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Erlenbach

Deutsche Energie zum zweiten Mal insolvent

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Um den Stromversorger aus Erlenbach entspinnt sich ein Verwirrspiel: Nach einem Wechsel in der Geschäftsführung wird erst der Insolvenzantrag zurückgezogen und dann wieder gestellt - aber von jemand anderem.

Von Heiko Fritze
Die Deutsche Energie GmbH liefert seit Dezember keinen Strom mehr.
Foto: dpa
Die Deutsche Energie GmbH liefert seit Dezember keinen Strom mehr. Foto: dpa  Foto: Patrick Pleul

Für den Stromversorger Deutsche Energie GmbH ist zum zweiten Mal Insolvenzantrag gestellt worden. Das Amtsgericht Heilbronn bestellte den Stuttgarter Rechtsanwalt Michael Pluta zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Damit wird in den schon seit dem Jahreswechsel andauernden Turbulenzen um den Erlenbacher Anbieter ein neues Kapitel aufgeschlagen. Denn eigentlich lief bereits ein vorläufiges Insolvenzverfahren.

Nick Goetze neuer Geschäftsführer

Vorläufiger Insolvenzverwalter in dem ersten Verfahren war Professor Martin Hörmann von Anchor Rechtsanwälte. Nach seiner Darstellung hat sich Folgendes zugetragen: "Im Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der DEG Deutsche Energie GmbH wurde der bisherige Geschäftsführer vor kurzem abberufen und ein neuer Geschäftsführer bestellt, ein Herr Nick Goetze aus Berlin. Dieser hat den Insolvenzantrag zurückgenommen." Ein gestellter Insolvenzantrag könne bis zur Verfahrenseröffnung - diese hätte am 1. April folgen müssen - vom Geschäftsführer oder einem neu bestellten Geschäftsführer jederzeit zurückgenommen werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter habe darauf keinen Einfluss.

Mit Beschluss vom 27. März hat also das Heilbronner Insolvenzgericht dem Antrag der DEG Deutsche Energie GmbH stattgegeben und die angeordneten Sicherungsmaßnahmen aufgehoben.

Netzbetreiber stellen neue Anträge

Das jedoch wollten die beiden Übertragungsnetzbetreiber Netze BW - eine Tochter von Transnet-BW - und Tennet offensichtlich nicht hinnehmen. Sie stellten erneut Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Tennet und Transnet-BW hatten kurz vor Weihnachten im Zuge der finanziellen Probleme beim Erlenbacher Unternehmen die Stromlieferungen eingestellt; ebenso verfuhren die beiden anderen Netzbetreiber 50Hertz und Amprion. Die Erlenbacher stellten darauf den Betrieb ein.

Anwalts spricht von hohen Forderungen

Das Amtsgericht Heilbronn ordnete daher nur einen Tag nach Aufhebung der bisherigen Sicherungsmaßnahmen erneute Sicherungsmaßnahmen an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde nun Michael Pluta bestellt. Er berichtete am Montag, dass weiterhin "Forderungen im zweistelligen Millionenbereich gegen das Unternehmen bestehen". Durch den zweiten Antrag sei es dem bisherigen vorläufigen Insolvenzverwalter nach Auffassung des Gerichts nicht mehr möglich, wieder in dieser Funktion tätig zu werden, da ein Interessenskonflikt bestehen könnte. Die insolvente Gesellschaft hat nach Plutas Angaben rund 50 000 Gläubiger, die in wenigen Wochen ihre Forderungen zur Tabelle anmelden können. Das genaue Prozedere werde noch bekanntgeben.

Gerichte sollen entscheiden

Der bisherige Geschäftsführer Tilmann Raith bestätigte am Montag die Angaben Hörmanns. Der neue Geschäftsführer Goetze sei ein Sanierungsexperte und habe ein Konzept ausgearbeitet, um das Unternehmen ohne Insolvenz zu sanieren. Eine wesentliche Rolle spielten dabei Schadenersatzansprüche gegen die Netzbetreiber. "Am Ende müssen das die Gerichte entscheiden", sagt Raith.

 

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