Erdbeeren im Supermarkt zu billig? Bauern aus Raum Heilbronn sind „Hände gebunden“
Deutsche Erdbeeren gibt es derzeit an Straßenständen, frisch von den Bauern aus der Region Heilbronn. Doch in den Supermärkten gibt es die Beeren teilweise für deutlich weniger Geld. Wie kann das sein?
Egal ob auf dem Kuchen, im Müsli oder einfach so: Erdbeeren sind eine beliebte Frucht – sogar einen eigenen Tag der Erdbeere gibt es. Und wenn die roten Beeren im Frühjahr und Sommer Saison haben, dann stehen plötzlich an den Straßen die kleinen Erdbeerhäuschen. Dort kostet eine Schale oft um die fünf Euro, das schwankt aber je nach Bauer, Sorte und Zeit.
Wer hingegen im Supermarkt auf die Preise blickt, erkennt, dass deutsche Erdbeeren dort teilweise deutlich weniger kosten. Bereits die Stuttgarter Zeitung berichtete über die großen Preisunterschiede, etwa bei der Supermarktkette Aldi.
Halb so teuer wie von den Bauern direkt: Erdbeer-Preise im Supermarkt
Auch in Heilbronn gibt es Erdbeeren im Supermarkt zu deutlich günstigeren Preisen als am Bauernstand. So wurden Erdbeeren in der Frankenbacher Lidl-Filiale am 26. Mai für 5,58 Euro das Kilogramm verkauft, das entspricht etwa 2,79 Euro pro 500-Gramm-Schale. Bei einer Aldi-Filiale in Sontheim lag der Kilo-Preis am 28. Mai bei 4,78 Euro (2,39 Euro pro 500 Gramm).
Die Angebote der Supermärkte sind in etwa halb so teuer, wie der Preis an den Ständen, der sich oftmals zwischen vier und sechs Euro befindet. Wie aber kann es zu so einem großen Preisunterschied kommen? Müssten Erdbeeren, die angekauft, transportiert und gelagert werden, nicht eigentlich teurer sein, als solche, die an den Ständen der Bauer verkauft werden?
Erdbeeren aus dem Supermarkt: Lidl und Aldi äußeren sich zu Preisen
Auf Anfrage der Heilbronner Stimme äußert sich Lidl nur sehr vage: „Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir darüber hinaus zur Preisgestaltung keine Angaben machen möchten.“ Lidl beziehe, soweit saisonal möglich, Obst und Gemüse zu rund 45 Prozent aus deutschem Anbau.

Um die Kaufkraft zu erhöhen und die Kunden dauerhaft zu entlasten, investiere das Unternehmen in Preisnachlässe. Geringere Preise kündigte Lidl zunächst – ebenso wie Konkurrent Aldi – für hunderte Artikel an. Durch langfristige und faire Vereinbarungen mit den Lieferanten, hohen Abnahmemengen und effizienteren Prozessen könne der Preis gesenkt werden.
Auch Aldi Süd möchte auf Anfrage keine Auskunft zur Preisgestaltung machen, aus Wettbewerbsgründen. Seit 2023 beziehe das Unternehmen als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler während der Saison nur deutsche Erdbeeren. „Durch die Abnahme großer Mengen zum Beispiel von Erdbeeren können diese den Kundinnen und Kunden zu attraktiven Preisen angeboten werden.“
Erdbeeren als Lockmittel? Bauer aus Weinsberg hat Vermutung zu niedrigen Preisen im Supermarkt
Andreas Frank von Früchte-Frank in Weinsberg Gellmersbach hat eine Erklärung für die kleinen Preise. „Wir sind da sowieso außen vor“, sagt der Biobauer. Der Grund dafür: Frank baut Bio-Erdbeeren an, die Preise liegen dadurch etwas über den konventionell angebauten. Er verkauft seine Erdbeeren an Bio-Märkte, dort bespricht er die Verkaufspreise.
Bei den Erdbeeren bei Aldi, Lidl und Co. verhält es sich wohl anders. Frank vermutet, dass die Supermärkte ihre Erdbeeren teilweise teurer einkaufen als sie sie verkaufen. Dadurch würden sie Kunden in ihre Märkte locken. Das Geld, das die Ketten bei den Erdbeeren drauflegen, bekämen sie dann durch ihre anderen Produkte wieder in die Kasse, kann sich der Biobauer vorstellen.
Höherer Preis für bessere Qualität? Was Erdbeeren direkt vom Bauern auszeichnet
Bei den Verkaufspreisen der Supermärkte, „da sind und die Hände gebunden“, sagt Frank. Die Bauern hätten nicht das Recht, diese Preise vorzuschreiben. Der höhere Preis an den Ständen habe aber auch etwas mit Qualität zu tun, erklärt der Biobauer. Vor seinem Bio-Anbau hatte Frank selbst auch konventionell angebaute Erdbeeren. Er weiß, dass die Beeren bis zum Supermarkt lang unterwegs sind. Der Weg zu den Bauernständen ist deutlich kürzer.
„Im Moment geht es noch“, sagt Manuela Wagner. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie den Spanferkel- und Obsthof Wagner in Heilbronn-Böckingen. Wie es in ein, zwei Wochen aussehe, sollten die Supermarktpreise so niedrig bleiben, das wisse sie nicht. Der Preis für die Erdbeeren sei auf dem Hof Wagner mittlerweile angepasst worden: Statt fünf Euro pro 500 Gramm-Schale kostet es jetzt vier Euro.
Mindestlohn und Arbeitskräfte: Diese Faktoren wirken sich auf Erdbeerpreise aus
Wie so niedrige Supermarkt-Preise entstehen können? Mit dem Großhandel haben sie aufgehört, erklärt Wagner. Aber sie habe mal gehört, dass die Preise vielleicht schon im Vorfeld ausgehandelt werden und die Bauern dann daran gebunden sind. „Ich weiß aber nicht ob das wahr ist.“
In der Landwirtschaft seine die Preise allgemein ein schwieriges Thema, nicht nur bei Erdbeeren. Nicht nur die Supermarkt-Preise machen es schwer, auch der Mindestlohn und dass Leute gefunden werden müssen, die die Arbeit erledigen.
Erzeuger unter Druck: Niedrige Erdbeer-Preise wirken sich auf Bauern im Raum Heilbronn aus
„Bei uns ist tatsächlich auch die Erwartung vom Verbraucher, die Beeren günstiger zu verkaufen“, erklärt Georg Grötzinger vom gleichnamigen Spargel- und Beerenhof in Brackenheim-Dürrenzimmern. Die niedrigen Preise im Supermarkt setzte die Erzeuger unter Druck. Dennoch ist der Betriebsleiter beruhigt: Der Hof habe genug Kunden, die gerne kämen, da die Waren frisch und schmackhaft seien.

Eine Schale gibt es auf dem Hof für vier bis fünf Euro, der Preis hänge auch von der Ernte ab. Gerade sei diese durch die kühlen Nächte aber stetig, so bleibe auch der Preis stabil. Jeden Tag wird frisch geerntet, die Beeren an den Ständen und am Hof sind also schön reif, erklärt Grötzinger.
Wie die Preise im Supermarkt so niedrig gehalten werden können? Da vermutet der Betriebsleiter, dass das mit der aktuellen Freilandernte unter anderem im Norden Deutschlands zusammenhängen könne. Aber auch „Marktstrategie“ könne dahinter liegen: „Erdbeeren sind ein Zugpunkt für Discounter.“
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