Susanne Klatten in Heilbronn ausgezeichnet: Von der BMW-Erbin zur Tech-Investorin
Reichste Frau Deutschlands, Quandt-Tochter, Flugtaxi-Pionierin: Susanne Klatten hat an vielen Stellen gewirkt. Am Freitagabend wurde ihr ein Preis auf dem Heilbronner Bildungscampus verliehen.
Heilbronnern kommt das bekannt vor: Eine enorm reiche Person, die die Geschicke zweier Milliarden-Konzerne mitverantwortet, aber die Öffentlichkeit meidet. Und die mit ihrem Geld mittels einer gemeinnützigen Stiftung Start-ups und Zukunftstechnologien fördert.
Susanne Klatten in Heilbronn geehrt – für vorbildliche Unternehmensführung
Bei der gesuchten Person handelt es sich diesmal nicht um Lidl-Gründer Dieter Schwarz, sondern um Susanne Klatten. Die Unternehmerin hat am Freitagabend auf dem Bildungscampus in Heilbronn den German Leadership Award verliehen bekommen. Mit der Auszeichnung wird vorbildliche Unternehmensführung gewürdigt.
Susanne Klatten wird 1962 in eine wohlhabende Familie geboren, als Tochter des Industriellen Herbert Quandt und seiner dritten Ehefrau Johanna Quandt. Sie wächst in Bad Homburg vor der Höhe auf, macht dort das Abitur und später eine Ausbildung zur Werbekauffrau – zum Ärger ihres Vaters, der sich eine Banklehre für seine Tochter gewünscht hätte.
Anschließend studiert sie BWL und macht einen Master in der Schweiz und schließlich ein Praktikum im BMW-Werk in Regensburg, wo sie ihren späteren Ehemann Jan Klatten kennenlernt.
Familie Quandt: Susanne Klatten erbt Firmenimperium ihrer Eltern
Klattens Eltern sind maßgeblich für ihren Werdegang verantwortlich. Herbert Quandt hatte von seinem Vater die „Accumlatoren Fabrik Aktiengesellschaft“ (AFA), später Varta AG, übernommen und sich in Krisenzeiten zum Mehrheitsaktionär von BMW gemausert. Aus Varta ging außerdem der Pharmahersteller Altana hervor, der in den 90ern das Magenmedikament Pantoprazol auf den Markt bringt. Es verkauft sich prächtig, der Konzern schwimmt im Geld und somit auch Klatten.
Denn Susanne Klatten erbt sowohl die Beteiligung an BMW als auch den Aufsichtsratsposten bei Altana. Im Laufe der Jahre folgen Beteiligungen an weiteren Unternehmen wie dem Verbundstoffhersteller SGL Carbon und dem Windturbinenhersteller Nordex. Bis heute hält Klatten mit ihrem Bruder Stefan Quandt knapp die Hälfte der Aktien von BMW.

Millionen-Erpressung macht Susanne Klatten deutschlandweit bekannt
Der breiten Öffentlichkeit wird Susanne Klatten erst bekannt, als sie 2007 Opfer einer Millionen-Erpressung wird. In Tirol freundet sie sich mit einem Betrüger an, der später vorgibt, von der Mafia bedroht zu werden. Klatten gibt dem Mann sieben Millionen Euro.
Doch der Erpresser will noch mehr, was Klatten ablehnt. Später tauchen kompromittierende Videos dieser Affäre auf, Klatten erstattet Anzeige. Für den Erpresser endet die Tat im Gefängnis, Susanne Klatten wird in der Öffentlichkeit als Opfer eines spektakulären Kriminalfalls bekannt.
Ein Umstand, der Klatten überhaupt nicht gefallen haben dürfte. Eigentlich meidet die Unternehmerin das Rampenlicht, tritt fast nie in der Öffentlichkeit auf, gibt äußerst selten Interviews. Sie ist kein Phantom, agiert aber im Hintergrund.
Susanne Klattens Stiftung UnternehmerTUM investiert in tausende Start-ups
Ganz wie ihre Stiftung UnternehmerTUM, die Klatten 2002 mit der TU München gründet. Wenig später kommt die Beteiligungsgesellschaft Skion dazu. Über die Stiftung unterstützt Klatten Start-ups und Gründer, investiert in Zukunftstechnologien. Nach eigenen Angaben hat die Stiftung seit ihrer Gründung mehr als 1000 Start-ups zum Erfolg verholfen, darunter heutigen Branchengrößen wie Flixbus oder Isar Aerospace.
Natürlich läuft das nicht immer reibungslos: Das Flugtaxi-Start-up Lilium finanzierte Klattens Stiftung maßgeblich mit. Doch die Gründer schafften es nicht, ein marktfähiges Fluggerät zu bauen, es folgte die Insolvenz.
Susanne Klatten gilt als reichste Deutsche – Künftig sollen Kinder übernehmen
Susanne Klatten steht trotzdem an der Spitze. Das Forbes-Magazin listet sie seit Jahren unangefochten als reichste Deutsche auf, mit einem geschätzten Vermögen von 25,2 Milliarden Euro.
2018 hat sich die 63-Jährige von ihrem Mann Jan Klatten getrennt, über die Gründe ist nichts bekannt. Aus vielen Unternehmensbeteiligungen ist Klatten ausgestiegen. Die verbliebenen Aktienanteile sollen nach und nach an ihre drei Kinder übergeben werden, erklärte sie im vergangenen Jahr. „Die Zeit ist nun da, den nächsten Schritt zu gehen“, sagte sie der „Wirtschaftswoche“.
Wenn es nach Klatten geht, ist dieser nächste Schritt Europa. Sie wolle UnternehmerTUM zu einem europäischen Gründerzentrum umbauen, sagte Klatten in einem Interview. „Nur gemeinsam können wir gegenüber den USA oder China bestehen.“ Es brauche mutige Start-ups und neue Technologien, nicht nur DAX-Konzerne. Womit wieder Dieter Schwarz ins Spiel kommt: Das Wirken von Susanne Klatten in München soll den Lidl-Gründer zum Aufbau des Ipai als europäischem KI-Standort inspiriert haben.
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