Deutschlands größte KI-Baustelle: Ipai-Zeitplan steht
Der Baustart für den Ipai-Campus in Heilbronn fällt im Spätherbst, erste Gebäude sollen 2027 bezugsfertig sein. Die Stadt ist längst auf dem Weg zum KI-Hotspot.
Die Bautafel, die seit ein paar Tagen in den Steinäckern in Heilbronn steht, wird in ihrer Größe und Dimension der Großbaustelle dahinter kaum gerecht. Geschätzt sechs mal vier Meter für 23.000 Hektar bebautes Areal − allein der Bauzaun um das Areal, auf dem der Campus für Künstliche Intelligenz entsteht, ist zweieinhalb Kilometer lang. Nur aus der Luft lässt sich derzeit erkennen, welche Dimension dieses Megaprojekt unweit der Autobahn 6 hat. Es ist viel Platz für Mut und Zukunft.
Die vorbereitenden Bauarbeiten in den Steinäckern haben unlängst begonnen, Bagger ebnen das Gelände ein, verschieben riesige Erdmassen. Allein das dauert Monate, erst im Spätherbst fällt der offizielle Startschuss. "Termin für den Spatenstich ist der 11. November", verrät ein Sprecher des Innovationsparks für Künstliche Intelligenz, kurz Ipai. Im ersten Bauabschnitt sollen demnach mindestens sechs Gebäude entstehen. Zwei weitere Bauabschnitte sollen folgen.
Großprojekt in Heilbronn: Spatenstich für KI-Campus im Herbst
Die Vision hinter dem riesigen Campus ist freilich ungleich größer und lässt sich selbst von Experten heute bestenfalls erahnen. "Künstliche Intelligenz ist die größte Veränderung zu unseren Lebzeiten − für uns, für unsere Kinder und Kindeskinder", sagt Bilal Zafar. Bei einem Auftritt auf Einladung der Sparkassenbeteiligungsgesellschaft fordert der Tech-Experte und gefragte Redner Mitte Mai in Heilbronn von Deutschland deutlich mehr Mut. Vor allem: Mut statt Angst.

"Wir dürfen nicht immer nur Horrorszenarien an die Wand malen und schauen, was alles schief gehen kann", sagt Zafar. Deutschland habe exzellente Ingenieurskunst, schlaue Köpfe, verfüge als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt über die nötigen Mittel, um die Jahrhundert-Chance KI auch zu nutzen. "Wir stehen an einem Scheideweg." Der KI-Zug sei bereits mit atemberaubender Geschwindigkeit unterwegs. "Da sitzen die Amerikaner auf dem Fahrersitz, die Chinesen fahren mit − und wir Deutschen und Europäer winken noch", sagt Bilal Zafar. "Aber wir können ein Lasso nehmen und uns noch dranhängen und mitmachen."
Campus für Künstliche Intelligenz: Heilbronn will Vorreiterrolle übernehmen
Heilbronn ist auf dem Weg, dabei eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Das weiß auch der Tech-Experte. Bei allem Stolz über den entstehenden Campus in den Steinäckern und bei aller Vorfreude wollen die Verantwortlichen aber nicht als Immobilienprojekt interpretiert werden. "Es geht uns alleine um die Sache, darum, Unternehmen dabei zu unterstützen, Künstliche Intelligenz in die Anwendung zu bringen", erklärt Tim Roder, Leiter der Geschäftsentwicklung des Ipai. "Es geht nicht um Forschung, nicht um die Entwicklung neuer KI-Modelle. Sondern es geht darum, den Forschungstransfer hinzubekommen."
Und der findet ganz unabhängig vom Campus, dessen erste Gebäude im Laufe des Jahres 2027 bezugsfertig sein sollen, längst statt. "Wir haben mit dem Spaces schon unser erstes Zuhause im Wohlgelegen", erinnert Roder an das im vergangenen Jahr bezogene Gebäude. Die Idee dahinter ist, einen Ort zu schaffen, an dem viele Menschen zusammenkommen, sich austauschen. Der Plan geht bislang ganz wunderbar auf: Die Community wächst kontinuierlich, besteht inzwischen aus über 70 Unternehmen verschiedenster Größen sowie Branchen. Und es kommen ständig weitere hinzu.
Heilbronn rüstet auf: KI-Campus mit Imec und Autobranche geplant
Einen Coup vermeldeten die Verantwortlichen Anfang April auf der Hannover Messe mit der Ansiedlung der Forschungseinrichtung Imec am Innovationspark für Künstliche Intelligenz an. Das belgische Unternehmen wird in Heilbronn mit deutschen Autobauern und Autozulieferern bei der Entwicklung von Chips zusammenarbeiten, wodurch am Ipai weitere 70 Arbeitsplätze bereits im Laufe dieses Jahres entstehen sollen. Das Land Baden-Württemberg fördert die Ansiedelung mit 40 Millionen Euro. Zudem werden in dem Zuge zehn neue Chip-Professuren in Heilbronn eingerichtet.
"Der Ipai hat sich schnell zu einem national sichtbaren Standort für KI-Anwendungen entwickelt und unsere Erwartungen bereits jetzt übertroffen", sagt Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung, ohne die das Projekt in der Form kaum möglich wäre. In den fünf Jahren nach der Entscheidung zugunsten von Heilbronn als Standort haben die Verantwortlichen mit Hochdruck an dem Projekt gearbeitet, etliche Meilensteine erreicht. Durch Heilbronn ist ein KI-Ruck gegangen, die Stadt auf einem guten Weg, zu einem internationalen Hotspot für Künstliche Intelligenz in Europa zu werden.
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