Gelbe Tonne im Landkreis Heilbronn bringt mehr Recycling und weniger Restmüll
Die Recyclingquote im Landkreis Heilbronn steigt nach Einführung der Gelben Tonne an. Es ist aber immer noch viel Luft nach oben. Eine erste Bilanz nach drei Monaten.
Zu Jahresbeginn wurde im Landkreis Heilbronn die Gelbe Tonne für Leichtverpackungen (LVP) eingeführt. Nach drei Monaten zieht der Entsorger Prezero eine erste Bilanz – und die fällt positiv aus: Ende 2025 wurden über die Wertstoffhöfe noch 6,9 Kilo pro Einwohner an Dosen, Kunststoffverpackungen und Tetrapacks eingesammelt.
Nun hat sich die Quote fast verdreifacht: „Wir sind jetzt schon bei 19 Kilogramm pro Einwohner“, freut sich Verena Müller, Bereichsleiterin „Erfassung“ bei Prezero Dual. Die Expertin für Wertstoffe und Wiederverwertung muss aber auch feststellen: „Es ist immer noch viel Luft nach oben!“ Landesweit liegt die Quote beim Recycling nämlich bei 33,4 Kilogramm pro Einwohner.
Einführung der Gelben Tonne im Landkreis Heilbronn: Nach Stotterstart läuft es nun rund bei der Müllabfuhr
Zu Beginn hatte es einige Kritik wegen nicht geleerter Behälter und dem Tonnentausch gegeben. Aber man sei insgesamt im Landkreis Heilbronn auf einem guten Weg, blickt Pressesprecher Boris Ziegler auf die Systemumstellung zurück. Neben der Abfuhr von Rest- und Biomüll wurden nun auch noch die der Gelben Tonne von Prezero übernommen und wegen der leerungsbezogenen Gebühr die Behälter getauscht. „Nach zwei Monaten haben sich die Besonderheiten eingespielt. Jetzt sind wir trittsicher, was die Touren und Routen anbelangt.“

Ziel der Systemumstellung ist, die Menge an Restmüll zu reduzieren. Hier ist der Landkreis Heilbronn noch über dem Durchschnitt. Weil die Kosten für die Entsorgung steigen, will man den Anteil am Recycling deutlich erhöhen. 35 Fahrzeuge stehen in der Heilbronner Austraße bereit, um die Touren im Landkreis zu fahren. Auch in der Stadt Heilbronn holt Prezero Rest- und Biomüll ab, jedoch nicht den Gelben Sack oder die Tonne.
Für Müll ist der Landkreis Heilbronn zuständig, für Verpackungen die Verkäufer
In welchem Turnus die Leerungen stattfinden oder welche Behältergrößen es gibt, das legen die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, in diesem Fall der Landkreis, bei der Ausschreibung schon fest. Das zuverlässige Abholen ist dann Aufgabe der Unternehmen.
Bei den Verpackungen bewegt man sich aber im privat-wirtschaftlichen Bereich. Zur Rücknahme sind die Verkäufer gesetzlich verpflichtet, weil es aber für alle Beteiligten bequemer ist, die Wertstoffe zu Hause abzuholen und nicht wieder in den Laden zu bringen, wird das von Unternehmen wie Prezero gleich mit erledigt. Deshalb ist die Gelbe Tonne und auch die Abholung – bis auf den schon beim Einkauf bezahlten Obolus – komplett kostenlos.
Auch die Gelbe Tonne wird kontrolliert
Allzu verlockend kann es da sein, den Restmüll über die kostenlose Gelbe Tonne zu entsorgen. „Tatsächlich haben wir im Schnitt 30 Prozent Fehlwürfe“, erklärt Ziegler. Von Windeln über Schuhe bis hin zum Fußball finde sich alles. Aber: Auch die Gelbe Tonne wird kontrolliert und kann bei Fehlbefüllung stehen bleiben.
Mit dem Flyer „Mülltrennung ist für dich Käse?“, der dieser Tage an alle Haushalte im Landkreis verteilt wird, soll weiter für eine bessere Sortierung sensibilisiert werden. „Wir haben auch mehrsprachige Informationen und bieten Beratung vor Ort in Mehrfamilienhäusern an“, erklärt Verena Müller.
Täglich Brände durch Akkus und Batterien im Müll
Neben Müll, der nicht in die Gelbe Tonne gehört, sind Batterien und Akkus ein „Riesenproblem. Wir haben deutschlandweit jeden Tag rund 30 Brände in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen“, so Ziegler. Handys, elektrische Zahnbürsten, ja sogar Grußkarten, die „Happy Birthday“ dudeln: „Das sind alles potentielle Brandherde!“ Daher werden Elektrogeräte und Batterien an den Wertstoffhöfen, die es weiterhin gibt, an einer extra Theke in Empfang genommen und sortiert.
Auch in der Sortieranlage Ölbronn spielt Brandschutz eine große Rolle. 140.000 Tonnen LVP werden hier unter anderem aus Heilbronn angeliefert und sortiert, „das sind 220.000 gelbe Säcke am Tag“, sagt Verena Müller. Kunststoffe wie Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PET) werden hier per Infrarotscanner sortenrein getrennt und aufbereitet. Am Ende steht ein Recyclat, das wieder für neue Verpackungen, aber auch Kisten und Behälter verwendet wird.
Noch ist Recyclingmaterial teuer – das könnte sich aber ändern
Bei Aluminium wird 95 Prozent Energie gespart, wenn Recyclingmaterial eingesetzt wird. „Die Deo-Dose steht dann als Bratpfanne irgendwann wieder im Regal“, beschreibt Boris Ziegler den Kreislauf. Bei Kunststoffen könnte die Quote, aktuell sind das rund 70 Prozent, weiter steigen.
„Das Recyclat ist aktuell noch teurer“, sagt Verena Müller. Aber – angesichts steigender Ölpreise – könnte Recycling bald auch nicht nur ein Thema für Umweltschützer sein.
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