwigsburg, ist beispielsweise für eine Leasingrate von etwa 1500 Euro im Monat zu haben. 

In Heilbronn geht die Polizei derzeit verstärkt gegen die Raser- und Auto-Poser-Szene vor.
In Heilbronn geht die Polizei derzeit verstärkt gegen die Raser- und Auto-Poser-Szene vor.  Foto: Uwe Anspach

Raser und Luxus-Autos: Ist Geldwäsche im Spiel?

Bundesweit kommt es immer wieder vor, dass sich mehrere junge Männer zusammenschließen: Einer übernimmt die formale Verantwortung und schließt den Leasingvertrag ab, während alle gemeinsam die Kosten tragen und sich bei der Nutzung des Fahrzeugs abwechseln. Für den Raum Heilbronn erklärt Polizeisprecher Frank Belz: „Vereinzelt teilen sich mehrere junge Männer die Kosten für ein einziges prestigeträchtiges Fahrzeug, um die monatlichen Belastungen zu senken und dennoch in der Szene ’mitzuhalten’. Es ist aber nicht der Regelfall.“

Immer wieder wird der Verdacht geäußert, dass Luxusautos mit Geldwäsche in Verbindung stehen könnten. Polizeisprecher Frank Belz hält das bei hochmotorisierten Luxus- und Sportwagen grundsätzlich für denkbar. „Aus diesem Grund werden auffällige Kombinationen aus Fahrern und Fahrzeugen an zuständige Stellen übermittelt. Rückmeldungen, die einen Treffer ergaben, liegen uns allerdings nicht vor.“  

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