Junge Norddeutsche Philharmonie erhält Würth-Preis der Jeunesses Musicales Deutschland

Künzelsau  Das Ensemble werde für seine "unkonventionellen Impulse zu einer Zukunftsmusik von heute" ausgezeichnet, hieß es zur Begründung der Jeunesses Musicales Deutschland. Vor zehn Jahren wurde das norddeutsche Kulturprojekt von drei 19-Jährigen begonnen.

Von Leonore Welzin
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Kathrin Eberitzsch (Violine) und Rebekka Irion (Bratsche) mit der "Passacaglia" (Johan Halvorsen) bekamen den meisten Beifall. Foto: Leonore Welzin

"Moin!" sagt man in Norddeutschland zur Begrüßung, egal zu welcher Tageszeit. Offenbar wünscht man sich den Tagesanbruch zu jeder Tages- und Nachtzeit herbei. Das Gezwitscher früher Vögel hören, frische Morgenluft schnuppern und gut ausgeschlafen in die aufgehende Sonne blinzeln - kurz: optimistisch einen neuen Tag erwarten, das steckt im Ausruf "Moin!".

Auf ihrer Homepage begrüßt die Junge Norddeutsche Philharmonie (JNP) in frischer Tonart mit ebendiesem "Moin!". Ein genialer Schachzug, der hinter nördlich karger Schale einen originellen Kern erwarten lässt, Eigenschaften, die von den Rednern (einige beginnen ihre Rede ebenfalls mit "Moin!") bei der Verleihung des 30. Würth-Preises der Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) im Carmen-Würth-Forum lobend hervorgehoben werden.

Vor zehn Jahren wurde das Kulturprojekt von drei 19-Jährigen begonnen

Das Ensemble werde für seine "unkonventionellen Impulse zu einer Zukunftsmusik von heute" ausgezeichnet, hieß es zur Begründung der JMD. Hören wir den Laudator Markus Fein (Intendant der Alten Oper Frankfurt), der die JNP 2013 in seiner Funktion als Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern kennengelernt hat, kommen wir ins Staunen ob des sich überschlagenden Lobes: Was von drei 19-Jährigen studentisch, selbstorganisiert, ohne Businessplan aber mit einer gehörigen Portion Spaß und Visionen vor zehn Jahren begonnen wurde, habe sich bundesweit zu einem aufsehenerregenden Kulturprojekt entwickelt und als eine "Wundertüte voll Inspiration" erwiesen, die der "Vergangenheit die Neugier der Zukunft einpflanzt", also die "volle Dröhnung Gegenwart" garantiere. Ihr "eigentlicher Sound ist das Knistern".

Den Elogen stellt der Stifter des mit 15.000 Euro dotierten Preises, Reinhold Würth, seine bewährt nüchterne Unternehmer-Sicht gegenüber. Er sorge nur für das Geld - von den Ausgezeichneten durch ihren Geschäftsführer Konstantin Udert als dankenswerter Rückenwind für freie Künstler in schweren Zeiten bezeichnet -, die künstlerische Entscheidung liege bei der JMD. Die 30-jährige Bilanz ist ein Who is Who an hochkarätigen Solisten, Chören, Musikensembles und Orchestern.

Junge Norddeutsche Philharmonie erhält Würth-Preis der Jeunesses Musicales Deutschland

Strahlende Gesichter bei der Verleihung des 30. Würth-Preises der Jeunesses Musicales Deutschland an die Junge Norddeutsche Philharmonie im Carmen-Würth-Forum. Foto: Leonore Welzin

Die Musiker gaben eine Kostprobe ihres Könnens

Reinhold Würth geht ausführlich auf die Pandemie ein, die wie Mehltau über der Gesellschaft liege. Er hofft, dass in "sechs bis acht Monaten eine Vakzine gefunden" werde. In Sachen Musik bekennt er: "Ich bin ein 85-jähriger Greis, der sich unsterblich in Klassik und Romantik verliebt hat." Mit der Atonalität habe er sich nicht anfreunden können, für ihn sei das "gut organisierter Lärm".

Dem hygienisch korrekt platzierten und über die Dauer der Veranstaltung mund- und naseverpackten Publikum präsentiert die JNP eine Kostprobe aus (fast) jeder Instrumentengruppe. Leider fiel die Oboe als Vertreterin der Holzbläser aus. "Slipstream" ein gelooptes Werk (Florian M. Maier) für Solo-Posaune (Christian Traute) eröffnete den Abend, das letzte Wort hatte das Schlagzeug (Johannes Simmat) mit dem Solo "Wicca" (Casey Cangelosi). Mit zwei Kanälen und vier Lautsprechern scheiterte das elektronische Experiment "Pianissimo" (Paulina Sophie Kiss) unter anderem an fehlenden Bässen. Den meisten Beifall gab es für die "Passacaglia" (Johan Halvorsen), mit Elan vorgetragen von den Streicherinnen Kathrin Eberitzsch (Violine) und Rebekka Irion (Bratsche).

Förderung

Die Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) ist Partner des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie der Jugendwerke und Koordinationsbüros (Tandem, ConAct, SDRJA). Sie kann als Zentralstelle direkt Förderverfahren abwickeln. Allgemeine Antragsfrist ist der 31. Oktober für Projekte im Folgejahr. Es ist jedoch möglich, sich ganzjährig nach Fördermöglichkeiten zu erkundigen, da kurzfristig Mittel frei werden können.


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