Schulkrise im Regierungsbezirk Stuttgart: Auf viele freie Stellen keine Bewerber
Katastrophal: So bewerten Insider einen wichtigen Zwischenschritt bei der Lehrergewinnung. Auf viele Stellen im Regierungsbezirk Stuttgart gibt es keine Bewerber.

Die Situation ist dramatisch. "Das ist eine Katastrophe", sagt ein Insider zu jüngsten Zahlen, die der Heilbronner Stimme vorliegen. Über ein sogenanntes Listenverfahren wurden zuletzt fürs kommende Schuljahr freie Stellen an Schulen besetzt. Uns liegen Zahlen für fast alle Schularten vor, die Gymnasien fehlen.
Den Informationen nach standen im Bereich der Grundschule 160 Stellen auf der Liste, 95 konnten nicht besetzt werden. Bei Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen wurden etwas über 240 von 290 Stellen nicht besetzt. Sehr angespannt bleibt die Lage im Bereich der Sonderpädagogik. Im Regierungsbezirk Stuttgart sollten 125 Stellen besetzt werden, nur bei fünf gelang es. Wie die Lage im Raum Heilbronn genau ist, hat die Heilbronner Stimme hier zusammengefasst.
Lehrermangel im Raum Heilbronn: Warum in Schulen das Personal fehlt
"Das ist verheerend", sagt Jana Kohlberg von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es spiegele aber genau das wider, was die GEW vorhergesagt habe, so die GEW-Kreisvorsitzende Main-Tauber/Hohenlohe. "Wir müssen nun mit der Situation umgehen." Ihrer Ansicht nach ist es nun umso wichtiger, Quereinsteiger, die Nicht-Erfüller genannt werden, zu qualifizieren. Viele seien aber schon jetzt überfordert, sagt sie.
Ihrer Ansicht nach braucht das System Schule ausgebildete Lehrer, "aber so schnell bekommen wir die nicht". Das Land tue jetzt schon vieles, um zusätzliche Lehrer ins System zu bringen. Jana Kohlberg weiß, dass Kolleginnen und Kollegen in Teilzeit gebeten wurden aufzustocken. Zudem wurde gefragt, ob Lehrer ihren Ruhestand verschieben wollen oder aus der Pension zurückkommen.
Im Regierungsbezirk Stuttgart fehlen Lehrer: In diesen Regionen ist die Situation besser
Unseren Informationen nach betrifft dies nur den Regierungsbezirk Stuttgart, in dem es die meisten Schulen gebe. In den übrigen Regionen im Land können offene Stellen weitestgehend besetzt werden. Grund: Die Rheinschiene mit Freiburg und Heidelberg sei ohnehin schon immer beliebt, so Jana Kolberg.
Ein Insider, der sich mit der Lehrerversorgung auskennt, betont zudem gegenüber stimme.de: Schulämter im Bezirk Stuttgart seien für Lehrer unattraktiv. Stuttgart sei für junge Lehrer zu teuer, Heilbronn stehe nicht oben auf der Liste. Jana Kolberg betont: Man müsse darüber nachdenken, Anreize zu schaffen, damit Lehrer auch in diese Regionen kommen.
Lehrermangel an Schulen: Das sagt das Regierungspräsidium dazu
Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) dementiert die Zahlen nicht, geht allerdings auf Anfrage auch nicht näher auf sie ein. "Seit November 2023 gab es vielfältige Ausschreibungen für schulbezogene Stellen", so RP-Sprecherin Stefanie Paprotka auf Anfrage. "Trotzdem werden zahlreiche Schulen zum neuen Schuljahr 2024/25 über alle Schularten hinweg nicht zu 100 Prozent versorgt sein." Betroffen seien derzeit alle Fächer, auch im allgemeinbildenden Bereich.
Das RP stellt seit einigen Jahren fest, dass bundesweit Lehrer und Bewerber fehlen. "Es gibt von Seiten des Landes zahlreiche Ansätze zur Lehrergewinnung, zum Beispiel die Möglichkeit eines Direkteinstiegs im beruflichen Bereich, aber auch in der Primarstufe, der Sekundarstufe I und an den allgemeinbildenden Gymnasien." Zur Situation in den Schulämtern Heilbronn und Künzelsau könne das RP noch keine Aussage treffen.



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