Nur er selbst sieht sich nicht als Dieselpapst
Neckarsulm - Richard Bauder hat Geschichte geschrieben: Vor 20 Jahren war er an der Entwicklung des ersten TDI-Motors von Audi beteiligt. Heute leitet er die Forschung an den Motoren der Zukunft und ist Herr über 220 Mitarbeiter.

Neckarsulm - In den Medien wird er oft als Dieselpapst bezeichnet. Von dem Begriff hält Richard Bauder nichts. "Ich bin Dieselentwickler", sagt der 60-Jährige. Das zeichnet den Neckarsulmer aus: Trotz aller Erfolge ist er immer bescheiden geblieben und hat sich nie in den Vordergrund gedrängt. Dabei hat Bauder Geschichte geschrieben: Vor 20 Jahren war er an der Entwicklung des ersten TDI-Motors von Audi beteiligt. Heute leitet er die Forschung an den Motoren der Zukunft und ist Herr über 220 Mitarbeiter.
Ruhestand
"Als der Motor das erste Mal auf dem Prüfstand lief - das war schon ein erhabenes Gefühl", erzählt Bauder. Nach über 40 Jahren bei Audi hört der Vater von zwei Töchtern 2010 auf. "Die Entscheidung, in ungefähr einem Jahr in den Ruhestand zu gehen, ist mir relativ leicht gefallen", sagt Bauder. "Auf mich warten im neuen Lebensabschnitt viele schöne Dinge, die ich bisher mangels Zeit nicht richtig angehen konnte." Mehr Zeit für die Familie, die Arbeit im Garten, "und ab und zu mal ein gutes Glas Wein". Der Leichtathletik möchte er sich weiter widmen, die in all den Jahren zwischen Büro, Prüfstand und Testfahrten Ausgleich zum Beruf war.
Bis es soweit ist, hat sich Richard Bauder ganz seiner Arbeit verschrieben. Den ein oder anderen Motor will er noch auf den Weg bringen. Benzin im Blut? Der 60-Jährige lacht. "Bei mir ist es wohl eher Diesel. Aber klar: Das gehört bei dem Job natürlich dazu." Akribisches und akkurates Arbeiten - das war schon immer das Ding des Neckarsulmers. Ohne Begeisterung an der Sache läuft in diesem Job nichts. Man müsse ein Gefühl für Bauteile entwickeln, meint der Ingenieur, kreativ sein und auch mal Rückschläge wegstecken können.
Richard Bauder - ein Macher, der das Gespür für die technisch beste Lösung hat. Ein Mannschaftsspieler, der hinter seinem Team steht. Die Leidenschaft für Motoren liegt bei den Bauders in der Familie. "Mein Vater war auch Motorenentwickler und hat mich und meinen neun Jahre älteren Bruder Armin wohl infiziert." Lange haben die Brüder, die in Neckarsulm Tür an Tür leben, gemeinsam an den Audi-Motoren getüftelt. Bis 1993, als eine Umstrukturierung Diesel von Benzin, und Richard Bauder von seinem Bruder, dem Experten für alle Ottomotoren, trennte.
Loslassen
Mit dem Bruder in der Firma, im selben Bereich? "Das hat immer gut geklappt", so Bauder. "Wir hatten immer ein angenehmes Verhältnis." Künftig wird mehr Zeit bleiben für ein gemeinsames Schwätzchen im Garten. Ganz loslassen? Das wird Richard Bauder anfangs schwer fallen. Eines sei jedenfalls sicher: "Ich werde weiter Audi-Modelle mit unseren TDI-Motoren fahren", sagt der Neckarsulmer. "Und ab und zu die Kollegen fragen, wie sie das ein oder andere Detail weiterentwickelt haben."
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