Rein optisch "guter Zustand": Aquatoll-Fans für Wiedereröffnung des Bades
Der Neckarsulmer Gemeinderat entscheidet diesen Donnerstag über die Nachnutzung des Aquatoll-Geländes. Unterdessen behaupten Liebhaber des geschlossenen Bades, es sei rein optisch in einem "guten Zustand" und könne wieder in Betrieb gehen.

Der Wildwasserkanal ist Geschichte, die Röhrenrutsche trocken, und auch in der Saunalandschaft sucht seit eineinhalb Jahren kein Badegast mehr Erholung: Der Neckarsulmer Gemeinderat hat das Aquatoll geschlossen. Diesen Donnerstag, 28. September, soll es ab 17 Uhr im Rathaus um die Zukunft der Gebäude und des gesamten Areals gehen.
Obereisesheimer blicken mit großem Interesse auf das Votum: Sollte der Gemeinderat dafür sein, auf dem Aquatoll-Gelände ein Freibad zu errichten, würde das sanierungsbedürftige Ernst-Freyer-Freibad im Stadtteil Obereisesheim geschlossen. Es gilt als ausgeschlossen, dass der Gemeinderat zwei Freibäder unterhalten wird.
Zukunft des Aquatoll-Geländes in Neckarsulm: Auch ein Park ist denkbar
Zwei weitere Optionen auf dem Aquatoll-Gelände sind aus Sicht der Stadtverwaltung möglich. Es könnte ein Park entstehen, auch ein Hallenbad ist vorstellbar - vielleicht würden sogar Gebäude-Teile weitergenutzt. Fitness ist beispielsweise denkbar, auch die Sauna könnte dann wieder eröffnen. Laut Oberbürgermeister Steffen Hertwig kann es ebenfalls auf eine Mischvariante hinauslaufen, beispielsweise Hallenbad plus Elemente eines Parks. Wie er diesen Donnerstag abstimmen wird, ließ er auf Anfrage offen.
Aquatoll-Enthusiasten lehnen die bevorstehende Entscheidung ab, mancher träumt von einem Neustart des Aquatolls. Es gibt diverse Mails, teilweise sehr scharf formuliert, an Stadträte und die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Steffen Hertwig, mit denen sich Liebhaber für eine Wiedereröffnung aussprechen. Es gibt sogar eine indirekte Drohung in Richtung Kommunalpolitik, dass man sich beim Regierungspräsidium Stuttgart als Aufsichtsbehörde beschweren könnte.
Aquatoll-Fans setzen weiterhin auf eine Wiederöffnung der Attraktion
In einem Schreiben, das Stimme.de vorliegt, heißt es: "Der GR-Beschluss für das Aus des Aquatolls ist mit Rechtsverletzungen behaftet, insofern ist seine Rechtskraft in Frage zu stellen." Der Absender wirft dem Gemeinderat Vorsatz vor, richtig wäre "die zeitnahe Reparatur/Sanierung" gewesen. Aus dem Gemeinderat kommen Konter bezüglich der Vorwürfe: Eine Stadträtin vergleicht das Aquatoll mit einem alten Auto: Wolle man das Fahrzeug erhalten, dann stelle man fest, dass Liebelei viel Geld kosten könne und "oftmals den eigentlichen Wert des Objekts übersteigt".
In der Kritik steht ebenfalls, dass der Gemeinderat am Donnerstag über Handlungsoptionen abstimmen soll, "deren Inhalte noch überhaupt nicht absehbar und der Bevölkerung nicht detailliert vermittelt wurden". Das jedenfalls findet ein weiterer Neckarsulmer. Die Ideenwerkstatt sei eine Werkstatt für Ideen und stelle "nicht den Willen der Bevölkerung dar und kann nicht allein als das von der Bevölkerung Gewollte dargestellt werden", so das Schreiben. Es heißt darin außerdem: "Eine Ideenwerkstatt ersetzt nicht demokratische und gesetzeskonforme Prozesse."
Interessen-Gruppe nach Aquatoll-Besichtigung: Bad ist in hervorragendem Zustand
Heiko Schulz aus Obereisesheim hatte sich bereits vor der Schließung des Aquatolls mit einer Petition vergeblich für den Erhalt ausgesprochen, jetzt gehört er nach eigenen Angaben einer Gruppe an, die eine Wiederöffnung anstrebt. Die Stadtverwaltung hatte vor einem Jahr private Betreiber fürs Aquatoll gesucht. Die Interessenten, die sich am offiziellen Verfahren beteiligt hatten und Investitionen im zweistelligen Millionen-Bereich ankündigten, kamen allerdings nicht zum Zug. Der Gemeinderat blieb dabei, das Aquatoll nicht wieder zu öffnen.
Die Gruppe, zu der Heiko Schulz und weitere Aquatoll-Anhänger der ersten Stunde gehören, nahm an diesem Verfahren nicht teil, schaute sich aber damals in den Gebäuden um. Diesen Juli soll es nach Angaben von Heiko Schulz einen weiteren Besichtigungstermin im Aquatoll gegeben haben, teilgenommen habe auch ein Inhaber mehrerer Thermen. Heiko Schulz schreibt an unsere Redaktion: "Die einstimmige Meinung war etwas überspitzt ausgedrückt: Becken füllen, und das Bad öffnen." Das Aquatoll sei auch über ein Jahr nach der Schließung rein optisch "in einem guten Zustand", nicht aber bei der Technik. In einer Mail erläutert Heiko Schulz: "Dass die Technik des Bades auf dem Stand von 1990 ist wissen wir." Auch dass die Becken undicht und die Kuppelverglasung blind sei, sei genauso bekannt wie die Tatsache, dass der Feuerschutz angepasst werden müsse. Der Thermen-Experte war auf Anfrage von stimme.de nicht zu sprechen, seine Mitarbeiter verwiesen ans Rathaus.
In einer ersten Mail an unsere Redaktion war von "hervorragendem Zustand" die Rede, die Einschränkung "rein optisch" folgte erst nach Veröffentlichung eines ersten Texts auf stimme.de. Mittlerweile wollen die Verantwortlichen nur noch von einem "guten Zustand" reden.
Es gibt zudem aus Reihen von Neckarsulmern den Vorschlag eines Bäderkonzepts: Es geht darin um das Andocken eines Wärmebads und Lehrbeckens, die Saunalandschaft könnte genutzt werden samt Außenbecken - um das überfüllte Freibad in Obereisesheim zu entlasten.
Aquatoll: Mit Summen für Investitionen wird gerechnet
Der Gemeinderat Neckarsulm hat sich mehrheitlich gegen den Erhalt des Aquatolls ausgesprochen, weil die Stadtverwaltung für Investitionen in die Technik und neue Attraktionen mit Kosten von fast 38 Millionen Euro gerechnet hatte. Eine Zusammenarbeit mit einem privaten Betreiber kam fürs Gremium nicht infrage, weil die Stadt weiterhin den Betrieb bezuschussen sollte. Aus Sicht der Befürworter müsste allerdings gar nicht so tief in die Taschen gegriffen werden. Heiko Schulz: Für Sanierung und den Austausch der Technik seien weniger als 20 Millionen Euro nötig.
Unterdessen hoffen die Kommunalpolitiker, dass nach dem Votum am Donnerstag Ruhe einkehrt und die Entscheidung akzeptiert wird.
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