Bei der Firma Vögele aus Lauffen gibt es Geschmack aus dem Labor

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Das Familienunternehmen Vögele Ingredients hat mit seinen Lebensmittelaromen und Düften den internationalen Markt erobert. Geschäftsführer Bertram Vögele legt wert auf Nachhaltigkeit und natürliche Zutaten.

Bertram Vögele leitet das Familienunternehmen Vögele Ingredients in Lauffen in vierter Generation.
Bertram Vögele leitet das Familienunternehmen Vögele Ingredients in Lauffen in vierter Generation.  Foto: Lina Bihr

Wer das Gebäude der Firma Vögele in Lauffen betritt, taucht fast in eine andere Welt ein. Überall ist es hell und grün. Auf den Dächern und an den Wänden wachsen Pflanzen, und in der Luft hängt ein süßlicher Duft, der sich je nach Raum immer ein wenig verändert. Die Quelle für den Geruch befindet sich im Labor. Hier werden Aromen entwickelt, zum Beispiel für Parfüms oder ätherische Öle. Auch Limonaden, Schnäpse oder Glühweine erhalten hier ihren besonderen Geschmack. In dutzenden kleinen braunen Fläschchen mit gelben Etiketten stehen die Extrakte fein säuberlich nebeneinander aufgereiht: Vanille, Ananas oder Lakritze steht darauf geschrieben.


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"Wir sind hier die Exoten", sagt Bertram Vögele. In einer Region, die sonst eher vom Maschinen- und Autobau geprägt ist, führt er das Unternehmen in der vierten Generation. Naturkosmetikhersteller, Bionade und örtliche Weingenossenschaften zählen zu den Kunden. Bei der Flavour und Fragrance-Branche handele es sich um eine kleine, aber innovative Industrie. 30 Millionen Euro Umsatz mache seine Firma im Jahr, habe sich international einen Namen gemacht, sagt Vögele.

Vom kleinen Familienbetrieb zum erfolgreichen Unternehmen

Bei der Destillation werden aus den Zutaten Aromen gewonnen.
Bei der Destillation werden aus den Zutaten Aromen gewonnen.  Foto: Lina Bihr

Gut 100 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Neben chemisch-technischen Assistenten und Parfümeuren sind darunter auch Menschen mit mysteriös klingenden Berufsbezeichnungen: Ökotrophologen, Flavouristen oder Applikateure. Vögele schaut sich auch international nach Fachkräften um, etwa in Frankreich oder El Salvador. "Wir haben Mitarbeiter aus der ganzen Welt", sagt der 46-Jährige.

Dabei fing das Lauffener Familienunternehmen einmal ganz klein an. Großvater Hans Vögele und Urgroßvater Johann Vögele gründeten nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 die Firma Joh. Vögele KG, die sich heute auch Vögele Ingredients (Englisch: Zutaten) nennt. "So richtig aufwärts ging es dann Ende der 80er-Jahre", erzählt Bertram Vögele. Das Unternehmen profitierte von der aufkommenden Ökobewegung und der immer populärer werdenden Aromatherapie.


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Bertram Vögele wusste bereits früh, dass er in diese Fußstapfen treten möchte. Der gelernte Industriekaufmann löste 2012 seinen Vater als Geschäftsführer ab. Heute habe die Firma fast 3000 Kunden, sagt Vögele, und mehr als 50 Projekte, an denen die Teams parallel arbeiten.

Die Zutaten werden aus der ganzen Welt exportiert

Auf dem Firmendach lebt ein Bienenvolk, für hauseigenen Honig. Andere Zutaten importiert das Unternehmen aus der ganzen Welt. Lavendel aus Frankreich, Teebaumöl aus Australien, Zimt aus Sri Lanka. Im Lager greift Vögele in einen großen Sack und holt kleine braune Brocken heraus - Stücke einer Kakao-Bohne. "Das verwendet man dann zum Beispiel für Schokoladen-Likör", erklärt er.

Die Aromen werden auf zwei Arten hergestellt: Mazeration und Destillation. Mazeration sei "wie Tee machen, bloß kalt", erklärt Vögele und deutet auf einen Metallbehälter. Gojibeeren steht darauf geschrieben, und in einem Messbecher sammelt sich rote Flüssigkeit. Zwei bis drei Wochen dauert es, bis unten das Extrakt herauskommt. Bei der Destillation hingegen werden die Aromen durch Hitze herausgelöst und das Produkt ist farblos, erläutert Vögele. Die Extrakte bilden die Basis für die Aromen. Mit Bratapfelaroma kann etwa Glühwein angereichert werden.


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Für die Herstellung sei es wichtig, präzise zu wissen, was der Kunde möchte und welche Zielgruppe er im Auge hat. "Soll es sehr dezent sein, trinkt man es in der Disko oder im Biergarten?" Ist ein fertiges Produkt herausgekommen, wird es einem Stresstest unterzogen. Dafür wird es in die Sonne gestellt. Verfärbt es sich oder bildet es Flocken? Falls nicht: Test bestanden. Wenn es dem Kunden gefällt, wird es in größeren Mengen produziert, erklärt Vögele.

Bis der Auftraggeber sein fertiges Produkt in den Händen hält, vergehen etwa zwei bis drei Jahre. Wenn er eins davon dann im Supermarktregal sieht, erzählt Bertram Vögele, dann habe er ein Lächeln auf den Lippen.

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für Vögele

Nachhaltigkeit ist für Bertram Vögele ein wichtiges Thema, privat und beruflich. Er fährt gerne E-Auto und Fahrrad und ist überzeugt, dass Unternehmen den Anforderungen der Gesellschaft gerecht werden müssen. Die Dächer des Firmengebäudes sind begrünt und mit Solaranlagen bestückt. "Bei uns ist das mehr als Greenwashing", sagt er. "Wir haben keine fossilen Brennstoffe mehr, wir nutzen nur regenerative Energien." Die Abfälle werden an eine Biogasanlage geliefert. Zudem fördere das Unternehmen Lebensmittel- und Trinkwasserprojekte der UN und Aufforstungsprogramme in Uganda, erzählt Vögele.

 
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