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Dieselprozess: Ein Deal mit fadem Beigeschmack

  
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Rupert Stadler kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Das Geständnis des ehemaligen Audi-Chefs lässt Fragen offen, meint unser Autor.

  
Rupert Stadler, Ex-Vorstandsvorsitzender von Audi, beim Prozess vor dem Landgericht in München.
Rupert Stadler, Ex-Vorstandsvorsitzender von Audi, beim Prozess vor dem Landgericht in München.  Foto: Matthias Schrader/AP-Pool/dpa

Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Diese Redewendung mag dem einen oder anderen einfallen, der den Dieselprozess in München in den vergangenen zweieinhalb Jahren verfolgt hat. Dass der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler mit einer Bewährungsstrafe und einer Zahlung von etwas mehr als einer Million Euro davonkommt, passt sicherlich nicht in das Rechtsverständnis vieler Bürgerinnen und Bürger. Dennoch markiert das Urteil eine Zäsur in dem Skandal, der vor fast acht Jahren aufgedeckt wurde. Denn Stadler ist des Betrugs schuldig und mitverantwortlich für den Verkauf Tausender manipulierter Fahrzeuge mit Dieselmotor. Gleichwohl hat der 60-Jährige das Gericht als freier Mann verlassen.

 


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Erst als das Gefängnis drohte, folgte das Geständnis

Es ist schon grotesk. Über viele Jahre hinweg hatte der Topmanager seine Unschuld beteuert − erst als Gefängnis drohte, war er zu einem Geständnis bereit. Der Deal mit dem Gericht hinterlässt einen faden Beigeschmack. Geständnis oder Gefängnis: So weit musste es kommen, bis Stadler doch noch reinen Tisch machte. Sein Geständnis lässt gleichwohl viele Fragen offen. Zum Beispiel jene entscheidende, ob die Beweisführung tatsächlich für ein Urteil gegen ihn gereicht hätte.

Spannend wird nun auch die Frage, wie Staatsanwaltschaft und Gericht den nächsten Prozess angehen. Schließlich sitzen dann unter anderem ehemalige Vorstandskollegen von Stadler auf der Anklagebank. Die wussten sicher genau so viel oder so wenig wie Stadler selbst. Man darf gespannt sein, ob nun wieder jahrelang aufwendig und kostenintensiv verhandelt wird, oder relativ zügig wieder Deals auf dem Tisch liegen.

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