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Ärger um Kita in Obereisesheim: Ortschaftsrat kritisiert „erhebliches Versagen" der Stadt

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Erst werden neue Kitas geplant, dann rudert das Rathaus wieder zurück, weil angeblich „kein Bedarf“ besteht. Dies hat nun zu erheblichem Ärger in Obereisesheim geführt. 

In der Wilhelm-Maier-Schule wird nun doch keine Kita eingerichtet. Die Kehrtwende führte zu Kritik im Ortschaftsrat Obereisesheim.
In der Wilhelm-Maier-Schule wird nun doch keine Kita eingerichtet. Die Kehrtwende führte zu Kritik im Ortschaftsrat Obereisesheim.  Foto: Sebastian Kahnert

In der Wilhelm-Maier-Schule in Obereisesheim stehen seit dem Neubau der Verbundschule etliche Räume leer. Die komplette Mittelstufe wird nun in Neckarsulm unterrichtet, in Obereisesheim befindet sich nur noch die Grundschule. In den freien Räume wollte die Stadtverwaltung eine Kindertagesstätte einrichten. 

Grundlage dafür war die Berechnung der Kinderzahlen in Neckarsulm. Über 100 neue Wohnungen entstehen in den nächsten sieben Jahren in Obereisesheim in der Römerstraße, der Lichtensterner und der Biberacher Straße, Freibrunnen und der Angelstraße, daher ging man von einem wachsenden Bedarf bei der Kinderbetreuung aus. 

Dringlich sei die Umnutzung der freien Räume in der Wilhelm-Maier-Schule in Obereisesheim, hieß es im Kindergartenbedarfsplan noch im vergangenen Jahr. In den freien Klassenzimmern sollten eine TigeR-Gruppe (Tagespflege in geeigneten Räumen) sowie zwei altersgemischten Gruppen noch in diesem Jahr eingerichtet werden.

Ortschaftsrat: „Offenbar vollkommen unrealistische Hochrechnung von Kinderzahlen“

Nun rudert die Verwaltung zurück: Es sei nun doch „die Schaffung von zusätzlichen Betreuungsplätzen am Standort der Wilhelm-Maier-Schule aktuell nicht erforderlich“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Im Ortschaftsrat Obereisesheim hat Stefan-Georg Noll in der gemeinsamen Haushaltsrede aller Fraktionen festgestellt: „Bei den Kindertagesstätten muss man leider von einem erheblichen Versagen der städtischen Verwaltung sprechen. Eine offenbar vollkommen unrealistische Hochrechnung von Kinderzahlen diente als Grundlage für die Planung weiterer Kindertagesstätten.“

Noll betonte zwar, dass man es positiv sehe, wenn mit Steuergeldern verantwortungsvoll umgegangen werde. Die „komplette Neuplanung“, die aufgrund der falschen Zahlen aber notwendig werde, münde nun in die „klare Verpflichtung, Zahlen externer Projektbüros nicht nur als Argument für Ausgaben zu nutzen, sondern diese auch kritisch zu hinterfragen. Aus unserer Sicht sollte dort, wo tatsächlich Bedarf an Betreuungsplätzen besteht, sinnvoll investiert und gehandelt werden.“

Freie Räume in der Grundschule Obereisesheim nun für die Ganztagsbetreuung

Auf diese Vorwürfe reagiert das Rathaus ausweichend: Bei der Schätzung der Bevölkerungsentwicklung handle es sich „immer um eine Prognose über einen längeren Planungszeitraum, die zwangsläufig Unwägbarkeiten mit sich bringt“. Rückläufige Geburtenzahlen und eine geringere Nachfrage nach Kita-Plätzen aufgrund steigender Gebühren hätten sich „in einem kurzen Zeitraum deutlich stärker ausgewirkt, als dies zu erwarten war“. 

Man habe vor diesem Hintergrund den Neubau der Kita Hägelich im Neuberg wie auch den Umbau der Schule in Obereisesheim zurückgestellt. Hintergrund ist wohl auch die Vorgabe im Gemeinderat, in Zeiten knapper Kassen 15 Prozent der Ausgaben einzusparen. Denkbar sei nun, die freien Raumkapazitäten an der Wilhelm-Maier-Schule zu nutzen, um den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule umzusetzen. 

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