63 Millionen Euro für Gläubiger in Erlenbacher Versorger-Pleite
Die Pleite der DEG Deutsche Energie GmbH aus Erlenbach sorgte 2019 bundesweit für Schlagzeilen. Der Insolvenzverwalter Pluta zahlt nun 63 Millionen Euro an etwa 10.600 Gläubiger aus. Das entspricht einer Quote von 24,5 Prozent.
Rein von den aufgelaufenen Forderungen dürfte es die größte Insolvenz in Heilbronn-Franken seit der Jahrtausendwende sein: 258,8 Millionen Euro hatten Gläubiger der DEG Deutsche Energie GmbH beim Insolvenzgericht am Amtsgericht Heilbronn angemeldet.
Das Unternehmen, gegründet vom Erlenbacher Unternehmer Tillmann Raith und bis 2019 dort ansässig, firmiert jetzt unter Degia Berlin GmbH mit Geschäftsführer Nick Goetze. Nun bekommen die Gläubiger einen relativ großen Teil ihres Geldes.
Prominentester Kunde war der Bundestag
Mehr als 53.000 Kunden hatten bei der DEG einst Strom- und Gasverträge abgeschlossen - prominentester war der Deutsche Bundestag. Als es zum Streit über ausstehende Zahlungen kam, kündigten die vier deutschen Netzbetreiber aber um Weihnachten 2018 - in der Folge rutschte die DEG in die Insolvenz.
Ein Neuanlauf unter dem Namen Degia Berlin und mit dem neuen Geschäftsführer wurde prompt mit einem neuen Insolvenzantrag durch zwei Netzbetreiber beantwortet. Als Insolvenzverwalter wurde daraufhin der Stuttgarter Rechtsanwalt Michael Pluta eingesetzt.
Das Geld wird noch dieses Jahr ausgezahlt
Nun hat das Amtsgericht Heilbronn eine Abschlagsverteilung der Forderungen angekündigt. Demnach erhalten die mehr als 10.600 Gläubiger insgesamt etwas mehr als 63,4 Millionen Euro. Dazu gehören vor allem die Kunden, die Netzbetreiber und die öffentliche Hand. Gegenüber 258,8 Millionen Euro offenen Rechnungen entspricht dies einer Quote von 24,5 Prozent. Die Auszahlung soll noch in diesem Jahr vorgenommen werden, hieß es.
Pluta hatte schon im Juni 2019 mit einer Quote von bis zu 20 Prozent gerechnet, was vor allem dank eines kostensparenden Verfahrens für die Forderungsanmeldung möglich sei, wie er damals erläuterte. So konnten die Gläubiger den Forderungsbetrag über das Internet durch einfache Bestätigung des vorgeschlagenen Betrags zur Insolvenztabelle anmelden, ohne dass weitere sonst notwendige Belege erbracht werden mussten.
Bis zu 20 Mitarbeiter der Kanzlei waren damit beschäftigt
"Wir haben in den vergangenen zwei Jahren alle relevanten Vorgänge geprüft und zugleich sehr effizient gearbeitet", sagt Pluta nun. "So konnten wir einerseits unberechtigte Forderungen in Millionenhöhe zurückweisen und andererseits Ansprüche geltend machen und damit die Insolvenzquote deutlich steigern." In einem solch großen Verfahren mit so vielen Beteiligten sei das eine sehr kurze Zeit.
Das Geld für die Insolvenzmasse sei aus rund 11.000 offenen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zusammengekommen. Außerdem seien Beteiligungen und Finanzanlagen der Gesellschaft erfolgreich verwertet sowie Anfechtungsansprüche durchgesetzt worden. Das Pluta-Team - in Spitzenphasen waren bis zu 20 Mitarbeiter an dem Verfahren tätig - rechne damit, dass das Verfahren 2022 abgeschlossen werden kann. Zudem solle im kommenden Jahr noch eine weitere Ausschüttung erfolgen, so dass sich die Quote voraussichtlich auf mehr 30 Prozent erhöhen kann.
Vor wenigen Tagen hat es bereits in einem anderen Insolvenzverfahren Plutas in der Region eine hohe Quote gegeben: Im Fall des insolventen Busausstatters Frenzel aus Obersulm wurde in einer ersten Abschlagszahlung ein hoher sechsstelliger Betrag und damit rund 44 Prozent der angemeldeten Forderungen ausgeschüttet, wurde gemeldet.
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