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Markt für Elektroautos steht vor Umwälzungen

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Preissenkungen beim Marktführer Tesla gibt es nun auch in Deutschland. Neue Marken drängen nach Europa, während sich deutsche Hersteller zunehmend schwer tun.

Der Absatz von elektrisch angetrieben Pkw in Deutschland ist gewachsen, um rund ein Drittel im vergangenen Jahr. Nun bremst die reduzierte Förderung die Erwartungen. Weltweit, so schätzt das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, wurden vergangenes Jahr rund sieben Millionen batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) abgesetzt, eine Steigerung von 63 Prozent. In diesem Tempo werde es aber auch hier nicht weitergehen, heißt es beim CAM.

In Köln wechselt das Logo am Showroom

Zehn Millionen BEVs könnten in diesem Jahr abgesetzt werden, erwartet das Institut. Das würde nur noch einen Zuwachs von 43 Prozent bedeuten. Zugleich positionieren sich neue Anbieter auf dem Markt, sie drängen auch nach Deutschland.

In Köln wird die Entwicklung greifbar. In teurer Innenstadtlage hatte Tesla in einem schicken "Store" um kaufkräftige Kundschaft geworben. Zum Jahresende 2022 ist dort der chinesische Konkurrent BYD eingezogen und möchte in dem neuen Showroom wohl zeigen, dass er es ernst meint mit seinem Engagement hierzulande.

Er ist nicht der einzige neue Anbieter von E-Autos in Deutschland. Aiways hat sich bereits 2020 mit einem Elektro-SUV vorgetastet. In diesem Jahr soll zusätzlich ein Coupé angeboten werden. Und es kommt noch mehr aus China. Nio will mit drei Modellen antreten. Dazu gesellen sich Marken wie Cat und Wey.

Neue Elektrofahrzeuge vom Typ Model Y auf einem Parkplatz vor dem Werk des US-Elektroautobauers Tesla.
Neue Elektrofahrzeuge vom Typ Model Y auf einem Parkplatz vor dem Werk des US-Elektroautobauers Tesla.  Foto: Patrick Pleul/dpa

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Deutsche Hersteller tun sich in China schwer

Während sich also die deutschen Autohersteller in Europa einer wachsenden Konkurrenz erwehren müssen, tun sie sich in China bereits überraschend schwer. Auf dem größten und wichtigsten Automobilmarkt der Welt haben sie bei der E-Mobilität gegenüber den einheimischen Marken das Nachsehen.

Das liegt zum einen an den besonderen Ansprüchen des chinesischen Publikums, was Ausstattung, Vernetzung und Optik anbelangt. Zum anderen aber auch am Preis. Der Kostenvorteil, den chinesische Hersteller durch günstigere Entwicklung und teils eigene Batterieproduktion haben, lässt sich kaum wettmachen.

Davon ist auch Tesla betroffen. Die Amerikaner haben zuletzt reagiert und die Preise drastisch gesenkt - zuerst in China, Ende vergangener Woche auch auf dem Heimatmarkt USA und in Europa. Ein Model Y in der Basisversion kostet in Deutschland nun 45.000 Euro, eine Reduzierung um 9000 Euro. Freiwillig geht der Autobauer solche Schritte nicht, denn Kunden, die kürzlich erst einen Kaufvertrag unterschrieben haben, reagieren sensibel. In China war es deshalb zuletzt zu Protesten gekommen.


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Aktien stürzen ab

Zugleich setzt Tesla damit die deutschen Hersteller unter Druck. Die VW-Aktie stürzte nach der Bekanntgabe um mehr als vier Prozent ab. Für die Papiere von BMW und Mercedes ging es ebenfalls nach unten. "VW, BMW und Mercedes-Benz müssen ihre Anstrengungen weiter intensivieren, um ihre globalen Marktanteile im Elektrozeitalter nicht zu verlieren", sagt der CAM-Direktor und Studienleiter Stefan Bratzel.

Die deutschen Hersteller müssten ihre Innovationskraft rund um das Ökosystem der Elektromobilität weiter stärken, um ihre höheren Preise zu rechtfertigen. Für Kunden in Deutschland bedeutet das alles zusätzlichen Wettbewerb, der die reduzierten Förderprämien wettmachen könnte. Doch bekannte Maßstäbe für Leistung und Preis gelten nicht mehr.

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