700.000 Euro unnötig investiert? Kita-Neubau in Neckarsulm wackelt
Wegen des Neubaus der Kita Hägelich in Neckarsulm wurde der Bolzplatz verlegt – Kostenpunkt: über 700.000 Euro. Jetzt wird die Kita gar nicht gebaut, zumindest vorerst.
Der Neubau der Kita Hägelich im Neckarsulmer Neuberg war schon beschlossene Sache: Die Ausschreibung ist erfolgt, noch im Mai 2025 hat ein Gutachten zur Entwicklung der Kinderzahlen einen „erheblichen Bedarf“ für den Neubau der sechsgruppigen Kita festgestellt.
Nun rudert die Stadtverwaltung zurück. Der Baubeschluss wurde zurückgestellt, die „Zahlengrundlage für die Bedarfsplanung“ wird jetzt hinterfragt. Im Obereisesheimer Ortschaftsrat kritisierte Stefan-Georg Noll das „erhebliche Versagen der städtischen Verwaltung. Eine offenbar vollkommen unrealistische Hochrechnung von Kinderzahlen diente als Grundlage für die Planung weiterer Kindertagesstätten.“
War der Neubau des Bolzplatzes im Neckarsulmer Neuberg unnötig?
Nun wurde – wie in Obereisesheim – die Reißleine gezogen. Möglicherweise wird der Neubau der Kita Hägelich ganz aufgegeben. Allerdings ist als „vorbereitende Maßnahme“ bereits der Bolzplatz verlegt und neu gebaut worden. Kostenpunkt: 706.000 Euro. Allein der Erdwärmetauscher, der die Kita mit Energie versorgt hätte, hat 150.000 Euro gekostet.
Die Kostenfeststellung wurde vom Gemeinderat ohne Diskussion einstimmig genehmigt. Allein aus technischen Gründen, so die Stadtverwaltung auf Stimme-Nachfrage, hatte der bestehende, asphaltierte Bolz- und Spielplatz im Hägelich nicht verlegt und neu gebaut werden müssen.
Neckarsulm will Asphalt-Bolzplätze aus ökologischen Gründen entsiegeln
Warum wurde der Bolzplatz jetzt neu gebaut, obwohl schon vor vier Jahren der Baubeschluss für die neue Kita ausgesetzt worden war? Die Stadt plane, so die Begründung, die Asphalt-Bolzplätze im Stadtgebiet „aus ökologischen Gründen sukzessive zu entsiegeln und in naturnahe Flächen umzuwandeln“.
Die Kindergarten-Bedarfsplanung ist auf den Prüfstand gestellt worden. Die geringere Nachfrage nach Betreuungsplätzen – wohl auch aufgrund steigender Gebühren – zwinge die Verwaltung, „vorbereitete Planungen kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren“.
Kita-Bedarfsplanung in Neckarsulm kommt noch einmal auf den Prüfstand
Nach einer Phase der sehr starken Nachfrage nach Kita-Plätzen, so die Auskunft aus dem Rathaus, „stellen wir seit Mitte letzten Jahres fest, dass die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren in Neckarsulm zurückgegangen ist“. Die Gründe dafür seien vielschichtig wie sinkende Geburtenraten und stark gestiegene Gebühren.
Die neue Bedarfsanalyse wird im April im Gemeinderat öffentlich vorgestellt. „Auf dieser Grundlage wird dann die kommunale Bedarfsplanung für 2026 aktualisiert und dem Gemeinderat im Juli zur Beschlussfassung vorgelegt.“ Auch der Gebäudebestand wird bewertet: „Einige städtische Kitas sind sanierungsbedürftig und verursachen hohe Instandhaltungskosten.“
Weil es auch Überlegungen des Landes gibt, ein verpflichtendes und damit kostenfreies letztes Kitajahr einzuführen, ist beim Neubau der Kita Hägelich das letzte Wort noch nicht gesprochen. Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich „noch nicht absehen, ob der frühere Bolzplatz im Hägelich als Bauplatz für eine mögliche neue Kita benötigt wird oder nicht“.
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