Schlösschen am Trappensee wird zum Literaturhaus

Heilbronn  Aus dem Trappenseeschlösschen wird ein Literaturhaus - und der Ort, an den das Kleist-Archiv Sembdner umzieht. Diesen Planungen muss der Gemeinderat noch zustimmen. Die Stadt setzt dabei auch auf die Bürgerschaft.

Von Claudia Ihlefeld
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Literatur, stadtgeschichtliche Ausstellungen und Trauungen für Romantiker: Das denkmalgeschützte Trappenseeschlösschen soll ab November 2019 wieder der Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Foto: Dennis Mugler

Jetzt ist es amtlich. Das "letzte offene Wahlkampfversprechen" von Harry Mergel wird umgesetzt. Unter dem Vorbehalt, so Heilbronns Oberbürgermeister, dass der Gemeinderat nächsten Dienstag zustimmt, dass das Trappenseeschlösschen Literaturhaus wird.

Im November 2019 soll das Kleinod am Trappensee eröffnet werden: ein Ort für Literatur und stadtgeschichtliche Ausstellungen wie etwa die Präsentation von Lithografien und Postkarten der Brüder Louis und Fritz Wolff.

Zudem soll das Haus standesamtlichen Trauungen zur Verfügung stehen. Von einem "Dreispartenhaus" spricht Mergel. Das detaillierte Betreiberkonzept wird erst nach der Sommerpause 2019 dem Gemeinderat vorgestellt.

Schlösschen ist für die Bevölkerung zugänglich

Zuerst wird das Schlösschen renoviert und umgebaut: Innen- und Außensanierung, Brandschutz, Barrierefreiheit und Ausstattung kosten 770.000 Euro. Aus dem städtischen Haushalt fließen 350.000 Euro. Der Rest ist finanziert durch Spenden aus der Bürgerschaft, Namen nennt der OB keine.

Die wichtigste Meldung für Harry Mergel ist: "Dass das Trappenseeschlösschen, dieser Schatz, für die Bevölkerung zugänglich wird mit kulturellen Attraktionen." Seit der letzte Pächter, das Auktionshaus Fischer, am 1. August 2017 ausgezogen ist, steht das Barockschlösschen leer. Anfragen von Agenturen, Kanzleien und Architekten gab es zuhauf.

Mit dem Kleist-Archiv Sembdner der Stadt (KLAS), das mit dem Ausscheiden seines ehemaligen Direktors Günther Emig seit September geschlossen ist, soll dann vom jetzigen Standort im K3 ein Archiv mit über 40.000 Bestandseinheiten an den Trappensee ziehen: Mit dem Erwerb der Sammlung des Stuttgarter Kleist-Forschers Helmut Sembdner für 50.000 Mark hat Heilbronn 1990 den Grundstein gelegt für ein Archiv, das inzwischen eine breite Dokumentation zur Wirkungsgeschichte Heinrich von Kleists umfasst.

Archiv ist bisher eher etwas für Experten

Schließlich hat der Dichter 1808 mit dem romantischen Schauspiel "Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe", so der ganze Titel, ein rätselhaft-poetisches Drama geschrieben, das den Namen der Stadt im Titel führt. Ein Marketing-Glücksfall. Doch ist das Archiv bisher eine Einrichtung, die höchstens Experten mit Interesse an Sekundärliteratur über Kleist interessiert.

Nun wird das Profil des KLAS unter neuem Dach neu ausgerichtet. Der Schriftzug Heilbronner Literaturhaus soll über dem Portal an der Außenfassade prangen, das Schmuckstück Anlaufstelle und außerschulischer Lernort werden zur Literaturvermittlung über Kleist hinaus.

Die Leitung von Literaturhaus und Kleist-Archiv wird dann in einer Hand liegen. Die stadtinterne Stellenausschreibung lässt vermuten, dass der promovierte Literaturwissenschaftler Anton Knittel das Rennen macht. Der 57-jährige Pressesprecher der Stadt Heilbronn hatte von 1998 bis 2000 das Kleist-Archiv geleitet, bis Emig von seiner damaligen Stelle als Stadtbüchereidirektor ins KLAS weggelobt wurde. Am 10. Dezember trifft der Verwaltungsausschuss die Entscheidung.

Stadt setzt auf das Engagement der Heilbronner

Was sich die Stadt die Schärfung ihres geisteswissenschaftlichen Profils kosten lässt? Dem Leiter steht eine halbe Sekretariatsstelle zur Verfügung − und er muss sich um Drittmittel kümmern. Der laufende Betrieb wird aus dem Kulturhaushalt finanziert. Eine Etaterhöhung ist nicht geplant. "Wir brauchen einen starken Freundeskreis", setzt Harry Mergel auf ehrenamtliches Engagement der Heilbronner für ihr "Haus des Bürgerstolzes".


Eine kleine Geschichte des Schlösschens

Noch heute präsentiert sich das Trappenseeschlösschen in seiner Ansicht von 1784 dreigeschossig auf nahezu quadratischem Grundriss als barockes Bauwerk. 1575/76 ließ der Heilbronner Kaufmann und Bürgermeister Philipp Orth das Schloss als Renaissance-Neubau errichten, wozu ihn eine Italienreise inspirierte. 1653 erwarb die Kaufmannsfamilie Trapp das Seegut, 1879 kam es in den Besitz der Brauerei Cluss. 1977 erwarb die Stadt Heilbronn das denkmalgeschützte Gebäude.

 


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