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„Dogsharing“

Hundesitter per App: So verbindet „Hundelieb“ Halter und Tierfreunde in Heilbronn

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Mit der App „Hundelieb“ können Hundehalter Menschen finden, die auf ihren Hund aufpassen. In der Region Heilbronn gibt es viele Nutzer. Wie die App und das Prinzip „Dogsharing“ funktionieren.

Von Emmi Lauber

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„Wenn Leckerlis im Spiel sind, würde er uns verkaufen“, sagt Mira Kreibich und gibt Bruno noch ein Leckerli. Bruno ist der zehn Jahre alte Mischling der 45-Jährigen aus Offenau. Gemeinsam mit ihm und Tanja Remmler aus Gundelsheim geht Mira heute Gassi. Mit von der Partie ist auch Ellie, der Hund der 25-jährigen Gundelsheimerin.

App für Hundeliebhaber: So können Besitzer Hundesitter finden

Kennengelernt haben sich die Frauen über „Hundelieb“. Die App gehört zur gleichnamigen „ersten und größten ,Dogsharing’-Plattform“ im deutschsprachigen Raum. Die Plattform „Hundelieb“ gibt es bereits seit 2015; seit fünf Jahren nun auch die passende App dazu. Dort können Nutzer Hundehalter und „Hundefreunde“ in ihrer Nähe finden. Dafür gibt es ein Karten-Feature. Als Hundefreunde bezeichnet Hundelieb die potenziellen Hundesitter, die auf der Plattform nach einem passenden Hund zum Gassigehen suchen

Die App basiert auf dem Konzept „Dogsharing“, bei dem – wie der Name sagt – Menschen sich ihre Hunde teilen. Manchmal bedeutet das, dass ein Hundefreund nur mit dem fremden Hund Gassi geht; manchmal verbringen solche Hunde mehrere Tage in unterschiedlichen Haushalten.

„Dogsharing“ als „Win-Win-Win-Situation“: Wie von der App „Hundelieb“ alle profitieren

„Hundelieb“ hat sich zum Ziel gesetzt,Hundehalter und Hundeliebhaber zusammenzubringen, ohne dass das Hundesitting bezahlt werden muss. Stattdessen basiert die App auf gegenseitigem Geben und Nehmen – eine „Win-Win-Win-Situation“, wie die Plattform das nennt. 

Für Mira Kreibich, Tanja Remmler und auch Bruno scheint das funktioniert zu haben. Die 45-Jährige erzählt, sie habe jemanden gesucht, der sich ab und zu um Bruno kümmert – als Erleichterung im Alltag, um Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und auch in der Urlaubszeit. 

Mit Tanja Remmler hatte sie einen „echten Glücksgriff“. Die Studentin geht einmal die Woche mit Bruno Gassi. Sie wollte sich ursprünglich ehrenamtlich im Tierheim engagieren. Da sie zu Hause im Fernstudium lernt, habe sie einen Ausgleich mit frischer Luft und Bewegung gesucht. So sei sie schließlich auf die App aufmerksam geworden. „Hunde sind nun mal mein Steckenpferd“, sagt sie. 

Hund lernen soziale Fähigkeiten durch „Dogsharing“ – das sind die Vorteile

Bruno scheint das „Dogsharing“ gut zu gefallen. Mit Tanja Remmler habe er sich schnell angefreundet und mit ihr sei er nun sehr vertraut, berichtet seine Besitzerin. Egal von wem der beiden die Kommandos kommen, er höre auf sie beide. Wenn Remmler Bruno abhole, gehe er bereitwillig mit ihr mit. 

Tanja Remmler bringt ab und zu auch ihren Familienhund Ellie mit auf einen Spaziergang mit Bruno. Seitdem sei Ellie deutlich sozialer. Die 25-Jährige sagt: „Sie ist viel mehr aufgeblüht. Sie kann jetzt auch ohne Leine wieder laufen, ohne Probleme.“ Dass Hunde durch ein „Dogsharing“ ihr Sozialverhalten verbessern können, wird auch von „Hundelieb“ selbst angepriesen.

Dogsharing im Landkreis Heilbronn: Gibt es passende Betreuer?

Im Landkreis Heilbronn haben mehrere Nutzerinnen schon passende Hundefreunde gefunden, wie sie im Gespräch mit der Heilbronner Stimme berichten. Ann-Kathrin Fischers passendes Match ist schon zwei Jahre her. Fischers Hund Lotte geht seitdem immer mal wieder mit ihrer Hundefreundin Gassi – und habe in ihr eine beste Freundin gefunden. Die 39-jährige Schulsozialarbeiterin aus Bad Rappenau berichtet, sie kenne viele Menschen, die in ihrem Wohnort auf „Hundelieb“ zu finden seien. 

Die 36-jährige Maria Hirsch aus Heilbronn berichtet ebenfalls, dass sie sich schon mit einigen in der Umgebung zum Kennenlernen verabredet hat. Doch das „Dogsharing“ sei nicht einfach, „weder emotional noch organisatorisch“. Es gäbe viele Interessenten, die sie auf „Hundelieb“ kontaktieren, aber es braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen. „Schließlich möchte ich sicher sein, dass es meinem Hund gut geht.“

Auch Mira Kreibich hat die Erfahrung gemacht, dass es nicht ganz so einfach ist, das perfekte Match zu finden. Wenn Kreibich Interessenten zurückschreibe, bekomme sie häufig keine Antwort. Denn ein Haken hat die App: Um in Kontakt zu treten, muss Geld bezahlt werden.

Tierliebhaber per App finden: Premium-Account auf „Hundelieb“ nötig

Wer einen potenziellen Hundehalter oder -freund kontaktieren möchte, muss zuerst einen Monatsbeitrag bezahlen. Ein Premium-Account kostet mehr als 16 Euro im Monat; im Jahresabo sind es etwas mehr als fünf Euro monatlich. Wer diesen Preis nicht bezahlen möchte, ist auf Anfragen von bezahlenden Premium-Mitgliedern angewiesen. Sobald diese die erste Nachricht gesendet haben, können auch nicht bezahlende Nutzer mit ihnen chatten. 

Mira Kreibich berichtet, ihr sei es die Bezahlung wert, wenn sie aktiv einen Betreuer für Bruno suche. Ann-Kathrin Fischer bedauert, dass „Hundelieb“ nicht mehr kostenlos ist, auch wenn die Plattform sich für sie gelohnt habe. Da sie aktuell nicht auf der Suche nach einem Hundefreund sei, bezahlt Maria Hirsch den Monatsbeitrag derzeit nicht.

Tierschützerin erklärt: So kann „Dogsharing“ funktionieren

Interessierte sollten sich immer gut überlegen, ob das Mensch-Hunde-Team gut zusammenpasst, meint Anja Fischer, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Heilbronn und Umgebung. Sie habe sehr hohe Anforderungen an das „Dogsharing“, damit es dem Hund währenddessen gut geht, erklärt Fischer gegenüber der Heilbronner Stimme.

Eine allgemeine Lösung sei das „Dogsharing“ nicht, so Anja Fischer. Ob „Dogsharing“ funktionieren kann, entscheidet oft der Charakter des Hundes. Manche Tiere könnten sich an wechselnde Situationen anpassen, vor allem wenn sie früh daran gewöhnt wurden. Doch viele reagierten sehr sensibel. Außerdem sollten die Besitzer die Gründe beim „Dogsharing“ hinterfragen, „ob die Bedürfnisse des Hundes wirklich im Vordergrund stehen oder eher die Flexibilitätswünsche der Menschen“, so Fischer.

Hundesitter per App finden – wie „Dogsharing“ und Tierwohl zusammenpassen

Wer einen Hund gemeinsam betreut, sollte genaue Absprachen zur Erziehung und Versorgung des Hundes treffen. Der Hund sollte sich an eine möglichst feste Routine gewöhnen können – am besten mit so wenigen Wechseln wie möglich. Gerade am Anfang könne es sein, dass dem Hund eine klare Bezugsperson fehle. Unerwünschtes Verhalten oder erste Anzeichen von Krankheiten könnten schlechter erkannt werden, wenn der Hund nicht immer von derselben Person betreut wird, erklärt Fischer. 

Match beim Hundesitting: Auch Herrchen knüpfen über App „Hundelieb“ Freundschaften

„Hundelieb“ scheint nicht nur für Hunde eine Chance zu sein, soziale Kontakte zu knüpfen – auch die Halter und Spaziergänger finden so neue Freunde. Mira Kreibich erzählt, Tanja Remmler sei mittlerweile auch in ihrer Familie willkommen. Sie berichtet, dass ihre Mutter, bei der Bruno wohnt, die 25-Jährige oft nach einem Spaziergang zu einem Tee oder zum Abendessen einlädt. Für die 80-Jährige sei es schön, mehr Zeit mit anderen Menschen zu verbringen. Tanja Remmler sagt, sie nimmt sich gerne Zeit für dieses Ritual, einmal die Woche. „Das ist echt wichtig für mich geworden.“

Tanja Remmler erzählt, sie weiß noch nicht, wie sie das „Dogsharing“ mit ihrem Beruf zukünftig vereinbaren kann. Sie würde gerne weiter mit Bruno Gassi gehen. „Ich kann mir nicht vorstellen, das aufzugeben“, sagt die 25-Jährige – und meint auch den Besuch bei der Familie.

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