VW, Audi und Co.: Autobauer erhalten mehr Zeit, um Klimavorgaben zu erfüllen
Europas Autobauer bekommen mehr Zeit, um die Klimavorgaben der EU umzusetzen. Das ändert aber nichts daran, dass sich der Anteil an E-Autos deutlich erhöhen muss - insbesondere beim VW-Konzern.
Die Autohersteller in der EU erhalten mehr Zeit, um die verschärften CO₂-Grenzwerte einzuhalten. Am Donnerstag hat das Europaparlament in Straßburg mit deutlicher Mehrheit eine Gesetzesänderung beschlossen, die es den meisten Herstellern ermöglicht, drohende Bußgelder zu vermeiden. Demnach dürfen die Autobauer die CO₂-Emissionen ihrer Neuwagen aus dem laufenden Jahr mit den Werten der kommenden zwei Jahre verrechnen.
Wer also die Grenzwerte in diesem Jahr nicht erreicht, kann dies noch 2026 und 2027 ausgleichen. Die Abgeordneten bestätigten jedoch zugleich den geplanten Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ab 2035.
CO₂-Schwellenwert deutlich gesunken: Was das für VW bedeutet
Nach Vorgaben der EU ist der Schwellenwert für die CO₂-Flottenziele der Autohersteller von 116 Gramm pro Kilometer (g/km) im vergangenen Jahr nun 2025 auf nur noch 93,6 g/km gesunken. Nach einer Auswertung der Analysten von Dataforce liegen aktuell fast alle Hersteller über dem neuen Schwellenwert. Besonders weit darüber liegt noch VW.
Die Konsequenz daraus: Bei Nichteinhaltung der CO₂-Grenzwerte drohen saftige Geldstrafen, die sich für große Autohersteller wie die Wolfsburger auf Hunderte von Millionen Euro belaufen können. Die Überschreitung in Gramm pro Kilometer wird mit dem Fahrzeugvolumen und 95 Euro multipliziert. Beispiel: Bei einer Überschreitung von fünf g/km und einem Volumen von einer Million Autos bedeutet das eine Strafe von 475 Millionen Euro. Durch die geänderten Vorgaben haben nun VW und die anderen Hersteller zwei Jahre mehr Zeit, um erhöhte Werte auszugleichen.
VW: Hoffnung durch höheren Anteil von E-Autos
Um die Strafzahlungen zu umgehen, muss der Anteil lokal emissionsfreier E-Autos deutlich steigen. Genau diese Entwicklung gibt es gerade. Über alle Marken hinweg hat sich die Zahl der ausgelieferten Stromer des VW-Konzerns in Westeuropa in den ersten drei Monaten gegenüber 2024 von 74.400 auf mehr als 150.000 Autos verdoppelt. „Der Volkswagen-Konzern hat seine Hausaufgaben gemacht. Jetzt schalten wir einen Gang hoch und gehen auf die Überholspur“, sagt Konzernchef Oliver Blume.
Audi: Auslieferungen von E-Autos steigt um mehr als 30 Prozent
Eine steigende Nachfrage gab es auch bei Audi im ersten Quartal für E-Autos: Die Zahl der vollelektrischen Fahrzeuge mit den vier Ringen stieg um 30,1 Prozent 46.371 Fahrzeuge. Gemessen am Gesamtabsatz lag der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge im Gesamtjahr 2024 bei 9,8 Prozent. Im ersten Quartal 2025 waren es bereits 12,1 Prozent. Ziel sei, den Anteil von E-Autos am Absatz 2025 „signifikant zu steigern“, wie Audi-Chef Gernot Döllner sagt.
Nach Informationen der Heilbronner Stimme soll der Anteil im Gesamtjahr mindestens 15, besser noch 20 Prozent betragen. Erfolgreichster Elektro-Audi im ersten Quartal war der Q4 E-Tron mit 22.800 ausgelieferten Fahrzeugen, dahinter folgt der Q6 E-Tron mit 16.000 Einheiten. Einiges E-Auto aus der Region ist aktuell der E-Tron GT, der in Heilbronn gebaut wird.
Neue Vorgaben der EU: Autohersteller wollten mehr Flexibilität
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den nun verabschiedeten Vorschlag eingebracht, um den Herstellern eine Art „Atempause“ zu gewähren. Einige große Hersteller wie Volkswagen und Renault hatten zuvor in Brüssel auf mehr Flexibilität gedrängt, da sie Schwierigkeiten haben, die neuen Abgasvorgaben zu erfüllen. Der Vorstoß, das für 2035 geplante Verbrenner-Aus noch einmal grundsätzlich in Frage zu stellen, scheiterte.
Entsprechende Anträge von Abgeordneten rechtsgerichteter Fraktionen erhielten am Donnerstag keine Mehrheit. Allerdings drängt auch die Europäische Volkspartei (EVP), zu der CDU und CSU gehören, langfristig auf eine Abkehr vom Verbrenner-Aus.
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