Landliebe-Schließung in Heilbronn und Schefflenz: Probleme begannen schon vor vielen Jahren
Das Aus für die beiden Landliebe-Werke in Heilbronn und Schefflenz ist besiegelt. Bis Jahresende werden 120 Stellen abgebaut, bis 2026 schließen beide Werke. Wie es dazu gekommen ist.

Jahrzehnte der Molkereigeschichte in Heilbronn werden 2026 zu Ende sein. Bis dahin wird Theo Müller, Gründer des Müller-Milch-Konzerns und neuer Landliebe-Eigentümer, die beiden Werke in Heilbronn und Schefflenz schließen.
Das steht bereits seit Ende Mai endgültig fest, am Mittwoch wurde den Mitarbeitern der Sozialplan vorgelegt. Demnach wird der Standort in Schefflenz bereits bis Jahresende geschlossen, 20 Mitarbeiter verlieren ihren Job. In Heilbronn müssen 100 Beschäftigte gehen.
Landliebe-Schließung in Heilbronn: Probleme schon unter Friesland-Campina
Die Probleme begannen schon viele Jahre zuvor, als der Eigentümer von Landliebe noch der niederländische Molkereiriese Friesland-Campina war. Immer wieder gab es Sparmaßnahmen, Umstrukturierungen, Verlagerungen. Mitte Juni 2022 dann der Paukenschlag: Der Konzern kündigte an, er werde sich aus Deutschland weitgehend zurückziehen und unter anderem die Marke Landliebe verkaufen.
Der Käufer: Die Unternehmensgruppe Theo Müller, zu der neben Müller Milch auch Weihenstephan und Sachsenmilch gehören. Man sei überzeugt, "dass wir mit dem neuen Eigentümer, der Unternehmensgruppe Theo Müller, einen geeigneten Nachfolger gefunden haben, der durch Synergievorteile dieses Geschäft erfolgreich weiter ausbauen kann", teilte Friesland-Campina damals mit.
Beim Verkauf der Landliebe-Werke waren Gewerkschafter und Betriebsrat noch optimistisch
Gewerkschafter und der Betriebsrat beurteilten den Verkauf damals gegenüber unserer Redaktion noch als eher positiv, weil die Alternative eine sofortige Schließung der Werke gewesen wäre.
Eigentlich sollte Müller die Landliebe-Werke bereits zum Oktober 2022 übernehmen, doch das Bundeskartellamt schaltete sich ein. Es mehrere Monate lang, ob Müller durch den Zukauf bei Joghurts, Milchreis und Milchgetränken eine marktbeherrschende Stellung bekommt.
Die Behörde in Bonn stimmte dem Verkauf letztlich zu, aber unter Auflagen. Müller wurde verpflichtet, es anderen Herstellern per Lizenz zu erlauben, Milchreis und Milchgetränke der Marke Landliebe herzustellen. Die Übernahme folgte im April 2023.
Müller-Milch-Konzern schließt Landliebe-Werk nach nicht mal einem Jahr
Nicht mal ein Jahr später, am 21. Februar 2024, verkündete Müller jedoch seine Pläne, das Heilbronner Joghurt-Werk und das Schichtkäsewerk in Schefflenz schließen zu wollen. Beide Standorte seien nicht profitabel und vor allem in Heilbronn hohe Investitionen nötig, teilte die Unternehmensgruppe Theo Müller mit. Die Belegschaft wurde davon überrascht, die Mitteilung über die Pläne sei kurzfristig gekommen.
Die Gewerkschaft NGG, die Stadt Heilbronn und der Betriebsrat stellten sich gegen die Schließungspläne. Sie alle forderten von Müller, die Standorte nicht aufzugeben sondern zukunftsfähig zu machen. Zwischenzeitlich wurde auch die Idee diskutiert, Müller solle die neu erworbenen Werke wieder verkaufen.
Ohne Erfolg, wie seit Ende Mai klar ist: Müller-Milch lehnte ab und bekräftigte den Entschluss, die Werke in Heilbronn und Schefflenz bis 2026 schließen zu wollen.
Landliebe-Schließung von Anfang an geplant?
Der Heilbronner Bezirks-Geschäftsführer der NGG, Frank Meckes, äußerte im Februar 2024 gegenüber unserer Redaktion den Verdacht, dass die Schließung bereits vor dem Kauf geplant war. „Es war offenbar der Plan von Müller, sich alleine die Marke Landliebe zu sichern.“
Bestätigen lässt sich dieser Vorwurf nicht. Fest steht nur, dass die Geschichte der Marke Landliebe in Heilbronn spätestens 2026 ein Ende haben wird.
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Kommentare
Günther Knapp am 13.06.2024 14:14 Uhr
Da ich die Geschichte Müller-Milch und auch hinsichtlich Schweiz-Geldauswanderung des Firmeninhabers regelmäig in Medien verfolgte, kommt für mich schon sehr lange nicht mehr in Frage Produkte der Müller-Milch nicht mehr zu kaufen. Es ist nicht leicht, wennn man an Namen wie auch Weihenstephan denkt. Nun ist auch Landliebe zu einem Produkt geworden das nicht mehr in meinen Einkäufen zu finden ist.
Ab und Zu ist es nicht schlecht auch mal etwas soziales Denken einzelner Firmen und die Unterstützung als Käufer in sein Kaufverhalten mit aufzunehmen!