Spitzenreiter Tesla spürt den Atem der Verfolger
Weltweit wurden 2022 sieben Millionen E-Autos verkauft, knapp drei Millionen mehr als im Jahr zuvor. Wie der Markt sich verändert.
Beim Blick auf die Zuwachszahlen im vergangenen Jahr müsste Tesla zufrieden sein. Ein Plus von 40 Prozent beim Absatz kann sich sehen lassen. Doch die Dynamik hat abgenommen. Eine Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach zeigt: Das Unternehmen hat den Spitzenplatz unter den Elektroautobauern wohl nicht dauerhaft abonniert.
BYD bläst zum Angriff, Tesla senkt die Preise
Der unglücklichen Übernahme von Twitter durch Tesla-Chef Elon Musk hätte es gar nicht bedurft, um die Nervosität im Unternehmen und bei den Aktionären wachsen zu lassen. In China zeigen mehrere junge Unternehmen eine ähnlich wachstumsstarke Entwicklung wie Tesla bis 2021 mit sprunghaft steigenden Absatzzahlen.
Besonders stark ist BYD. Die Chinesen sind jetzt nicht mehr nur der zweitgrößte Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien für die E-Fahrzeuge, sie haben auch ihren E-Auto-Absatz fast verdreifacht und sich damit auf Platz zwei geschoben. Der Spitzenplatz der E-Auto-Produzenten ist nun zum Greifen nah.
Tesla-Jägern aus Deutschland fehlt das Volumen
Tesla reagierte und senkte zum Jahresende zweimal die Preise in China, was die Tesla-Besitzer in China auf die Barrikaden brachte und den Aktienkurs weiter in den Keller jagte. Er liegt inzwischen bei weniger als einem Drittel seines Höchststandes im Frühjahr 2022. Es wird immer deutlicher, dass auch für Tesla die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
Eigentlich könnte das eine gute Nachricht für die deutschen Hersteller sein, die Tesla doch jagen wollten, wie es so häufig formuliert wurde. Nun müssen sie aufpassen, dass sie nicht selbst überrollt werden. Der Absatz an E-Autos wächst bei den deutschen Premiumherstellern zwar noch deutlich, aber auf sehr niedrigem Niveau.
Audi, Mercedes und BMW
Der Absatz vollelektrischer Autos stieg bei Audi im vergangenen Jahr um fast die Hälfte auf gut 118 000. Ab 2026 will das Unternehmen nur noch vollelektrische Modelle neu auf den Weltmarkt bringen. Dazu zählt auch der Nachfolger des Flaggschiffs A8. Die Elektrovariante des Luxusmodells könnte ab 2027/2028 in Neckarsulm produziert werden.
Gemessen am Volumen ist Mercedes derzeit etwa so unterwegs wie Audi. Bei den E-Autos konnte der Stuttgarter Autobauer seine Verkäufe im vergangenen Jahr mehr als verdoppeln. Die Auslieferungen der batterieelektrischen Fahrzeuge - ohne Smart - legten von 52 500 auf rund 118 000 zu. Unter den deutschen Nobelmarken haben die Schwaben mittlerweile das breiteste Angebot: Die Palette der E-Autos reicht derzeit vom kompakten SUV EQA bis hin zum luxuriösen Flaggschiff EQS.
Außerordentlich gut läuft es beim Konkurrenten BMW. Dort soll der Anteil der Stromer am Gesamtabsatz 2023 auf 15 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr lag er mit 215 755 Fahrzeugen bei neun Prozent. Dies war mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2021.
In China sieht es für sie momentan aber schlecht aus. Inklusive Verbrenner-Antriebe verlieren die deutschen Hersteller Marktanteile: VW minus 3,6 Prozent, BMW minus 6,4 und Mercedes minus 0,9 Prozent, wie das CAM ausführt.
VW und Audi
Der VW-Konzern hat im vergangenen Jahr weltweit 572.100 rein elektrischer Fahrzeuge verkauft. Das ist ein Plus von 26 Prozent im Vergleich zu 2021. Der Anteil der E-Autos am Gesamtabsatz erreichte 6,9 Prozent.
Die Konzernmarke Audi steuerte rund 118.000 Stromer zum Konzernergebnis bei. Neben den SUVs Q4
E-Tron und dem größeren E-Tron gehörte dazu auch der E-Tron GT. Er wird in der Verantwortung des Tochterunternehmens Audi Sport GmbH am Standort Böllinger Höfe in Heilbronn produziert. Das nächste neue E-Modell lässt noch bis 2024 auf sich warten. Dann startet der Geländewagen Q6
E-Tron, der sich die Plattform mit dem elektrifizierten Porsche Macan teilt. Ein halbes Jahr später folgt der A6 E-Tron. Dessen zweite Generation wird ab 2030/2031 in Neckarsulm gefertigt. Ab 2026 will Audi nur noch neue Modelle mit E-Antrieb auf den Markt bringern. Bestehende Modellreihen laufen bis 2033 weiter.
Ladeinfrastruktur
Ein Dorn im Auge ist allen Herstellern der schleppende Ausbau der Ladeinfrastruktur. Vor etwas mehr als einer Woche kündigte Mercedes nun ein eigenes Netz mit weltweit 10 000 Ladepunkten bis Ende dieses Jahrzehnts an. Einen einstelligen Milliardenbetrag wollen die Stuttgarter investieren. "Wir wollen nicht zusehen und abwarten, bis es gebaut ist. Daher errichten wir selbst ein globales Schnellladenetzwerk", sagt Mercedes-Chef Ola Källenius. Man habe zunächst gedacht, dass andere Player wie Energieunternehmen den Bedarf decken würden, betont Technik-Vorstand Markus Schäfer. "Aber das ist nicht passiert."
Wie viele Ladepunkte konkret in Deutschland entstehen, teilte Mercedes noch nicht mit.
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