VW zahlt seinen Tarifbeschäftigten nun doch eine Anerkennungsprämie
Der Betriebsrat von Europas größtem Autobauer hat sich durchgesetzt: Nach harten Verhandlungen erhalten Tarifbeschäftigte von Volkswagen im Mai nun doch eine Anerkennungsprämie. Die fordern die Arbeitnehmer nun auch bei Audi.
Bei VW hat es in den vergangenen Wochen mächtig geknallt. Der Gewinn ist um die Hälfte eingebrochen, bis 2030 sollen in Deutschland konzernweit 50.000 Stellen wegfallen. Dann wurde aber aus dem Nichts ein unerwartet hoher Geldzufluss vermeldet: Statt leerer Kassen sollen bei VW rund 6,4 Milliarden Euro zusammengekommen sein. Davon profitiert auch das Top-Management mit üppigen Boni.
Genau das sorgte für Druck aus der Belegschaft. Daniela Cavallo, Chefin des Konzernbetriebsrats, stellte klar: „Also alle oder keiner. Fair muss es sein.“ So forderte sie unlängst bei der letzten Betriebsversammlung in Wolfsburg eine Anerkennungsprämie für die Belegschaft.
Anerkennungsprämie bei VW für Tarifbeschäftigte
Jetzt ging alles ziemlich schnell. Insider berichten von harten Verhandlungen, aber nun ist klar: Rund 100.000 Tarifangestellte von VW erhalten im Mai eine Anerkennungsprämie in Höhe von 1250 Euro. „Der hohe Einsatz der gesamten Belegschaft hat zu dem guten Ergebnis der Marke Volkswagen geführt – das wiederum zahlt auf unser Konzern-Ergebnis ein“, sagte Cavallo. „Deswegen ist es nur folgerichtig und fair, dass nun alle Beschäftigtengruppen profitieren.“
Der Konzernvorstand wollte ursprünglich höchstens 500 Euro zulassen, ist aus Kreisen des VW-Gesamtbetriebsrates zu hören. Betriebsratschefin Cavallo war anfangs mit einer Forderung von 1500 Euro ins Rennen gegangen. Nach einigen Runden bat das Unternehmen dem Vernehmen nach 1000 Euro als "wirklich allerletztes Angebot" an. Cavallo hat dann trotzdem die 1250 Euro durchgesetzt, womit die Mitte der Range 500 bis 1500 Euro aus der ursprünglichen Spanne klar zugunsten der Belegschaft verschoben wurde.
Gezahlt wird die Prämie an den sechs westdeutschen Standorten der Volkswagen AG sowie in den drei sächsischen Werken, die seit Januar zum VW-Haustarif gehören. VW Osnabrück, wo Flächentarif gezahlt wird, bleibt außen vor – aber dort fließt dieses Jahr eine Jubiläums-Sonderzahlung.
Audi stärkt VW-Konzern – Betriebsrat drängt auf Anerkennungsprämie
Bei VW ist die Anerkennungsprämie ausgehandelt, bei Audi hat der Betriebsrat nun auch eine zusätzliche Zahlung gefordert. „Die Zahlen der Audi-Jahrespressekonferenz verdeutlichen, dass trotz der durchwachsenen Bilanz für das Jahr 2025 für den VW-Konzern, die vier Ringe nach wie vor die Renditeperle innerhalb des Volkswagen-Verbunds sind“, teilen Jörg Schlagbauer, Gesamtbetriebsratschef aus Ingolstadt, und Alexander Reinhart, stellvertretender Betriebsratschef des Standorts Neckarsulm in einer gemeinsamen Erklärung mit. Mit rund 3,4 Milliarden Euro operativem Gewinn – also vor Steuern – würde Audi erheblich zur Konsolidierung des Konzerns beitragen.
„Daher sei es nur fair, dass auch die Audi-Beschäftigten ihren gerechten Anteil erhalten, heißt es von der Betriebsratsspitze der beiden deutschen Audi-Standorte. „Deshalb fordern wir ergänzend zur Audi-Ergebnisbeteiligung (AEB) eine Anerkennungsprämie für die besondere Leistung der Belegschaft im vergangenen Jahr“, sagen Schlagbauer und Reinhart. „Wir haben dazu bereits das Gespräch mit dem Vorstand aufgenommen und verlangen schnellstmöglich konkrete Verhandlungen hierzu.“
Audi und VW: Unterschiede beim Thema Gewinnbeteilgung
Das Thema Anerkennungsprämie stößt innerhalb des Vorstands von Audi auf wenig Gegenliebe, wie zu hören ist. Bei der Betriebsversammlung am kommenden Dienstag (24. März) in Neckarsulm wird darüber sicher diskutiert werden. Offiziell hält sich das Unternehmen zu dem Thema sehr bedeckt, aber hinter den Kulissen rumort es wohl heftig. „Die Situation bei Audi ist aktuell anders als bei Volkswagen“, sagt ein Manager aus dem Personalbereich. Bei Audi gibt es wie in jedem Jahr eine Gewinnbeteiligung für die Beschäftigten. Bei Volkswagen hingegen entfällt dieser Bonus in diesem und im nächsten Jahr laut jüngstem Tarif-Kompromiss. Ein Anteil am Gewinn wird erst wieder 2028 ausgeschüttet.
Bei Audi hingegen werden für eine Facharbeiterin oder einen Facharbeiter an den deutschen Standorten Ingolstadt und Neckarsulm dieses Jahr 1740 Euro ausbezahlt. Zusätzlich werden je Beschäftigtem 1100 Euro der betrieblichen Altersvorsorge zugeführt – der Gesamtbetrag beläuft sich damit auf 2840 Euro.
Ungeachtet der erzielten Gewinne wird die Prämie bei Audi so schnell nicht mehr die alten Höchstwerte erreichen. Im Rahmen der 2025 ausgehandelten Zukunftsvereinbarung wird die Erfolgsbeteiligung für die Audi-Beschäftigten in den nächsten Jahren grundsätzlich sinken. Das war einer der Kompromisse, auf die sich Vorstand und Betriebsrat geeinigt haben. Im Gegenzug bleiben die tariflichen Monatsgehälter, Zulagen und Jubiläumszahlungen erhalten.
„Die Kolleginnen und Kollegen erhalten auf vier Jahre 31,25 Prozent weniger Erfolgsbeteiligung ausbezahlt“, rechnet der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jörg Schlagbauer vor.
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