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Viston und Uniexpress: Der merkwürdige Trick mit geklauten Unterschriften

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Die gefälschte Ergo-Police war für den türkisch-britischen Finanzdienstleister Uniexpress wohl keine einmalige Sache. Anleger finden weitere Bank- und Versicherungsdokumente, die auf dreiste Art gefälscht wurden.

Auch an der Wallstreet in New York wird die Petroteq-Aktie gehandelt. Inzwischen ist sie 1,6 Cent wert.
Auch an der Wallstreet in New York wird die Petroteq-Aktie gehandelt. Inzwischen ist sie 1,6 Cent wert.  Foto: epa Justin Lane/EPA/dpa

Zahlreiche Petroteq-Aktionäre verstanden nur nach und nach, was die Vorgänge um das verkündete und dann zurückgezogene Übernahmeangebot durch die Viston United Swiss AG wirklich bedeuteten. Einige von ihnen hatten das Geschäft ihres Lebens machen wollen, investierten ihre Ersparnisse und manchmal auch die ihrer Ehepartner und Kinder. Manche zeigen sich bis heute überzeugt, dass alles noch gut ausgehen kann. So ist es nachzulesen in den einschlägigen Internetforen wie Stocktwits, Reddit, Wallstreet Online oder Ceo.ca.

 


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Warnende Stimmen wurden zum Schweigen gebracht

Andere waren seit Monaten vorsichtiger. Bereits seit dem Frühsommer hatten einzelne Anleger Nachforschungen angestellt und Bedenken geäußert. Spätestens als im Juni die dubios erscheinende Ergo-Versicherungspolice auftauchte, mit der die Viston AG ihr Angebot doch eigentlich als seriös darstellen wollte, gab es regelmäßig Warnungen.

Dafür wurden sie in Diskussionsforen wie Reddit und Stocktwits von den "Bullen" - so nennen sich die notorisch optimistischen Anleger - nicht nur gescholten, sondern teilweise komplett gesperrt. Die "Bären", die fallende Kurse für wahrscheinlich hielten, tauschten sich über ihre Erkenntnisse zunehmend nur noch in nichtöffentlichen Chaträumen aus.

 

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Parallelen zur Ergo-Police und dem Immobilienbetrug in der Türkei

Dort wurden zahlreiche Merkwürdigkeiten zutage gefördert. So zirkulierte bereits im Sommer 2021 ein angeblicher Finanzierungsnachweis für eine im Bundesanzeiger veröffentlichte Petroteq-Übernahmeofferte über 120 Millionen Euro - ausgestellt von der Uniexpress-Bank aus London. Unterschrieben war sie von Uniexpress-Chef Gürkan Vural und einem gewissen Michael Goetz.

Die Garantie erinnert an die gefälschten Dokumente, die in der Türkei für den Immobilienbetrug und später auch von Viston für das nächste Übernahmeangebot benutzt wurden.

 

 

Veröffentlicht worden war die Bundesanzeiger-Offerte im Namen der schwedischen Firma Uppgard Konsult. Deren Eigentümer Roger Uppgard erklärte im August, jemand müsse dafür seinen Namen missbraucht haben. Der Bundesanzeiger bestätigte inzwischen auch, dass bei Veröffentlichungen keine Prüfung stattfinde.

Anleger untersuchten auf die Berichterstattung der Heilbronner Stimme hin noch einmal den Finanzierungsnachweis und fanden heraus, dass die Unterschrift von Goetz aus dem Internet kopiert worden war. Sie stammte von Michael Lacy, einem Anwalt aus Toronto. Wenig überraschend: Lacy erklärte gegenüber unserer Redaktion, er habe mit der Sache nichts zu tun.

 


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Auf Servern der Uniexpress-Bank und der eng mit ihr verbundenen Turksper-Versicherung fanden Anleger öffentlich zugänglich gefälschte Bank-Garantien und Versicherungsdokumente, auf Englisch und auf Türkisch. Die Fälschungen ähnelten dem Nachweis für das angebliche Uppgard-Angebot: Diesmal kopierten die Fälscher Unterschriften des Queen-Sängers Adam Lambert und des Potsdamer Lokalpolitikers Nico Marquardt.

Marquardt nimmt den Vorgang nicht auf die leichte Schulter, wie er auf Anfrage erklärt. "Es ist ein sehr merkwürdiges Gefühl, dass da mit dem eigenen Namen krumme Geschäfte gemacht werden können", findet der SPD-Politiker. Rechtliche Schritte behält er sich vor. Den Gang zum Anwalt erwägen auch einige der Geschädigten. Mehrere haben nach eigenen Angaben Verluste im sechsstelligen Bereich erlitten.

 


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