Schock über Schließung des Landliebe-Werks in Heilbronn sitzt tief
Als die Müller-Gruppe die drei Werke von Friesland-Campina übernahm, hatte sie große Pläne. Nun schließt das Unternehmen den Standort in Heilbronn. Die Aufbruchsstimmung ist rasch verflogen.

Im Juni 2022 herrschte im Joghurtwerk an der Wimpfener Straße in Heilbronn noch eine Stimmung zwischen Gelassenheit und Aufbruch. Damals hatte der Molkereikonzern Theo Müller angekündigt, die drei Werke von Friesland-Campina in Heilbronn, Schefflenz im Neckar-Odenwald-Kreis und Köln zu übernehmen. Sowohl der hiesige Betriebsrat als auch die Gewerkschaft NGG sahen in dem Deal durchaus eine Chance für das traditionsreiche Heilbronner Joghurtwerk. "Von allen Optionen ist das sicherlich die beste", hatte der zuständige NGG- Sekretär Burkhard Siebert damals der Heilbronner Stimme gesagt.
Denn Friesland-Campina hatte in den zurückliegenden Jahren in Heilbronn immer wieder Personal abgebaut und Produktion verlagert. Die Sorgen der damals 480 Mitarbeiter in Heilbronn um die Zukunftsfähigkeit ihrer Arbeitsplätze waren groß. Auch deshalb sagte Siebert zur Übernahme durch die Müller-Gruppe: "Es hätte viel schlimmer kommen können." Auch der Heilbronner Betriebsratsvorsitzende Achim Steinbach lobte damals die Perspektive für den Standort und die Mitarbeiter unter dem neuen Arbeitgeber. Und das, obwohl Theo Müller nicht als arbeitnehmerfreundlich gilt, wie Steinbach einräumte.
Müller schließt Landliebe-Standort in Heilbronn: Mit Kauf des Joghurtwerks hatte das Unternehmen viel vor
Auch bei der Müller-Gruppe schien man mit dem Zukauf große Hoffnungen zu verbinden. "Wir werden die Marke Landliebe – analog zur Erfolgsgeschichte der Marke Weihenstephan – zu einer der nachhaltig ertragreichen Säulen der Unternehmensgruppe entwickeln", ließ das Unternehmen nach der Genehmigung der Übernahme durch das Bundeskartellamt im April 2023 verlauten.
Die drei Friesland-Campina-Werke in Heilbronn, Schefflenz und Köln mit 670 Mitarbeitern steuerten seinerzeit rund 300 Millionen Euro zum Umsatz der Müller-Gruppe bei. Müller-Manager Marcus Almeling lobte damals die Mitarbeiter, "die sich durch eine Mischung aus beeindruckendem Know-how und echter Leidenschaft für Milchprodukte auszeichnen".
Das dürfte den Mitarbeitern heute wie Hohn in den Ohren klingen. Denn die drei übernommenen Werke werden geschlossen. Den Anfang machte das Kölner Werk. Im Mai 2023 verkündete Theo Müller die Schließung des Standorts mit damals rund 220 Beschäftigten. Als Begründung nannte Müller die schwache Auslastung des Werks, das defizitär arbeite. Zudem hätten die Auflagen des Kartellamtes die Auslastung des Werks deutlich verschlechtert. Die Behörde hatte zur Bedingung für die Übernahme Müller auferlegt, sich von der Marke Tuffi zu trennen.
Hiobsbotschaft für das Heilbronner Landliebe-Werk: 400 Mitarbeiter von Schließung betroffen
Am Mittwoch dieser Woche dann die Hiobsbotschaft für Heilbronn und Schefflenz. Beide Standorte mit rund 400 Mitarbeitern werden schrittweise bis Sommer 2026 geschlossen. Der Schock bei den Mitarbeitern und in der ganzen Region sitzt tief. Als Gründe nannte Müller hohen Kostendruck und enormen Investitionsbedarf. Zudem sei im hart umkämpften Milchmarkt mit den in Heilbronn hergestellten Joghurts und Desserts der Marke Landliebe kein "signifikanter Volumenzuwachs" zu erwarten.
Nun sollen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geführt werden, um sozialverträgliche Lösungen für die Beschäftigten zu finden, wie Müller mitteilt. Betriebsrat, Gewerkschafter und auch der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel haben angekündigt, die Schließung des Joghurtwerks nicht einfach hinnehmen zu wollen, sondern die Möglichkeiten einer Fortführung des Standortes prüfen zu wollen.
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