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Richard Bauder

Audi-Dieselprozess: Anwälte kritisieren Anklage gegen Neckarsulmer Ex-Manager scharf

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Der zweite Audi-Dieselprozess gegen vier ehemalige Topmanager in München droht, sich in die Länge zu ziehen. Ein Deal ist nicht in Sicht. Die Anwälte des Ex-Managers Richard Bauder in Neckarsulm kritisieren die Anklage.


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Nach zwei Wochen Osterpause wurde am vergangenen Montag der Audi-Dieselprozess vor dem Landgericht München II fortgesetzt. Auf der Anklagebank sitzen die beiden ehemaligen Audi-Vorstandsmitglieder Stefan Knirsch und Ulrich Hackenberg, beide verantworteten einst die Technische Entwicklung. Einer der Angeklagten ist Richard Bauder, der von 1993 bis zu seinem Ruhestand 2012 die Dieselmotoren-Entwicklung bei Audi am Standort Neckarsulm verantwortet hat. Vierter im Bunde ist Axel Eiser, der einst die gesamte Aggregate-Entwicklung bei Audi geleitet hat.

Audi-Dieselprozess um Richard Bauder: Anklage fehlerhaft?

Nachdem die Anklage nun endlich vollständig verlesen wurde, haben nun die Angeklagten, beziehungsweise deren Anwälte, das Wort. Ihnen werden unter anderem Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung vorgeworfen. Alexander Deichstetter, einer der beiden Anwälte von Richard Bauder, stellte den Antrag, das Verfahren gegen seinen Mandanten komplett einzustellen.

Die Anwälte des Neckarsulmers Richard Bauder haben beantragt, das Verfahren gegen ihn einzustellen.
Die Anwälte des Neckarsulmers Richard Bauder haben beantragt, das Verfahren gegen ihn einzustellen.  Foto: Audi

Die Anklage sei so fehlerhaft, dass sie nicht als Grundlage eines Verfahrens dienen könne: Den gültigen Rechtsgrundsätzen entgegen benenne sie weder die genauen zur Last gelegten Taten des Beschuldigten noch Zeit und Ort ihres Geschehens – sie stütze sich auf Gutachten, die es zur Zeit der Anklageerhebung noch gar nicht gegeben habe. Sie stütze sich auf Daten, die nach 2012 auf Autos, die vorher hergestellt wurden, übertragen wurden, Bauder ging jedoch 2012 in den Ruhestand, Motoren mit der Original-Software, wie sie zu seiner Zeit konfiguriert waren, seien zur Beweissicherung gar nicht mehr erhältlich. Die Anklage habe aus diesen und weiteren Gründen ihre Wirksamkeit verloren.

Anwalt von Bauder: Mandant habe nie etwas von Manipulationen gewusst

Auch Stephan Tschaidse, der zweite Verteidiger von Richard Bauder ergriff das Wort. Der ehemalige Leiter der Dieselmotoren-Entwicklung am Standort Neckarsulm hatte von den Manipulationen nie etwas gewusst. Ursprünglich wollte er bereits 2008 in Rente gehen, hat aber auf Drängen von Audi sein Arbeitsverhältnis um zwei und nochmal um zwei Jahre verlängert, um seine Nachfolger einarbeiten zu können. Zum 29. Februar 2012 verabschiedete er sich endgültig, während nach Tschaidses Recherchen eine Mail belegt, dass es erst Ende März 2012 konkrete Überlegungen gab, mit Manipulationen die Abgasproblematik in den Griff zu bekommen.

Bauder habe, so sein Verteidiger, bis auf sein letztes Jahr nicht mit Laptop und E-Mails gearbeitet, sondern auf Papier notiert und ein Arbeitstagebuch in Heftform geführt. Dort käme nichts über die besagten Manipulationen vor; einem von der Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachten zufolge kann eine nachträgliche Manipulation dieser Bücher ausgeschlossen werden. Sein Mandant habe außerdem ein Fixgehalt bezogen, ein finanzielles Motiv, gesetzeswidrige Manipulationen zu veranlassen, habe er nicht gehabt. 

Audi-Dieselprozess: Kein Deal mit den vier Angeklagten in Aussicht

Aktuell bereiten sich alle Beteiligten auf ein langes Verfahren vor. Sechs bis zwölf Monate Haft auf Bewährung sowie eine Geldstrafe – ein solches Urteil für die vier Angeklagten wäre für den Vorsitzenden Richter Andreas Bayer vorstellbar gewesen. Das hatte er am Montag in der Verhandlung mitgeteilt. In mehreren Rechtsgesprächen hat die 5. Große Strafkammer in den vergangenen Wochen ausgelotet, wie sich das Verfahren mit Hilfe eines „Deals“ erheblich beschleunigen ließe. Am Ende gelang keine Einigung mit der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung.

Rupert Stadler und Co.: Erster Dieselprozess zog sich über 171 Tage

Nun wird es wohl ähnlich lange ziehen wie beim ersten Audi-Dieselprozess. Der nahm m September 2020 ebenfalls in München seinen Anfang gegen Rupert Stadler und drei Mitangeklagte. Der Prozess dauerte fast zwei Jahre und neun Monate und zog sich über 171 Verhandlungstage. Im Mai 2023 legte Stadler ein Geständnis ab. Mit einem „Ja“ bestätigte er vor dem Landgericht München eine von seiner Verteidigerin verlesene Erklärung. Darin hatte Stadler Fehlverhalten eingeräumt. Er hätte die Möglichkeit gehabt, einzugreifen, dies aber unterlassen. Dies bedauere er sehr. Er sehe, „dass es ein Mehr an Sorgfalt“ gebraucht hätte. Letztlich wurde Stadler zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, zudem musste er eine Strafe von 1,1 Millionen Euro bezahlen.

Auch zwei Mitangeklagte – der frühere Chef der Motorentwicklung und spätere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz sowie der Ingenieur Giovanni P. – erhielten damals Bewährungsstrafen wegen Betrugs. Bereits Anfang April 2023 hatte das Gericht das Verfahren gegen den Chemiker Henning L. eingestellt. Er war einst für die Abgasnachbehandlung in der Neckarsulmer Dieselmotoren-Entwicklung zuständig und saß als einziger der vier Angeklagten nicht in Untersuchungshaft. L. war Kronzeuge, der im Rahmen der Ermittlungen und während des Prozesses umfassend ausgesagt hatte. 

Am kommenden Montag wird in München im Prozess gegen Hackenberg, Knirsch, Bauder und Eiser weiter verhandelt.

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