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Studenten digitalisieren Kindergarten

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Die studentische Beratungsfirma Consult HN hat sich im vergangenen Jahr mit Erfolg positioniert. Derzeit begleitet sie die Digitalisierung in den Heilbronner Awo-Kindergarten. Offenheit für neue Themen ist besonders wichtig.

Bereichsleiterin Sandra Raiser mit den studentischen Beratern Jens Lübbehüsen (Mitte) und Martin Schließus in der Awo-Kita in Böckingen.
Foto: Andreas Veigel
Bereichsleiterin Sandra Raiser mit den studentischen Beratern Jens Lübbehüsen (Mitte) und Martin Schließus in der Awo-Kita in Böckingen. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Noch Student und schon Berater? Mit der studentischen Unternehmensberatung Consult HN hat sich Ende 2020 ein Verein gegründet, der seinen Mitgliedern die Möglichkeit bietet, praktische Erfahrungen in Unternehmen zu sammeln, und den Klienten motivierte, innovative junge Leute an die Seite stellt.

Der Zufall brachte Awo und Consult HN zusammen

"Egal was es ist, die fuchsen sich da rein", erzählt Sandra Raiser. Sie hat die Gesamtleitung für die drei Kindergärten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Heilbronn und brauchte im vergangenen Sommer Hilfe bei einem Förderantrag. Es ging um die Digitalisierung der Kitas. "Einer meiner ersten Gedanken war damals schon, wir sollten uns da ein paar Studenten mit ins Boot holen", sagt Raiser.

Der Zufall wollte es, dass kurz zuvor Consult HN gegründet worden war und über die Agentur Lingner die Verbindung zur Awo zustande kam.

Die Macher haben aus den Fehlern der Vorgänger gelernt

Es ist nicht die erste studentische Beratung in den vergangenen 15 Jahren in Heilbronn. Etablieren konnte sich keine. Ende 2020 wurde ein neuer Versuch gestartet - und die Fehler der Vorgänger sollten nicht wiederholt werden. "Wir haben uns nicht nur auf einen Studiengang an der Hochschule Heilbronn beschränkt, wir beziehen den gesamten Bildungscampus und auch die Programmierschule 42 mit ein", erzählt Jens Lübbehüsen.

Sein Mitstreiter Martin Schließus ergänzt: "Der Verein ist jetzt nachhaltig aufgestellt", er solle nicht mit dem Abschied der Gründergeneration wieder einschlafen. Mitglieder, die mit ihrer Exmatrikulation ausscheiden, dürften dem Verein über den Beirat noch verbunden bleiben. Erst einmal wird auch Martin Schließus ausscheiden, wenn er im Februar seine Bachelorarbeit abschließt. Noch betreut der 23-Jährige aber das Projekt bei der Awo.


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Von innovativen Ideen profitieren

Der gemeinnützige Verband erhielt nach der ersten Hilfe im vergangenen Sommer irgendwann die Förderzusage des Programms "Trägerspezifische innovative Projekte" (TiP) des Landes über 160 000 Euro. Die Studenten unterbreiteten ein Angebot für die weitere Zusammenarbeit, die Awo sagte zu.

"Natürlich sind wir günstiger als eine etablierte Beratungsfirma", sagt Lübbehüsen. Umsonst ist die Arbeit nicht. Doch am Ende sollen beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren.

Offenheit und Lust an der Arbeit

Für Sandra Raiser war es nach eigener Darstellung ein Glücksfall. "Das sind dynamische junge Leute mit innovativen Ideen, die Lust haben und offen sind auch für unsere Anliegen." Denn die Fragen, die in einem Kindergarten eine Rolle spielen, sind speziell. Zudem brachten die Studenten methodisch einiges mit. So begann erst einmal alles mit einer Ist-Analyse. So kann später überprüft werden, was erreicht ist.

Kinder lernen den Umgang mit technischen Geräten

Die Digitalisierung wird bei der Awo nun in zwei Bereichen angegangen. Zum einen wird eine Medienpädagogik für die Kinder entwickelt, bei der sie lernen, mit Gerätschaften wie Computer, iPad oder auch elektronischen Mikroskopen sinnvoll umzugehen. "Das steht jetzt an", sagt Raiser.

Das andere Thema befindet sich schon in der Umsetzung. Hier geht es um Prozesse wie die Dokumentation. Die bekannten Beurteilungsbögen für die Kinder werden nun am iPad ausgefüllt. Die App Kitalino des Herder-Verlags spare schon einmal viel Zeit, ermögliche aber auch, dass Eltern in freigegebenen Bereichen verfolgen können, was das Kind gemacht hat. "Dazu können die Kinder sogar Fotos von ihren Bauwerken oder Bildern hochladen und diese dann abends den Eltern zeigen", erzählt Raiser.


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Datenschutz als größte Herausforderung

Für beide Bereiche haben Awo und Studenten geschaut, wo Unterstützung notwendig ist, haben auch Kontakt mit dem App-Anbieter oder einer Design-Agentur aufgenommen und einen Mediencoach aus Stuttgart engagiert. "Und wir mussten uns in vieles einlesen", erzählt Jens Lübbehüsen. Die vielleicht größte Herausforderung: Der Datenschutz. Das sei schon sehr komplex, aber auch sehr wichtig gewesen, "ganz besonders für die Eltern", wie Lübbehüsen bei vielen Nachfragen gemerkt hat.

Über den Verein

50 Mitglieder hat Consult HN. Die Vielfalt ist groß. Auch wenn die Mehrzahl der Mitglieder von der größten Einrichtung, der Hochschule Heilbronn, kommt, gibt es auch welche von der TU München, der Schule 42 und der DHBW. Es gibt Bachelor- und Master-Studenten und auch einige aus dem Ausland. Wer mitmachen möchte, muss sich bewerben und dann in einem Anwärterprojekt bewähren. In mehr als 15 Projekten haben sich die Studenten inzwischen schon engagiert, teilweise gegen Bezahlung, teilweise ohne. "Gerade bei jungen Start-ups sind wir bereit, entgegenzukommen", sagt Jens Lübbehüsen. Dort würden auch die studentischen Berater besonders viel lernen.

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