Audi-Dieselskandal: Überraschende Kehrtwende nach dem Stadler-Urteil
Der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler, Ex-Motrorenchef Wolfgang Hatz und der Ingenieur P. gehen trotz Bewährungsstrafen in Revision. Über die Beweggründe kann derzeit nur spekuliert werden.

Der Prozess um den Dieselskandal in München? Schien nach der Urteilsverkündung am Dienstag vor einer Woche schon abgehakt zu sein. Zumal der Rauswurf von Audi-Chef Markus Duesmann dem Autobauer längst andere Schlagzeilen beschert hatte.
Doch nun gibt es eine überraschende Wende in dem Prozess, der fast zweieinhalb Jahre lief. Die Verteidiger des ehemaligen Audi-Chefs Rupert Stadler und seiner beiden Mitangeklagten Wolfgang Hatz und Giovanni P. haben am Dienstag überraschend Revision gegen das Urteil des Landgerichts München eingelegt. Die Drei hatten ein Geständnis abgelegt und waren zu Bewährungsstrafen und Geldzahlungen wegen Betrugs verurteilt worden.
Stadlers Anwalt hatte sich zunächst zufrieden gezeigt
Gerade im Fall von Rupert Stadler zeigen sich Prozessbeobachter verwundert. Ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Zahlung von 1,1 Millionen Euro: Das wäre der Preis für den Bayern gewesen. Dienstag vergangener Woche hatte der 60-Jährige das Gericht als freier Mann verlassen. Sein Anwalt Thilo Pfordte hatte sich nach der Urteilsverkündung noch sehr zufrieden vor der Presse geäußert. Vor allem, weil seinem Mandaten damit eine Gefängnisstrafe erspart bleibe.
Wurde Stadler von den Ingenieuren getäuscht?
Über Stadlers Beweggründe kann man nur spekulieren. Einige ehemalige Wegbegleiter mutmaßen, dass er sich nur im Hinblick auf die Straffreiheit zu dem Geständnis habe bewegen lassen, er aber nach wie vor von seiner Unschuld überzeugt sei. Der ehemalige Audi-Chef hatte stets gesagt, dass er von seinen Ingenieuren getäuscht wurde.
Der Gang in die Revision könnte für Stadler, der elf Jahre lang an der Spitze des Autobauers stand, am Ende doch noch im Gefängnis enden. Prozessbeobachter sagen allerdings, dass die Beweisführung gegen ihn mit am schwersten sei, da er im Gegensatz zu den Ingenieuren selbst ja nicht ursächlich an der Manipulation der Motoren beteiligt war. Stadler war einst Finanzvorstand bei Audi, bevor er 2007 zum Vorstandschef berufen wurde.
Konstellation rund um Wolfgang Hatz: Vieles bleibt im Dunkeln
Besonders interessant erscheint auch die Konstellation rund um Wolfgang Hatz. Der ehemalige Audi-Motorenchef und spätere Porsche-Vorstand war zu zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldbuße von 400.000 Euro verurteilt worden. Dagegen gehen nicht nur die Anwälte des 64-Jährigen vor, sondern auch die Staatsanwaltschaft selbst. Anders als bei Stadler und dem Ingenieur P. hatte sie sich dagegen gewehrt, dass auch Hatz nicht ins Gefängnis muss. Vieles bleibt im Dunkeln.
Wie aus dem Umfeld des Prozesses zu hören ist, soll sich Hatz in der Ermittlungsphase am wenigsten kooperativ gezeigt haben. Er saß zehn Monate in Untersuchungshaft und damit die längste Zeit aller Angeklagten. Im April hatte Hatz vor Gericht von seinen Anwälten erklären lassen, dass ihm bewusst gewesen sei, dass die von ihm mitverantwortete Abgasnachbehandlung in zahlreichen Fahrzeugen illegal gewesen sein könnte.
Dieselskandal: Kein Ende in Sicht
Wie man es dreht und wendet: Der Dieselskandal zieht sich weiter hin. Im September 2015 war der Betrug aufgeflogen, der Prozess in München zog sich zweieinhalb Jahre hin. Ein Ende ist kaum absehbar. Denn die Strafkammer hat nun bis zum 9. April 2024 Zeit für die schriftliche Urteilsbegründung. Angesichts der Komplexität des Verfahrens wird dies sicher einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Nach der Zustellung des Urteils haben Verteidiger und Staatsanwaltschaft wiederum Gelegenheit, die Revision zu begründen. Anschließend werden alle Akten dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorgelegt. Wann das der Fall sein wird, lässt sich derzeit kaum abschätzen.
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